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Glocken - Klänge der Heimat

Das Handwerk des Glockengießens

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Schrittweise Fertigung

Zitat

Friedrich Schiller,
Das Lied von der Glocke

"Fest gemauert in der Erden / Steht die Form aus Lehm gebrannt. / Heute muss die Glocke werden! / Frisch, Gesellen, seid zur Hand! //
Von der Stirne heiß /
Rinnen muss der Schweiß, / Soll das Werk den Meister loben! / Doch der Segen kommt von oben."

So beginnt die 1799 veröffentlichte Ballade Friedrich Schillers. Schiller beschreibt darin das Entstehen einer Glocke und schildert zugleich, wie der Klang der Glocke das Leben der Menschen begleitet: Von der Geburt bis hin zum Grab.
Der Glockenkern ist eine in der Erde fixierte Form. Sie wird in einer Grube als Hohlkörper gemauert und mit Lehm bestrichen. Die Lehmschicht wird mit einem rotierenden Schaber abgezogen und muss dann austrocknen. Auf die ausgetrocknete Lehmschicht bringt man ein Trennmittel auf (Talg, Fett, Graphit).

Auf den fertigen Glockenkern wird wiederum Lehm aufgetragen. Das ist die falsche Glocke. Sie hat genau die Form der späteren Glocke. Nachdem auch diese Lehmschicht getrocknet ist, werden auf ihr alle Verzierungen und Schriften, die die fertige Glocke schmücken sollen, aus Wachs aufgebracht. Abschließend wird auch auf diese Wachsschicht wieder Lehm aufgetragen. Diese äußere Lehmschicht ist der Glockenmantel.

Sind diese Arbeitsschritte abgeschlossen, wird das Ganze mit einem Feuer im hohlen Glockenkern ausgebrannt. Anschließend wird der Mantel abgehoben und die falsche Glocke zerschlagen. Danach wird der Mantel wieder aufgesetzt. Zwischen Kern und Mantel ist nun ein Hohlraum. Das ist die Form, die die spätere Glocke haben wird.
 

Mehrere Wochen Abkühlzeit

Zum Guss wird die Grube, in der die Glockenform steht, mit Erde gefüllt und ordentlich verdichtet. Das ist notwendig, damit die Form den beim Gießen entstehenden Druck aushalten kann. Über Rinnen wird die erhitzte Glockenspeise (≈1100°C) durch das Gussloch in die Form geleitet. Durch ein oder zwei andere Löcher entweicht die Luft und die beim Gießen entstehenden Gase.

Nach mehrwöchiger Abkühlzeit kann die Glocke aus der Form geholt werden, wobei erst dann sichtbar wird, ob der Guss gelungen ist. Als Termin für den Guss wird traditionell der symbolträchtige Freitagnachmittag um 15 Uhr – die Sterbestunde Jesu Christi – gewählt.

In den Jahren des ersten und zweiten Weltkrieges entstanden Glocken auch aus anderen Materialien, wie beispielsweise Gussstahl. Bronze war in dieser Zeit der Kriegsindustrie vorbehalten. Diese Gussstahl-Glocken haben jedoch eine weit kürzere Lebensdauer und meist auch einen schlechteren Klang. Sie blieben daher weitgehend ein Krisenphänomen. Dennoch gibt es bis heute Gussstahl-Glocken an prominenter Stelle. Ein Beispiel ist die Kaiser-Ruprecht-Glocke in der Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße. Sie ist mit 14.000 kg die schwerste schwingend geläutete Gussstahlglocke überhaupt und die zweitgrößte Glocke Deutschlands nach der St. Petersglocke im Kölner Dom.
 
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Redaktion: je / magr
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 8.02.2016, 12:09 Uhr
 

 
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