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Die Hesselbach-Filmcrew (Bild: hr/Kurt Bethke)
Die Hesselbach-Filmcrew
23.02.2007

Unvollkommen und beliebt: Die Darsteller

"Wir leben in einer Gesellschaft von unvollkommenen Menschen" war Wolf Schmidts Grundsatz. "Ich halte es daher für sinnlos, den vollkommenen Menschen darzustellen, den wir ja doch nie erreichen."
 
Genau so konzipierte er die Charaktere der Hesselbachs: Im Grunde waren sie jedermanns Nachbar, mit Ecken und Kanten, Macken und Marotten. Diese Nähe war ihr Erfolgsgeheimnis: "Was wir da auf dem Bildschirm sehen, das hat auch etwas mit uns zu tun", meinte Wolf Schmidt. Doch wer steckte hinter Familie Hesselbach, Putzfrau Siebenhals, Buchhalter Münzenberger und Co.?
 

Mamma Hesselbach - Liesel Christ

Liesel Christ als Mamma Hesselbach in der Folge "Herr Hesselbach und das Festival" (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Liesel Christ in Hessentracht
„No, wie hab ich des gemacht – wenn Du glaubst, ich find Dich net, ich find Dich doch“ triumphierte Wolf Schmidt, als er Liesel Christ zu den Hesselbachs geholt hatte. Gemeinsam waren sie schon kurz nach dem Krieg mit Schmidts Kabarettgruppe „Die Zeitgenossen“ übers Land gezogen – bis Christs Gesundheit nicht mehr mitmachte. „Das schlechte Essen der damaligen Jahre war wohl Schuld daran“, vermutete sie 1978 in einem Interview. Er werde sie wiederfinden, habe Schmidt ihr damals versprochen.

Während 1959 beim Hessischen Rundfunk bereits die Vorbereitungen für die Produktion der Fernseh-Hesselbachs liefen, hatte Christ ein Engagement am Mainzer Theater. Eines Tages rief dort Fernseh-Programmdirektor Hans-Otto Grünefeldt an und fragte sie, ob sie die Rolle der Mamma Hesselbach übernehmen wolle: Eine weltfremde Hausfrau mit überholten moralischen Ansichten, ungebildet und für die restlichen Familienmitglieder oft sehr anstrengend – doch im Kern ein lieber Mensch. Liesel Christ selbst bezeichnete die von ihr gespielte Figur als „fürchterliches Weib“.
Dass Schmidt mit ihr die richtige Wahl getroffen hatte, stellte er 1963 zufrieden fest, kurz vor dem eigentlich vorgesehen Ende der Serie mit Folge 42: „Von den vier ‚Müttern Hesselbach’, die ich hatte, war Liesel Christ diejenige, die am stärksten alle Elemente gehabt hat, die für diese Figur nötig sind. Sie ist eine hervorragende Schauspielerin. Man braucht ihr nur den Bruchteil eines Satzes sagen – sie erfasst es sofort.“

Liesel Christ zeigte ihr schauspielerisches Talent schon im Alter von vier Jahren: Auf Frankfurter Bühnen übernahm sie die Kinderrollen, etwa in Puccinis Oper „Madame Butterfly“, im „Woyzeck“ und - ganz hessisch – im „Schinderhannes“. Mit 14 Jahren begann sie als jüngste Schülerin an der Hochschule für Musik und Theater, mit 17 machte sie ihren Abschluss. Es folgten Engagements in Koblenz, Heilbronn, Görlitz und Mainz; in Amerika machte sie zwischendurch ihre ersten TV-Erfahrungen.
1971 gründete sie das Frankfurter Volkstheater, ihr langjähriger „Herzenswunsch“, wie sie einmal sagte. Als Wolf Schmidt davon erfuhr, habe er begeistert die Hesselbachs auf ihrer Bühne inszenieren wollen – was sie ablehnte: „Es waren damals Strömungen gegen mich, und ich musste beweisen, dass ich nicht auf Hesselbach-Theater festzulegen bin. Der Beweis gelang ihr mit Stücken wie Goethes „Urfaust“ und Brechts „Mutter Courage“. Neben „ihren“ Theaterstücken spielte sie noch bis 1995 zahlreiche Fernsehrollen, darunter in den Serien „Mit Leib und Seele“ und „Ein Fall für zwei“.

Wenige Wochen nach dem Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen ihres Volkstheaters erleidet die an Demenz erkrankte Schauspielerin eine Gehirnblutung, worauf sie in ihrer Wohnung stürzt. Ihre Tochter findet sie leblos liegend und bringt sie sofort ins Krankenhaus, wo die Blutung mit einer Notoperation gestillt werden kann. Noch einmal erholt Liesel Christ sich, kann sogar Besuch empfangen. Alles deutet darauf hin, dass sie wieder nach hause kann. Eine zweite Blutung kurz darauf lässt sie jedoch ins Koma fallen, aus dem sie nicht mehr aufwacht. Am 15. August 1996 stirbt Liesel Christ, sie ist 77 Jahre alt. Als „Mutter für Frankfurt“, wurde sie in ihrer Traueransprache gewürdigt, die sich vor allem durch „Warmherzigkeit, Humor und soziales Engagement“ ausgezeichnet habe.

Zwar verlor Frankfurt mit ihrem Tod seine "Ur-Mutter" – doch ihr Andenken werden sogar jene weiter tragen, die sie gar nicht kannten: Mammas legendärer Ausruf „Kall mei Drobbe!“ war jüngst von einem verblüfften jungen Mann aus dem hessischen Seligenstadt zu vernehmen. Auf die Frage, ob er den Satz von den Hesselbachs her kenne, antwortete er irritiert: „Von wem? Nee. 'Nen Hesselbach kenn’ ich net. Aber des sagt doch hier jeder!“
 

Willi Hesselbach - Joost Jürgen Siedhoff

 (Bild:  hr)
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Joost Jürgen Siedhoff
Joost Siedhoff war bereits zu Beginn der Fernsehserie im Jahr 1960 ein Veteran in Sachen Hesselbach. Er hatte seit 1949 Willi, dem ersten Sohn der Familie im Hörfunk seine Stimme geliehen. Seine Rolle war die eines "ganz normalen Jungen in einer Familie", wie Siedhoff sich in der Dokumentation "Die Hesselbachs" erinnert.

Parallel zu diesen Hörspielproduktionen trat er auf verschiedenen Theaterbühnen auf. So musste er mit seinem Roller manchmal direkt nach der Vorstellung zur Aufnahme nach Frankfurt fahren, teils völlig übermüdet. Einmal sei er neben seinem brummenden Roller auf dem Grünstreifen der Autobahn aufgewacht – er war wohl während der Fahrt eingeschlafen und gestürzt.

In Wolf Schmidts Hesselbach-Kinofilmen überzeugte er in seiner Rolle als bisweilen vorlauter, aber bodenständiger Sohn auch mit seinen Qualitäten als Filmschauspieler. Als Kinofilme und Hörspielreihe 1956 ihr Ende fanden, verschlug es Siedhoff zur deutschen Bühne in Santiago de Chile, von wo aus er und ein Schauspielkollege mit einem Zwei-Personen-Stück rund 100.000 Kilometer weit durch Süd- und Mittelamerika tourten.

Ab 1960 spielte er in der Fernsehserie wieder – den inzwischen erwachsen gewordenen – Sohn Willi. Als Prokurist die Nummer zwei im Familienbetrieb, war der selbstbewusste Spross jedoch weder mit dem Vater stets einer Meinung, noch fühlte er sich in der kleinbürgerlich-drögen Atmosphäre von Firma und Familie wirklich wohl. Deshalb verließ er in der zehnten Folge das Elternhaus und siedelte mit seiner Frau Helga nach Amerika über.
Der tatsächliche Grund für sein Ausscheiden aus der Serie war Siedhoff zufolge die Tatsache, dass Wolf Schmidt in den für die Fernsehserie recycelten Familiengeschichten der Hörfunkreihe für einen älteren Sohn keine Rolle vorgesehen hatte. Außerdem habe Siedhoff sicher sein wollen, nicht dauerhaft auf das Hesselbach-Image festgelegt zu werden.
Wurde er auch nicht: Zwischen 1960 und 1973 zog er mit einem eigenen Theaterensemble um die Welt. Auch dem Fernsehen blieb er treu: Mehr als 200 Fernsehrollen habe er allein bis 1991 gespielt; danach war er in diversen TV-Produktionen (Polizeiruf 110, Lindenstraße, Tatort, etc.) dabei. Ferner war er in einigen Kinofilmen zu sehen, wenn auch nicht mehr mit dem Ruhm aus vergangenen Hesselbach-Zeiten: 1993 spielte er z. B. in "Das Geisterhaus" und 2003 in Eric Tills "Luther". Auch heute noch ist er als Herr Hansen in der ZDF-Serie „Hallo Robbie“ zu sehen.
 

Heidi Hesselbach - Rosemarie Kirstein

Rosemarie Kirstein im blauen Kleid, lächelnd (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Heidi Hesselbach sieht in "Der Kinderwagen" Mutterfreuden entgegen.
Als lebenslustig und heiter ist Rosemarie Kirstein in Erinnerung geblieben. Doch so, wie sie ihre Rolle als Heidi Hesselbach spielte, war sie im wahren Leben nicht: "Sie macht sich das Leben nicht leicht. Ich glaube, das kommt daher, weil sie schon als Kind Halbwaise wurde" sagte Liesel Christ einmal über ihre "stille, ernste" Film-Tochter.

Kirstein begann ihre Karriere auf der Nachwuchsschule der UFA-Studios. Ihre erste Filmrolle bekam sie 1959 mit 19 Jahren in "12 Mädchen und ein Mann", es folgten 1960 "Der Gauner und der liebe Gott" und 1961 "Lebensborn". Bei den Hesselbachs stieg sie in der 17. Folge gemeinsam mit Dieter Henkel ein. Sie war die Einzige in der Familie, die statt hessisch zu babbeln hochdeutsch sprach. "Sie spricht eben wie unsere modernen Teenager. Die meinen ja auch, hochdeutsch sei schick und wollen als angehende junge Dame nichts mehr vom Dialekt wissen" urteilte Wolf Schmidt über dieses "Manko". Dennoch wurde sie in der Familie liebevoll aufgenommen: "Mei Fernseh-Kinner hawwe die gleiche Mucke wie meine eigene. Aber se hörn genau so auf mich un de Babba, als ob’s zwische Beruf un Privatlewe iwwerhaupt kaan Unnerschied gäwe tät" amüsierte sich Liesel Christ über ihre Film-Kinder. Derart akzeptiert, spielte Rosemarie Kirstein bis zum Ende der zweiten Staffel im Jahr 1963 mit. Nebenbei war sie weiter auf der Theaterbühne aktiv.

Nach dem Ende der Hesselbachs folgten einige Filmrollen, etwa in der Serie "Der Kommissar". Doch der große Erfolg blieb aus, so beendete sie 1975 die SKarriere im Rampenlicht und arbeitete als Synchronsprecherin. Neben zahlreichen anderen Schauspielerinnen lieh sie Faye Dunaway, Claudia Cardinale und Ingrid Bergman (in "Casablanca") ihre Stimme. Auch in den Bond-Filmen "Der Spion, der mich liebte" und "Der Mann mit dem goldenen Colt" war sie zu hören, ferner als Lieutenant Uhura in der Serie Raumschiff Enterprise.
Rosemarie Kirstein erkrankte Anfang der Achtzigerjahre an Depressionen. Sie nahm sich 1984 das Leben.
 

Peter Hesselbach - Dieter Henkel

Peter flirtet mit der hübschen Wirtstochter (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Peter (Dieter Henkel) mit Wirtstochter Nicole (Marianne Lutz) in Folge 33, "Der Urlaub".
„Wenn ich in dem Beruf des Schauspielers überhaupt etwas kann, dann habe ich es von ihm gelernt“ sagte Dieter Henkel 1978 über Wolf Schmidts Bedeutung für seine Karriere. Doch eigentlich hätte der gelernte Kaufmann nach dem Willen der Eltern niemals Schauspieler werden sollen. Er nahm heimlich Schauspielunterricht und riss von Zuhause aus, um sich einem christlichen Theater anzuschließen. Nachdem ihn die Polizei wieder bei seinen Eltern abgeliefert hatte, lernte er – diesmal mit Einverständnis der Eltern – bei Maria Schells Mutter Margarethe in Bern die Schauspielerei.

Nach seinem Abschluss ging er für drei Jahre an das Nationaltheater Mannheim. Es folgte ein einjähriges Engagement in Westberlin. 1960 nahm er an Probeaufnahmen für die Rolle Peter Hesselbachs teil. Als Fünfzigster an der Reihe, wirkte er auf Schmidt offenbar so überzeugend, dass dieser ihm statt einem eigentlich vorgesehenen Konkurrenten die Rolle gab.
An seinen Film-Vater erinnert sich Henkel als „ungeheuer hilfsbereiten“ und behutsamen Regisseur, der sich auch außerhalb der Proben mit ihm und Rosemarie Kirstein zusammengesetzt habe, um die Szenen zu besprechen. In 26 Folgen spielte er zwischen 1961 und 1963 mit und wurde so bundesweit bekannt. Auch für die nicht mehr produzierten letzten drei Folgen war Henkel eingeplant. Nach dem Ende der Hesselbachs stand er zehn Jahre lang auf verschiedenen Boulevard-Theaterbühnen Deutschlands und drehte daneben an die 30 Fernsehspiele. 1975 gründete er in München das Tournee-Unternehmen "Theater unterwegs", das er bis 1995 leitete. Danach war er als freiberuflicher Schauspieler tätig, u.a. in der Komödie im Bayrischen Hof. Dieter Henkel starb am 15. Dezezember 2016 in München.
 

Frau Siebenhals - Lia Wöhr

Frau Siebenhals bückt sich und hebt Müll auf (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Lia Wöhr als Putzfrau Siebenhals
Bei einem zufälligen Zusammentreffen in Dublin fragte der damalige hr-Intendant Eberhard Beckmann Elisabeth „Lia“ Wöhr, ob sie daran mitwirken wolle, die Hesselbachs ins Fernsehen zu bringen.
In der Rolle der Mamma Hesselbach hatte sie bereits ab 1949 in den Hörfunkfolgen brilliert, kannte sich bestens mit der Materie aus.

Außerdem war sie gelernte Opernregisseurin und hatte international Regieerfahrung gesammelt, teils gemeinsam mit Berühmtheiten wie Heinz Tietjen (u. a. Intendant der Hamburgischen Staatsoper): „Diese Inszenierungen wurden unter anderem in Italien, Spanien, Südamerika, England und Irland gemacht“ erzählte sie einmal.

Zehn Jahre nach ihrer Zeit als Hörfunk-Mamma – 1959 – sollte sie als erste Frau im Hessischen Rundfunk für eine Fernsehproduktion verantwortlich zeichnen. Wolf Schmidt ließ sich nach kurzem Zögern davon überzeugen, die Hesselbachs auf die Mattscheibe zu bringen - allerdings mit Liesel Christ in der Hauptrolle.
Lia Wöhr, die gerne die so genannten kleinen Leute spielte, übernahm die Nebenrolle der Putzfrau Siebenhals, einer entfernten Verwandten der Hesselbachs. In ihrer Rolle engagierte sich sowohl als resolute Raumpflegerin („Isch muss jezz hier buzze!“), die sich nichts gefallen ließ, als auch bei der Pflege und Reparatur zwischenmenschlicher Beziehungen in Firma und Familie Hesselbach.

Als Produzentin hatte sie nur acht Wochen Zeit, um sämtliche Vorbereitungen für jeweils drei bis sechs in Folge gedrehte Episoden zu treffen. „In dieser Zeit musste ich zusätzlich zu der Stammbesetzung noch Schauspieler engagieren, Dekorationen und Kostüme in Auftrag geben.“ Unvergleichlich zu heute waren auch die Bedingungen für die Dreharbeiten: „Die eigentliche Produktion begann montags mit einer Leseprobe, nachmittags war Stellprobe. Dienstags fanden Kleiderprobe und Hauptprobe statt und am Mittwoch wurde aufgezeichnet. Weil man die neuen Fernsehstudios gerade erst baute, geschah dies von 17 bis 2 Uhr nachts in Studio 8 – einer Baracke, die vorher die Schreinerei des Senders beherbergt hatte. Der Raum war nicht ausreichend schallgedämpft, oft mussten wir wegen Fluglärms unterbrechen.“ Sogar ein Flugplan habe im Studio gehangen, damit nicht ein überraschender Überflug die Tonaufnahme kaputt machte.

Als 1967 die Hesselbach-Produktionen endeten, blieb sie dem hr treu und erlangte als Wirtin (sowie Regisseurin und später auch Produzentin) des Fernseh-Wirtshauses „Zum Blauen Bock“ mit Moderator Heinz Schenk besondere Berühmtheit. Sie trug weiterhin hinter der Kamera zum Erfolg ihres „Haussenders“ bei, etwa als Produzentin von Bachs „Johannespassion“. Nach rund drei Jahrzehnten Tätigkeit für den hr wurde sie 1976 pensioniert. Danach spielte sie zahlreiche Rollen in Liesels Christs Frankfurter Volkstheater und engagierte sich für Kinder, Senioren und behinderte Menschen in Oberursel, wo sie seit 1968 lebte.

1982 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet, 1992 würdigte das Land Hessen sie für ihre hervorragende Verdienste mit dem Hessischen Verdienstorden. Über sich selbst sagte sie: „Ich bin eine Löwin und ich bin eine Hessin. Ich muss arbeiten und kämpfen und mich engagieren. Applaus, das ist wie Essen und Trinken für mich.“
Elisabeth „Lia“ Wöhr starb am 15 November 1994 im Alter von 83 Jahren in ihrer Geburtsstadt Frankfurt.
 

Prokurist Lindner - Joachim Engel-Denis

Lindner fasst Helga am Arm, beide blicken mit überraschtem Gesichtsausdruck in die gleiche Richtung.  (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Fred Lindner

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Sabine Hock war an der Dokumentation "Die Hesselbachs: Geschichte einer Funk- und Fernsehfamilie" (Eichborn Verlag, 1991) beteiligt. Ein Nachdruck dieser Dokumentation liegt der DVD-Box "Die Firma Hesselbach" bei.
Joachim Engel Denis kam wie viele seiner Hesselbach-Kollegen vom Theater. Den Sprung ins Fernsehen schaffte er zufällig, als er neben seinem Theaterengagement wegen Hörspielaufnahmen im Hessischen Rundfunk arbeitete. Dort wurde er eines Tages „vom Flur weg“ für die Hesselbachs engagiert, wie er es 1989 im Gespräch mit Sabine Hock formulierte.

Anfangs beschränkte sich seine Rolle auf die des aus Berlin „eingeplackten“, smarten Betriebs-Playboys, der auch mit Helga Schneider, der späteren Frau Willi Hesselbachs, ein Techtelmechtel hatte. Als Willi mit Helga nach Amerika geht, bekommt Lindner den Posten des Prokuristen angetragen und wird zur Nummer zwei im Betrieb. Er wächst auch charakterlich an seinem verantwortungsvollen Posten – statt nur die Damenwelt im Auge zu haben, wird der Geschäftserfolg der Druckerei sein wichtigstes Ziel. Mit diplomatischem Geschick nutzte er jede Gelegenheit, die Ausstattung der Druckerei zu modernisieren und Karl Hesselbach dazu das Geld aus der Tasche zu locken.
Als sich Heidi Hesselbach in ihn verliebt, ist seine Sturm-und-Drang-Zeit engültig vorbei: Die beiden heirateten und aus dem "Lindner" wird Vorzeige-Schwiegersohn Fred.

Nach seiner Zeit als "Hesselbacher" wandte sich Joachim Engel-Denis wieder dem Theater zu, wurde Regisseur. Die Hesselbachs seinen für ihn nur noch eine Jugenderinnerung, er habe beim Theater ganz andere künstlerische Erlebnisse gehabt, bekundete er gegenüber Hock: "Mich interessiert das nicht mehr."
 

Chefsekretärin Sauerberg - Ursula Köllner

Chefsekretärin Sauerberg schaut genervt, hat den Telefonhörer in der Hand. (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Ursula Köllner spielte die stets frustrierte Chefsekretärin Sauerberg
Wie einige ihrer Kollegen war Ursula Köllner schon zur Zeit von Wolf Schmidts Hörspielen und im Kinofilm „Herr Hesselbach und die Firma“ ein Teil der Stammbesetzung. Neben zahlreichen anderen Hörspielrollen war sie ab 1958 an der Landesbühne Rhein-Main in Frankfurt.

Als die Hesselbachs ab 1960 im Fernsehen liefen, trat sie in der vierten Folge ihre Stelle als Chefsekretärin an. In den ersten drei Episoden spielte noch Käthe Jaenicke diese Rolle.
Leicht hatte sie es in der Firma Hesselbach nicht: Als Chefsekretärin führt Fräulein Sauerberg einen stetigen Kampf an mehreren Fronten. Ihren heimlich angehimmelten Chef versucht sie mit vorauseilendem Gehorsam, Charme und Unterwürfigkeit zu beeindrucken – was ihr Verhältnis zu Frau Hesselbach nicht leicht macht. Vom ständigen Misserfolg dieser Versuche frustriert, spielt sie sich zum Ausgleich vor der Belegschaft gerne als eifersüchtige Beschützerin des vielbeschäftigten Chefs auf – und lasst das gerade die jüngeren Damen im Betrieb spüren. Dazu fühlt sie stets ihre Kompetenzen als Chefsekretärin bedroht, was sie ihren Kolleginnen im Sekretariat nicht selten mit garstiger Stutenbissigkeit heimzahlt.

Viel entspannter als das Verhältnis der Hesselbachs im Film hatte Köllner den Umgang der Schauspieler bei den Dreharbeiten in Erinnerung: Ihr habe die Zusammenarbeit immer viel Freude bereitet, es habe ein „wirklich guter Teamgeist“ geherrscht – obwohl der Zeitduck bei den Aufnahmen stets groß gewesen sei, vor allem für sie selbst. Neben den Hesselbachs arbeitete sie weiter am Theater, und wenn es bei den Dreharbeiten manchmal länger wurde, sei sie nur Minuten vor der Aufführung im Theater angekommen. Über ihre bundesweite Bekanntheit als „die Sauerberg“ konnte sie sich nicht nur freuen: „Ich war bekannt wie eine bunte Kuh, überall im Urlaub wurde man erkannt.“
Nach dem Ende der Hesselbachs spielte sie haupsächlich Theater und nur noch wenige Filmrollen, etwa 1971 als Erna in der vierten Tatort-Folge „Auf offener Straße“. Sogar mit ihrer einstigen „Konkurrentin“, der Mamma Hesselbach, stand sie wieder auf der Bühne: 1989 in Liesel Christs Frankfurter Volkstheater mit dem Stück „Dehaam is Dehaam“.
Ursula Köllner starb am 21. August 1995.
 

Helga Schneider - Helga Neuner

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Helga Neuner
Gerade mal 14 Jahre alt, spielte Helga Neuner 1954 ihre erste Filmrolle in "Viktoria und ihr Husar". Es folgten Rollen in "Die Geierwally" (1956), "Familie Schimek" (1957), "Das Dreimäderlhaus" (1958) und "Ein Toter hing im Netz" (1959). Nebenbei nahm sie Gesangs- und Tanzunterricht und wechselte nach der Oberschule an eine Schauspielschule. Nach einigen Engagements an Boulevardtheatern gab Wolf Schmidt ihr die Rolle der Sekretärin Helga Schneider, der späteren Frau Willi Hesselbachs.

Wirklich schauspielern musste sie für die Rolle nicht, erinnerte sie sich später einmal: "Ich war so! Es war eigentlich keine Rolle, sondern alles ergab sich aus meinem Typ – rundlich, jugendlich, leicht beleidigt und schmollend." In Wolf Schmidt habe sie immer eine Art Vaterfigur gesehen, auch wenn man außerhalb der Dreharbeiten wenig miteinander zu tun hatte: "Ihm verdanke ich viel." In Erinnerung blieb ihr Wolf Schmidts gelegentliche Textschwäche vor der Kamera, die er gewöhnlich mit spontanen Einfällen zu begründen und zu kaschieren versuchte.
Nachdem sie in der Serie mit Willi Hesselbach nach Amerika übergesiedelt war, widmete sie sich im realen Leben in Bremen wieder der dem Theater. Für die 30. Folge bis zum Ende der zweiten Staffel holte Schmidt sie noch einmal zurück in die Firma. Mit dem (vorläufigen) Ende der Hesselbach-Dreharbeiten 1963 beendete Helga Neuner auch ihre Karriere. Sie heiratete den Komponisten Rolf Wilhelm und verschwand aus dem Blick der Öffentlichkeit.
 

Emmi Puchel - Gaby Reichardt

 (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Gaby Reichhardt als Emmi Puchel
Gaby Reichardt machte mit den Hesselbachs ihre erste Fernseherfahrung. Bei einer Theateraufführung an der Frankfurter Landesbühne Rhein-Main war hr-Programmdirektor Hans-Otto Grünefeldt auf die zwanzigjährige Schauspielerin aufmerksam geworden und hatte ihr angeboten, bei den Hesselbachs mitzuwirken.

Als Emmi Puchel spielte sie in 14 Folgen eine sentimentale, nah am Wasser gebaute Expeditionsangestellte, die sich regelmäßig mit Liebeskummer quälte und mit jedem Verehrer ihre Haarfarbe wechselte. Vom vielen Färben seien ihre Haare dermaßen strapaziert gewesen, dass einmal eine Blondfärbung in Orange umgeschlagen habe. Sie habe die Hesselbachs als „großartige Zeit“ in Erinnerung, „besonders die Lia Wöhr, welche die Putzfrau spielte und gleichzeitig Produzentin war, war wie eine Mutter zu uns“ sagte sie 2003 in der Frankfurter Neuen Presse. Ihren damaligen „Chef“ Schmidt beschrieb sie als „liebevollen, höflichen Mann, mit einer ernsthaften Schnurrigkeit.“ Dabei habe er schon damals auf sie „recht krank“ gewirkt und es sei als Schauspieler für ihn oft schwierig gewesen, die Drehabreiten durchzuhalten. Viele ihrer Hesselbach-Kollegen teilten diese Einschätzung jedoch nicht. Als Ihr Vertrag nach der ersten Staffel auslief, hat sie rechtzeitig den Absprung geschafft, um das „Emmi“-Image noch loszuwerden: Ob sie eigentlich auch hochdeutsch spreche, habe sie ein Intendant einmal gefragt. „Da habe ich gemerkt, dass ich aufhören musste.“

Ihr Absprung glückte, und Gaby Reichardt schlüpfte dank ihres schauspielerischen Talents fortan in unzählige Rollen: Von 1969 bis 1999 steht sie als Schauspielerin im Staatstheater Mainz auf der Bühne. Daneben war sie in mehreren Fernsehproduktionen zu sehen, darunter der „Datterich“ und „Tatort“ sowie 1991 in Sönke Wortmanns Komödie „Allein unter Fauen“. Bis zu ihrem Ausscheiden im Jahr 2000 war sie eine der bekanntesten Gesichter des Hessischen Rundfunks, für den sie weit über 1000 Sendungen moderierte. Neben ihrem Engagement am Mainzer Staatstheater hält sie heute Lesungen oder ist als Moderatorin tätig. So ganz konnte Gaby Reichardt ihre Vergangenheit nicht abschütteln – trotz ihrer Karriere: Zum 90. Geburtstag von Wolf Schmidt spielte sie 2003 bei einer Vorführung die Mamma Hesselbach.
Über ihre Zeit mit den Hesselbachs meinte Reichardt 2005 im hr-Journal: „Mir war damals gar nicht bewusst, dass ich an etwas ganz Großem mitwirke. Erst vor gar nicht langer Zeit ist mir klar geworden: Ich war bei der Entstehung des Fernsehens dabei.“
 

Rudi Krausgrill - Dieter Schwanda

Dieter Schwanda als Lehrbub Rudi (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Dieter Schwanda als Lehrbub Rudi
Dem „Herr Direkdärr“ durfte er als einziger Contra geben: Rudi Krausgrill, mit richtigem Namen Dieter Schwanda. Seine Zeit als Lehrbub bei Hesselbachs war der kurze Höhepunkt seiner Karriere als Schauspieler. Begonnen hatte sie für den Bornheimer Buben schon als Achtjähriger. „Auf Drängen von Verwandten und Bekannten“ habe er in einer Kinderserie und Kinderhörspielen mitgewirkt sowie im hr-Kinderchor gesungen.

Seine erste Fernsehrolle spielte er 1958 im „Datterich“, worauf er im folgenden Jahr Teil der Hesselbach-Besetzung wurde – der Elfjährige hatte bei Probeaufnahmen zwei 17 Jahre alte Kontrahenten in den Schatten gestellt. Seine Rolle als Lehrbub spielte er mit viel Witz und heiterer Gelassenheit – so bekundet er einmal, „von den Weibern nix mehr wisse zu wolle“, weshalb er jetzt „Marke sammele“. Leichtgläubige Zuschauer überhäuften Dieter Schwanda bald darauf mit nett gemeinten Briefmarkenspenden, weil sie in ihm und Rudi dieselbe Person sahen. Beliebt war er beim Publikum auch, weil Rudi als einziger dem Chef auch mal ungestraft Widersprechen konnte. Sogar beim Schachspiel mit Direktor Hesselbach war es ihm vergönnt, zu gewinnen. Und dass wenigstens einer gelegentlich dem Patriarchen des Hauses contra gab, freute die Zuschauer ganz besonders.
Neben dem „Rudi“ spielte Schwanda viele Rollen an der Landesbühne Rhein-Main. Kurz nach dem Ende der zweiten Hesselbach-Staffel hätte er eine Hauptrolle für den Südfunk Stuttgart übernehmen sollen, doch ein schwerer Autounfall hinderte ihn daran. Er kehrte bald darauf der Schauspielerei der Rücken und wurde Chemielaborant.
 

Buchhalter Münzenberger - Max Strecker

Münzenberger hält ein Stück Ofenrohr in der Hand. (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Buchhalter Münzenberger
Mit der Rolle des Arthur Münzenberger erlangte der Stuttgarter Schauspieler Max Strecker bundesweit Bekanntheit. Der Schwabe mit markanter Hornbrille, skeptischem Blick und regelmäßig zum Ausdruck gebrachtem Erstaunen ("Ha no!?") ist nicht nur wegen seines Dialekts ein Exot in der Druckerei.

Als finanzielles Gewissen des Hauses erbietet er selbst kleinsten Dingen seine Wertschätzung – "Dees isch koi Bueroklammer, des isch Kabidaal" – und kennt sogar jahrzehntealte Betriebsanweisungen auf den Buchstaben auswendig, sofern sie sich ums Finanzielle drehen. Entgegen diesem liebevoll-pedantischen Hang zur effizienten Betriebsmittelverwaltung ist sein Verhältnis zur Belegschaft von weniger Feingefühl geprägt: "Aufgelockert isch gut – so was von bsoffe warns" korrigiert er etwa Herrn Hesselbachs diplomatische Formulierung über Fräulein Sauerbergs "aufgelockerten" Zustand beim Ministerbesuch - während sie anwesend ist. Auch bei Betriebsveteranin Lohmeier sorgt sein Hang zum direkten Wort ("Ich bitte darum, meinen Protest nicht durch Ihre Zustimmung zu entwerten!") konsequent für das Gefühl, beleidigt worden zu sein.

Nach dem Ende der Hesselbachs war der beliebte schwäbische Volksschauspieler in zahlreichen Fernsehserien und Filmen zu sehen, etwa Tatort-Produktionen oder der Serie "Liebesgeschichten". Max Strecker starb am 16. Februar 1991 im Alter von 84 Jahren.
 

Fräulein Lohmeier - Sophie Cossäus

Zwischen Fräulein Lohmeier (r., sitzend) und Buchhalter Münzenberger (l., stehend) gibt es häufig Krach. Im Hintergrund stehen Chefsekretärin Sauerberg und Prokurist Lindner. (Bild: hr/Kurt Bethke)
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Fräulein Lohmeier
Die am 18. Juli 1893 geborene Wiesbadenerin Sophie Cossäus spielte schon zu Kaisers Zeiten am Mainzer Theater. In die Rolle "der" Fräulein Lohmeier schlüpft sie erstmals in den Hesselbach-Hörspielen der Fünfzigerjahre. Auch in Wolf Schmidts Kinofilmen gehört sie zur Besetzung, allerdings als "Frau Ottendorf".

In der Fernsehserie ab 1960 mimt sie wieder die seit 30 Jahren dem Hesselbachschen Betrieb zugehörige Bürokraft Lohmeier, eine mürrische Alte, die Wert darauf legt, eine Dame zu sein, der damenhaftes Verhalten jedoch eher fremd ist: Stets auf der Jagd nach tratschtauglichen Gerüchten und Geschichten aus dem Privatleben anderer gibt sie sich gern als Königin der Verschwiegenheit, deren Vertrauenswürdigkeit anzuzweifeln einer Beleidigung gleichkommt. Überhaupt ist ihre empfindliche Seele Grund für mancherlei Ausraster des Betriebsoberhauptes, das sich schon beim Vernehmen ihrer Stimme – "Herr Hesselbach, isch muss misch beschwärn!" – automatisch in Abwehrhaltung begibt.
Ganz im Gegensatz zu ihren üblichen Nörgeltiraden geriert sich die Mann- und Kinderlose Tratschtante gelegentlich als Beschützerin der Schwachen im Betrieb, freilich nicht ohne den willkommenen Nebeneffekt, wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen.

Sophie Cossäus starb am 23. September 1965; sie ist auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt begraben.
 

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Redaktion: mad / chbe
Letzte Aktualisierung: 19.01.2017, 17:15 Uhr
 

"Wir gehörten zur Familie"

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