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Junge Maispflanzen auf einem Acker. Weil der Regen seit Wochen ausbleibt, sind die Maispflänzchen in ihrem Wachstum stark zurückgeblieben. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Könnte die schwarze Wundererde auch deutschen Maisäckern helfen?

Wundererde "Terra Preta"

Das Geheimnis der schwarzen Erde

Hitzeperioden, Dürrekatastrophen und unfruchtbare Äcker könnten schon bald zu Problemen bei der Welternährung führen. Gibt es überhaupt einen Ausweg aus dieser Sackgasse? Eine besondere Erde, "Terra Preta" genannt, könnte eine der Lösungen sein.
 

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12.09.2012, 21:00 Uhr
Video: Das Geheimnis der schwarzen Erde 6:25 Min
(© hr | alles wissen, 12.09.2012)
Prof. Bruno Glaser von der Martin-Luther-Universität Halle glaubt an die großen Möglichkeiten: "Die Terra Preta hat ein sehr großes Potenzial für die Bekämpfung des Klimawandels und zum anderen natürlich auch zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und damit für die Ertragssicherung und letztendlich auch zur Ernährungssicherung für die Weltbevölkerung."

Am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Uni Halle forscht Bruno Glaser seit Jahren daran, wie die Pflanzenerträge trotz Klimawandel gesteigert werden könnten. Im Fokus: eine hier schon eingesetzte geheimnisvolle Erde aus Südamerika, die Terra Preta. Doch was hat es damit auf sich?
 

Die Entdeckung der Schwarzen Erden

Schon in den 1960er Jahren stoßen Forscher in den Ebenen des Amazonas erstmals auf merkwürdige dunkle Erdschichten. Dreißig Jahre später beginnt Bruno Glaser, sich vor Ort mit der rätselhaften Erdschicht zu beschäftigen, die auf den ersten Blick an Torf erinnert. Glaser ist verwundert: solch nährstoffreiche Erde hatte er in solchen Breiten noch nie gesehen, auch die dunkle Farbe des Bodens irritiert ihn, denn hier ist der Boden normalerweise viel heller. Er meint: "Das war eine große Überraschung, so einen schwarzen Boden in der Hand zu halten, wo wir hier nur gelbe oder rote Böden vorfinden. Eigentlich dürften solche Böden hier gar nicht vorkommen, weil hier die Humusschichten sehr schnell abgebaut werden."

Doch Glaser findet viele solcher Böden! Sie bergen weitere Überraschungen. Der rätselhafte Amazonasboden ist zwei- bis dreitausend Jahre alt. Und: er ist nicht von Natur aus entstanden! Glaser und sein Team entdecken dabei Erstaunliches: In der geheimnisvollen Erde befinden sich Küchenabfälle wie Fischgräten und Knochen, menschliche und tierische Exkremente, pflanzliche Abfälle und vor allem Verkohlungsrückstände, also Holzkohlereste von den Feuerstellen der Einheimischen.
 

Das Geheimnis der Schwarzen Erden

Die Verkohlungsrückstände fungieren als eine Art Schwamm, der vor allem als Feuchtigkeitsspeicher dient, aber auch jeder Menge Mikroorganismen Platz bietet und diese stabil im Boden hält. Doch funktioniert das Rezept dieses Power-Düngers auch heute noch? Das wollten die Forscher genau wissen und entwickelten ihre eigene "Terra Preta". Dabei vermengten sie pflanzliche und organische Abfälle mit Kohle und kompostierten das Gemisch. Dann pflügten sie es in normalen Ackerboden unter.

Dass die Qualität und der Nährstoffgehalt der mit Terra Preta geimpften Böden wirklich besser ist, als hat sich eindrucksvoll gezeigt: in der Schwarzerde steckt gut die vierfache Menge an Co2 und ein deutlich höherer Humusgehalt als in den Böden, die ohne Terra Preta auskommen mussten. Aber wachsen die Pflanzen dadurch wirklich besser? Bei den mit und ohne Terra Preta angebauten Zucchinis erkennt man, obwohl die Pflanze gut gewachsen ist, wie trocken der mit klassischem Kompost gedüngte Boden ist. Ganz anders der Terra-Preta-Boden, auf dem nicht nur erheblich größere Zucchinis wachsen, sondern der Boden dabei auch noch feucht ist.
 

Im Kreislauf mit der Natur – ein Versuch

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Projektinformationen TerraBoGa

Schließung von Kreisläufen durch Energie- und Stoffstrommanagement
bei Nutzung der Terra-Preta- Technologie im
Botanischen Garten im Hinblick auf Ressourceneffizienz und
Klimaschutz – Modellprojekt Urban Farming (TerraBoGa)

Projekt
Projektnehmer: Arbeitsgruppe Geoökologie an der FU Berlin
Projektstart: 1.9.2010
Laufzeit: 36 Monate

Kontakt
Dr. Robert Wagner
Freie Universität Berlin
FB Geowissenschaften
fon: +49 (0)30 838-70435
E-Mail: rowagner@zedat.fu-berlin.de
Auch im Botanischen Garten Berlin will man die alte Wundererde neu nutzen. Jährlich fallen dort gut 2000 Kubikmeter pflanzlicher Restmüll an. Ein Großteil davon muss teuer entsorgt werden. Der Plan des sogenannten Terra Boga Projekts ist simpel, aber effektiv: aus den zahlreichen Pflanzenresten und den Hinterlassenschaften der Besucher aus den sanitären Anlagen soll eine eigene Schwarzerde hergestellt werden. Auch die dafür benötigte Pflanzenkohle soll aus den holzigen Pflanzenresten gewonnen werden. Und zwar mithilfe eines speziellen Ofens. Der ist in der Lage, Pflanzenreste mit extrem wenig Co2 Ausstoß in Pflanzenkohle zu verwandeln.
 

Pflanzenkohle als Klimaretter

Der geringe Co2-Ausstoß ist durchaus akzeptabel, denn durch den Einsatz von Pflanzenkohle in der Terra Preta wird an anderer Stelle viel Co2-Emission vermieden. Und zwar auf ganz natürliche Weise: Pflanzen entziehen der Atmosphäre das Treibhausgas CO2. Sterben sie ab, werden bei diesem normalen Verrottungsprozess große Teile des zuvor gespeicherten CO2 wieder freigesetzt. Durch den speziellen Verbrennungsprozess zur Pflanzenkohle wird das jedoch vermieden, das CO2 bleibt in der Kohle, wird dauerhaft in den Boden eingebunden und sorgt dort wiederum für einen gesunden Pflanzenwuchs.

Dr. Robert Wagner von der Freien Universität Berlin sieht noch mehr Vorteile: "Wir entlasten die Umwelt durch eine Reduzierung der Treibhausgase wie zum Beispiel CO2. Und wir können mit dieser Technologie auf der einen Seite den Einkauf von Komposten reduzieren und dort Geld sparen, und auf der anderen Seite die Entsorgung von pflanzlichen Abfallstoffen reduzieren und hier auch wieder Kosten sparen."
 

Terra Preta als Hoffnungsträger

Es muss sich in den nächsten Jahren zeigen, ob das "Terra BoGa"-Projekt tatsächlich so funktioniert, wie es sich die Berliner Wissenschaftler erhoffen. Die Hoffnung ist auf jeden Fall da, dass "Terra Preta", dieser vor Jahrtausenden entstandene Super-Dünger, in Zukunft einen wichtigen Beitrag für die Welternährung leisten könnte.

Autorin: Sabine Guth
 

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Redaktion: kim
Letzte Aktualisierung: 18.10.2012, 12:21 Uhr
 
 
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