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Der Rundbau des Hessischen Rundfunks, geplant als Parlament. Der Plenarsaal kurz nach seiner Fertigstellung.  (Bild:  hr) Das Bonner Brückenmännchen streckt seinen Hintern nach Frankfurt. (Bild: Fotograf:Qualle/GNU Lizenz für freie Dokumentation)
Der Rundbau des Hessischen Rundfunks, geplant als Parlament.

Frankfurt

Das Parlament, das nie eines wurde

In der festen Überzeugung Bundeshauptstadt zu werden, errichtete Frankfurt 1949 ein Parlament. Oberbürgermeister Walter Kolb wollte in einer voraufgezeichneten Rede schon den Sieg verkünden. Aber am 10. Mai 1949 kam alles anders.
 

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10.05.2009, 17:08 Uhr
Sie waren schnell, die Frankfurter, vorausschauend und gewitzt, sagen die einen. Ein Schildbürgerstreich meinen andere. Das Grundgesetz war noch längst nicht fertig, ein westdeutscher Staat noch nicht gegründet. Dennoch begann die Frankfurter Aufbau-AG schon 1948 mit den Arbeiten für ein Gebäude mit vielen Namen: Kongresshalle, Rundbau und Rotunde nannte man den Bau aus Glas und Stahl, der weit mehr sein sollte. Sitz des ersten Parlamentes der Bundesrepublik Deutschland. Die Pläne stammten von Gerhard Weber, in den 30er Jahren Student an den legendären Bauhaus-Universitäten. Er wollte der Pädagogischen Akademie am Frankfurter Dornbusch einen Rundbau anfügen. Wo bis zum Krieg Lehrer ausgebildet wurden, sollte künftig Bundespolitik gemacht werden.
 

"Auf Vorrat gebaut"

Hintergrund

Der Architekt

Gerhard Weber entwarf den "Plenarsaal". 1909 geboren, hatte Weber am Bauhaus in Dessau und Berlin studiert. 1947 wurde er Mitarbeiter im Frankfurter Hochbauamt, danach gründete er ein Architekturbüro in Frankfurt. Weber baute nicht nur den Rundbau sondern auch die Messehalle und die Hauptverwaltung der Höchst AG.
Man wollte Fakten schaffen, um den Entscheidungsträgern im Parlamentarischen Rat zu zeigen: „Wir sind bereit!“ Auch die Oper wurde damals wieder aufgebaut, das kulturelle Frankfurt wollte einer Hauptstadt würdig sein. „Wir haben auf Vorrat gebaut“, erinnert sich der frühere Frankfurter Stadtkämmerer Ernst Gerhardt im hr-online-Interview.
Denn Berlin konnte nicht mehr Hauptstadt sein, als Insel in der sowjetischen Besatzungszone schien das aus Sicht der Westmächte unmöglich. Die Berlin-Blockade 1948 hatte diese Hoffnungen zerstört. Die Bewerbungsliste für einen vorläufigen Regierungssitz liest sich aus heutiger Sicht skurril: Braunschweig, Bamberg und Oldenburg waren ebenso im Gespräch wie Wiesbaden und Celle. Übrig blieben Kassel, Stuttgart, Bonn und eben Frankfurt. Es begann ein Kampf mit harten Bandagen.

Der Parlamentarische Rat gründete eigens eine Bundessitz-Kommission, die durch das Land reiste und sich ein Bild von der Lage in den Bewerberstädten machte. Stuttgart schied schnell aus dem Kampf um die Hauptstadt aus. Schließlich hatte sich die Stadt nie ernsthaft beworben, sondern lediglich „zur Verfügung gestellt“. Ernsthaft bemühte sich Kassel, doch den Nordhessen fehlte von Anfang an die politische Lobby. Zudem war die Stadt im Krieg noch stärker als Frankfurt zerstört worden, so dass der Wohnraum schon für die eigene Bevölkerung knapp war.
 

Ein Parlamentsgebäude auf Vorrat 

 
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Redaktion: chrs / mad
Letzte Aktualisierung: 5.08.2010, 12:03 Uhr

Ihr Beitrag

Schade, dass Frankfurt nicht Hauptstadt wurde, oder?

phanta.sia am 10.05.2009 23:39
Wie Tobias Rüger betrachte ich es als historisches Unglück, dass die Entscheidung NICHT für FRANKFURT fiel.

Auch ich... [+]
Tom Wagner am 10.05.2009 13:24
Schade ist es schon, aber wenn man Berlin mit Frankfurt vergleicht, dann liege dazwischen schon allein größenmäßig Welten. Un... [+]
Gustav Gans am 10.05.2009 13:21
Nee, besser so. Lieber Banker, als die verknöcherten Politbeamten, ihren Kungelrunden lieber unter sich bleiben und bloß nicht auffallen... [+]
Karlheinz Maier am 09.05.2009 21:23
Ich glaube es ist gut so, wie es kam und wie es heute ist. Aber die wenigsten wissen, dass im jetzigen Standort (natürlich nicht im neuen Rund... [+]
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Im stark zerstörten Kassel mangelte es nicht an repräsentativen Gebäuden. [Bildergalerie]
 
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