43. Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2012
JAZZROCK JETZT!
Wie kann man nur so unbelehrbar sein und mit Jazzrock bzw. Fusion eine Stilrichtung zum Thema machen, die seit Jahren fast zu einem Schimpfwort verkommen ist? Wer will denn heute noch selbstgefällige Endlos-Soli hochgezüchteter Virtuosen hören, wer möchte noch in satten Synthesizer-Wolken versinken? Wer allerdings einem solchen Jazzrock-Verständnis huldigt, verkennt das Potenzial, das noch immer in diesem Bastard steckt: Er ist nicht tot zu kriegen und seine Energie und Lebenslust sind immer wieder ansteckend.
Die Power des Rock mit der Virtuosität des Jazz zu vereinigen, das war Ende der 60er Jahre ein genialer Coup. Im Auge des Orkans stand damals Miles Davis und sein Bitches Brew, in der Folge wurden seine Mitmusiker zu Kristallisationsfiguren der Fusion-Bewegung. Das anything goes feiert im Jazz seitdem fröhliche Urständ. Es bedurfte nicht erst der grassierenden Revival-Manie, dass nach 4 Jahrzehnten plötzlich Bands wie etwa Chick Corea's Return To Forever reanimiert werden.
Das Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2012 geht noch einen Schritt weiter: Der französische Geiger Jean-Luc Ponty gehörte zweifellos zu den Antreibern der Bewegung. Im Kontext der hr-Bigband werden seine musikalischen Wegmarken (Frank Zappa, Mahavishnu Orchestra, Return To Forever) neu erfunden. Die Soft Machine Legacy als Nachfolger der legendären Soft Machine, des damals wichtigsten europäischen Beitrags zum Jazzrock, wird mit frischem Material und neuen Musikern die Legende fortschreiben. Was die Stick Men mit dem Ex-Zappa-Drummer Terry Bozzio an zeitgemäßen Intensitäten auf die Bühne bringen, ist ohnehin unerhört. Längst gibt es aber auch Bands wie The Aristocrats, deren Musiker zu Zeiten der Jazzrock-Revolution noch nicht geboren waren und heute lustvoll demonstrieren, was ein Power-Trio leisten kann. Auch die digitalen Klang-Welten eines Nils Petter Molvaer wären ohne die Vorleistungen von Miles Davis nicht denkbar.
43. Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2012
Das Festival findet vom 25.-28.Oktober im Sendesaal des hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main in der Bertramstraße statt.
Die Konzerte sind ausverkauft. Wenige Restkarten an der Abendkasse.
Zum Programm der einzelnen Tage:
Donnerstag 25.10.
Freitag 26.10.
Samstag 27.10.
Sonntag 28.10.
Der erste Festival-Abend, eine Kooperation mit den Europa-Kulturtagen der EZB, präsentiert französische Musiker: Neben Jean-Luc Ponty wird es ein spektakuläres Zusammentreffen von Frankreichs jüngstem Jazz-Exportschlager, dem Pianisten Yaron Herman, mit dem Übervater Michel Portal geben bevor dieser zusammen mit seinem Instrumentalkollegen Louis Sclavis und dem Magnum-Fotographen Guy Le Querrec in einem multimedialen Projekt auftritt. Zum Abschluss des Festivals werden Michael Wollny und Tamar Halperin ihre Wunderkammer mit der hr-Bigband großorchestral gestalten.