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20.10.2011

Bürgermeister Ockel

"Wir alle trauern dem Wald nach"

Flieger über dem Kelsterbacher Wald (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Flieger über dem Kelsterbacher Wald
Weniger Wald, mehr Lärm, sinkende Immobilienpreise – der Bau der neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald hat die Stadt nachhaltig verändert. Wie es in Kelsterbach nun weitergeht, erklärt Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) im Interview.
 

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hr-online: Herr Ockel, nächsten Freitag wird die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen eingeweiht. Gehen Sie zur Eröffnungsfeier?

Manfred Ockel: Ich befinde mich in der nächsten Woche im Urlaub, der war nicht zu verschieben.

Kelsterbach ist vom Flughafenausbau mit am stärksten betroffen. Wie geht es der Kommune jetzt - im Hinblick auf Waldrodung und mehr Lärm?

Wir alle trauern, den Kelsterbacher Wald verloren zu haben. Er war Naherholung, Lebensraum und auch Lärmschutz für uns. Nach der Rodung ist es in vielen Teilen von Kelsterbach lauter geworden - teilweise nicht messbar, da auch der Bodenlärm und das Dröhnen nicht in der Fluglärmmessung voll wiedergegeben werden.
 
Einfach für alle. Der Rundfunkbeitrag.
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 (Bild: www.kelsterbach.de)
Bürgermeister Manfred Ockel
Wie wirkt sich das auf die Immobilienwerte in Kelsterbach aus?

Die Immobilienwerte gehen überall dort – vorübergehend - herunter, wo eine signifikante Mehrbelastung von Fluglärm entsteht. Ich gehe deshalb davon aus, dass im Wohnviertel Hasenpfad eine Wertminderung von bestimmt zehn Prozent entstanden ist, sofern die befürchtete Mehrbelastung auch eintritt. Ansonsten gehe ich von keiner flächendeckenden Wertminderung in Kelsterbach aus. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Wohnraum steigt.
 
Manche Bürger werfen der Stadt vor, den Kelsterbacher Wald zu einem viel zu niedrigen Preis verkauft zu haben. Wie sehen Sie das im Nachhinein?

Man muss dabei immer berücksichtigen, dass es nicht um einen freien Verkauf des Waldes ging. Wir hatten in dem damaligen Stadium nur die Alternative zwischen Enteignung und freiwilligem Verkauf. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass leider nicht mehr finanziell möglich war. Wenn man den Wald vor dem Planfeststellungsbeschluss verkauft hätte, hätte man selbstverständlich einen viel höheren Preis erzielen können - das war aber politisch nicht gewünscht.

Der Wegzug großer Unternehmen aus dem Gewerbegebiet trifft die Kommunen sicherlich auch hart.

Der Weggang von Ticona hat selbstverständlich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer negativ beeinflusst. Nun gilt es, dieses Loch wieder zu schließen. Das gelingt hoffentlich mit dem gut prosperierenden Mönchhofgelände und der Nachnutzung des Ticona-Geländes. Condor hat vor allem den Standort Kelsterbach zu Gunsten von Gateway Garden verlassen, weil dort durch die direkte Verbindung zum Flughafen die Effizienz des Flugpersonals erheblich gesteigert werden konnte [Condor will im Frühjahr 2012 in ein neues Gebäude am Flughafen ziehen. A.d.R.].

Was geschieht mit der freiwerdenden Fläche?

Die Räumung des Geländes macht gute Fortschritte. Der Flughafenbetreiber Fraport hat sich zunächst entschieden, Teile des Geländes schnellstmöglich mit einer Verlagerung von Abteilungen selbst zu nutzen. Dies verdient Lob, um auch hier schnell Einnahmen erzielen zu können. Die Nachnutzung soll mit dem Beginn des Bauleitplanverfahrens bald starten.
 
Sie hatten im Frühjahr angekündigt, das Gewerbegebiet "Im Taubengrund" für die Zukunft neu aufzustellen. Wie ist der aktuelle Stand?

Für das Gebiet haben wir eine Strukturanalyse vorgenommen. Hier wird weiter mit den Eigentümern intensiv zu überlegen sein, wie man attraktive größere Flächen für die Vermarktung bekommt. Für den noch ungenutzten Teil haben wir eine Bebauungsplanänderung eingeläutet.

Fraport hat Kelsterbach zum Ausgleich für den Flughafenausbau einige Versprechen gegeben - ist schon etwas passiert?

Nach meiner Auffassung gibt es einen intensiven und guten Kontakt mit der Fraport und anderen Firmen in Sachen Praktika und Ausbildungsplätze. Was dort zugesagt wurde, ist bislang größtenteils eingehalten worden.

Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat jüngst entschieden, dass es auf dem Frankfurter Flughafen vorerst keine Nachtflüge mehr geben darf. Freuen Sie sich darüber?

Ich finde es eine mutige, konsequente und bemerkenswerte Entscheidung des VGH. Der VGH hat bei der Prüfung des Planfeststellungsbeschlusses die Nachtflugregelung moniert. Im Übrigen gab es immer das politische Versprechen, den Ausbau nur mit einem Nachtflugverbot zu realisieren. Dass die Landesregierung selbst dieses Versprechen umgehen wollte, hat für die Glaubwürdigkeit der Politik einen großen Schaden in der betroffenen Bevölkerung hinterlassen. Ich hoffe nur, dass das Bundesverwaltungsgericht das Nachtflugverbot bestätigt.

Das Gespräch führte Susanne Mayer, hr-online
 
Lärmschutz-Zonen
 
Redaktion: suma / aba
Bilder: © www.kelsterbach.de (1), © picture-alliance/dpa - Archiv (1)
Letzte Aktualisierung: 20.10.2011, 10:57 Uhr
 

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Hintergründe, Veranstaltungen und Aktionen zum Jahr der Wälder: www.wald2011.de

Infos über den Landesbetrieb Hessen-Forst:
www.hessen-forst.de

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald:
www.sdwhessen.de

Wald-Wissen und Veranstaltungen:
www.treffpunktwald.de
 
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