Bei der "Aufwärmfahrt" erreichte Rosemeyer 429 km/h. Bis zum Unfall lag er auf Rekordkurs.
"Scheiß auf den Rekord"
Inzwischen winden sich die Baumwipfel neben der Autobahn bedenklich. Rivale Caracciola will ihn schon vor der Probefahrt gewarnt haben ("Bei dem Wind..."). Aber Rosemeyer weiß: Der größte Teil des abgesperrten Autobahnstücks liegt geschützt zwischen Bäumen. Nur in der Schneise bei Langen-Mörfelden kann Seitenwind ungehindert auf die nur 0,7 mm starke Alu-Haut treffen.
Trotzdem: Vor dem zweiten Versuch warnen auch die Mechaniker. Der Chefmonteur wird deutlich: "Bernd, scheiß doch auf die ganze Rekordfahrt." Jetzt steht Auto-Union Rennleiter Dr. Feuereissen in der Pflicht. Er ist wankelmütig. Statt eines Abbruchs belässt er es bei mahnenden Worten: "Rosemeyer, lassen sie es doch lieber sein. Wir wollen doch nichts riskieren." Wie ein seniler Bedenkenträger lässt sich der Chef abfertigen: "Ach Doktor, einmal fahre ich noch, ich bin doch kein Anfänger." Der Rennfahrer ist überzeugt, dass er mit raschem Gegenlenken auch starkem Seitenwind Herr werden kann.