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Otto Höpfner (stehend) am Stammtisch des "Blauen Bock". (Bild: hr/ Kurt Bethke)
Otto Höpfner (stehend) am Stammtisch des "Blauen Bock".

Der Moderator der ersten Stunde

Otto Höpfner - der erste Wirt

Als der Moderator noch Conferencier hieß, als das Radio noch das „Prime Medium“ war, als der Entertainer sich noch bei öffentlichen Veranstaltungen in Kneipen oder Bierzelten beweisen musste, begann Otto Höpfners Karriere.
 
Video: 50 Jahre Blauer Bock - Otto Höpfner 1:31 Min
(© hr, 02.08.2007)
Als man nicht allein nur „gut aussehen“ und eine selbstsichere Ausstrahlung haben musste, sondern auch noch reimen und singen können und fast ohne Absprachen ganze Sendungen - im Radio sowieso aber auch im Fernsehen – bestreiten musste, bewarb sich Otto Höpfner beim Hessischen Rundfunk.

Nach Metzgerlehre im elterlichen Betrieb in Mainz, Ausbildung als Musiker (Stimme und Klavier) in Frankfurt, Auftritten bei der Mainzer Fastnacht wurde der Hessische Rundfunk auf Otto Höpfner aufmerksam. Im Herbst 1952 begann er als Moderator von Unterhaltungssendungen im Radio. Hauptsächlich moderierte er den „Frankfurter Wecker“ bis zur Einstellung der Sendung im Jahre 1957, aber auch andere Sendungen wie beispielsweise: „Wie sich die Töne gleichen“. In dieser Sendung prüfte Otto Höpfner Schlager jener Zeit auf ihre Ähnlichkeit mit Melodien aus Opern und Operetten.
 

Unglaubliches Unterfangen

Audio: Der Weckermarsch 1:35 Min
(© Hessischer Rundfunk, 16.01.2007)
Der bis heute berühmte „Frankfurter Wecker“ machte nicht nur Höpfner, sondern auch Showgrößen wie Hans Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld bekannt, mit denen sich Höpfner abwechselte. Die Sendungen wurden direkt von einer öffentlichen Veranstaltung übertragen, die in den Sommermonaten wochentags früh morgens um 6:30 Uhr mit Publikum und dem großem Unterhaltungsorchester des Hessischen Rundfunks in diversen Hallen in der hessischen Provinz stattfanden - ein für die damalige Zeit unglaubliches Unterfangen an Aufwand und Logistik.

Die Veranstaltungen waren stets ausverkauft. Die Sendungen verzeichneten höchste Einschaltquoten und entsprechend erfreuten sich die „Conferenciers“ höchster Bekanntheit. Doch während Hans Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld zu TV-Institutionen wurden, brach die Karriere des jüngsten und bodenständigsten der populären Entertainer 1969 jäh ab.
 

"Blauer Bock" - aus der Not geboren

Otto Höpfner als junger Wirt beim "Blauen Bock" (Bild: hr/ Kurt Bethke)
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Otto Höpfner als junger Wirt beim "Blauen Bock"
Zwischen 1957 und 1964 sollte Otto Höpfner die „Rolle seines Lebens“ (wie er selbst meint) begleiten: Den Wirt in der neuen Sendung „Zum Blauen Bock“. Aus einer Notlage geboren – der Hessische Rundfunk musste anlässlich der damals in Frankfurt stattfindenden „Funkausstellung“ das unterhaltende Begleitprogramm bestreiten – wurde die Bembelsendung zum Quotenrenner bis 1987.

Das Konzept war einfach: Persönlichkeiten aus Politik, Show und Sport besuchten eine fiktive Apfelweinkneipe und plauderten mit Otto Höpfner, der keinen Kaulauer ausließ und auch noch – wie im „Frankfurter Wecker“ schon – selbstverfasste Gedichte oder Lieder zum Besten gab. Der Titel der Sendung stammt übrigens vom damaligen Intendanten des hr Eberhard Beckmann.
 

Apfelwein-Hasser

Schließlich wurde die Zusammenarbeit des Hessischen Rundfunks mit dem Weintrinker Otto Höpfner, der den hessischen Apfelwein nie mochte, wegen unterschiedlicher Gagenvorstellungen nach 75 Sendungen beendet. Heinz Schenk, Lia Wöhr und Reno Nonsens traten die Nachfolge an und brachten weiterhin Traumquoten. Höpfner bezeichnet es noch heute als „seinen größten Fehler im Leben“, die Rolle beim „Blauen Bock“ aufgegeben zu haben.

Otto Höpfner versuchte sich beim WDR und wechselte schließlich zum ZDF in Mainz, wo er eine dem „Blauen Bock“ vergleichbare Sendung „Stelldichein beim Wein“ moderierte. Im für Showgrößen und Talkmaster jugendlichen Alter von 44 Jahren verschwand er vom Bildschirm – für immer. Die Sendung hatte nicht die gewünschte Quote. Das war 1969.
 

Humorvoll kalauernd

Otto Höpfner mit Bembel (Bild:  dpa)
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Mit Bembel in der Hand lies sich Höpfner auch später noch gern fotografieren.
Seitdem verdiente Otto Höpfner seine Brötchen mit Kaffeefahrten, zog wie zu Zeiten des „Frankfurter Weckers“ übers Land, moderierte Modenschauen und ulkte in Bier- und Weinzelten u.a. mit Heidi Kabel, Willi Millowitsch, Rudolf Schock, Heino, Marika Röck oder gar Zarah Leander. Höpfner machte u.a. Kabarett, verfasste weiterhin Gedichte, komponierte Lieder, nahm Schallplatten auf und spielte Theater. Aber die Bekanntheit vom „Blauen Bock“ erreichte er nie mehr.

Altersmilde aber kein bisschen ruhig, geistig rege und wie ehedem humorvoll kalauernd, hat er sich seinen „größten Fehler“ verziehen. Er starb im 2005 kurz nach seinem 80. Geburtstag.
 
Redaktion: almu
Letzte Aktualisierung: 18.12.2008, 17:04 Uhr
 

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 (Bild:  hr)

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Die Ära Höpfner
 
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