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2.07.2012

Ironman-Mitfavorit Kienle

"Man hat immer Tiefen und Zweifel"

Sebastian Kienle (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Sebastian Kienle hat sich für den Frankfurter Ironman einiges vorgenommen.
Sebastian Kienle ist ein Geheimfavorit für die Ironman-EM am Sonntag in Frankfurt. Mit hr-online sprach der Triathlet über die besondere Atmosphäre des Rennens, Spickzettel gegen Mentalprobleme und seinen "Signature Move" beim Zieleinlauf.
 
hr-online: Herr Kienle, es sind nur noch wenige Tage bis zum Ironman in Frankfurt. Sind Sie in Form?

Eindeutig ja, die Vorbereitung war gut. Bei der Mitteldistanz-EM im Kraichgau vor kurzem hat der Kopf noch nicht hundertprozentig mitgespielt. Aber am vergangenen Wochenende beim Citytriathlon in Heilbronn waren Körper und Geist voll da - deshalb konnte ich das Rennen auch gewinnen.

"Wenn der Kopf nicht mitspielt" - was meinen Sie damit?

Man hat beim Ironman immer seine Tiefen und Zweifel, kämpft ständig gegen Schmerzen und Müdigkeit. Weil die Weltspitze körperlich dicht beieinander liegt, ist es rennentscheidend, wie man mit diesen Schwächen umgeht. Es ist nicht nur eine Floskel, dass das Rennen am Schluss im Kopf gewonnen wird.

Wie gehen Sie mit diesen Schwächephasen um?

Ich stelle mir vor dem Rennen alle möglichen Situationen vor und schreibe sie auf. Dann denke ich über Lösungen nach. Über die Jahre ist da auch die Erfahrung dazu gekommen, was es für Probleme geben kann. Früher waren das Sachen wie ein technischer Defekt, mittlerweile sind es vor allem mentale Dinge. Was ist etwa, wenn ich mich im Rennen frage, warum ich den ganzen Quatsch eigentlich mache. Dann sollte ich schon eine ganz gute Lösung parat haben.
 

Es kommt öfters vor, dass Sie sich während des Rennens fragen, warum Sie das überhaupt machen?

Hintergrund

Sebastian Kienle

Sebastian Kienle ist einer der Shootingstars der Triathlon-Szene. Der in Knittlingen im Kraichgau beheimatete Modellathlet absolvierte erst vor zwei Jahren seinen ersten Triathlon über die Langdistanz und schaffte dort gleich eine Zeit von unter acht Stunden. Der Physik-Student gilt als einer der besten Radfahrer unter den Triathleten.
Absolut, das ist der große Unterschied zu vielen anderen Sportarten. In einem Radrennen ist man beispielsweise immer sehr an der Situation orientiert und muss sich im großen Feld konzentrieren. Beim Ironman gibt es sehr wenig, worauf man direkt reagieren muss. Deswegen hat der Kopf frei und kann alle möglichen Dinge ausspucken. Und die sind nicht unbedingt immer nur positiv.

Aber ein paar Problemlösungen auf einem Zettel reichen ja nicht für einen Ironman. Wie viele Stunden trainieren Sie vor solch einem Rennen?

Im Jahresdurchschnitt komme ich auf 29 Stunden Training in der Woche. Zwölf Tage vor dem Rennen wird das Training reduziert. Dann sind es noch rund 16 Stunden. Da wird der Körper nur mehr unter Spannung gehalten, damit er nicht in den Urlaubszustand umschaltet.

Schauen wir auf das Rennen. Viele konzentrieren sich auf das Duell der beiden Topfavoriten Andreas Raelert und Marino Vanhoenacker. Werden Sie da ein wenig übersehen?

Triathlon-intern werde ich sogar öfters als direkter Gegner von Andreas Raelert gesehen. Das ist mir fast unangenehm, denn ich sehe es auch eher so, dass Marino Vanhoenacker der größte Widersacher von Raelert ist. Das ist nicht ungerecht, sondern die klare Faktenlage. Die beiden haben die schnellsten Zeiten über die Langdistanz geschafft. Dann braucht man über die Favoriten nicht lange reden und diese Rolle gebe ich auch gerne ab.

Mit welchem Ziel gehen Sie dann an den Start?

Ich denke, dass ich meine Chancen habe – aufs Podium auf jeden Fall. Mit Sicherheit kann ich an einem sehr guten Tag auch um den Sieg mitreden. Ich möchte es den beiden auf jeden Fall so schwer wie möglich machen. In erster Linie will ich aber das Beste aus mir "rausquetschen" – dann weiß ich, dass ich zu beachten sein werde.
 

Ihre große Stärke ist ja das Radfahren. Kommt Ihnen die Strecke in Frankfurt da entgegen?

Information

Frankfurt als Hauptziel, Hawaii als Bonus

Sebastian Kienle hat den Ironman in Frankfurt in diesem Jahr als "Hauptziel" ausgegeben. Zwar wird der Kraichgauer, der am 6. Juli 28 Jahre alt wird, auch bei der Weltmeisterschaft in Hawaii starten. "Doch es wäre falsch, sich beim ersten Hawaii-Start zu hohe Ziele zu setzen", sagt Kienle.
Die Radfahrstrecke in Frankfurt ist nicht schwierig. Aber das kommt mir in gewisser Weise entgegen. Denn es ist falsch, eine flache Strecke per se als einfacher zu definieren. Wenn man einen Berg hochfährt, darf man auch wieder runterfahren und kann die Beine mal hängen lassen. Bei einer Strecke wie in Frankfurt kann man sich nie erholen. Weil man ja beim Triathlon nicht Windschatten fahren darf, kann man keinen Tritt auslassen. Das liegt mir, weil ich ein kraftvoller Fahrertyp bin.

Es ist ja Ihr erster Start in Frankfurt. Ist es für Sie ein spezielles Rennen?

Es ist ein ganz besonderes Rennen, genau deswegen stehe ich ja am Start. Ich war schon ein paar Mal als Zuschauer in Frankfurt. Die Atomsphäre und vor allem der Zieleinlauf am Römer sind sensationell.

Können Sie denn den Zieleinlauf nach den Strapazen überhaupt genießen?

Auf jeden Fall, außer es gibt einen Endspurt (lacht). Im Ernst: Der Zieleinlauf ist etwas ganz besonderes. In dem Moment fällt die ganze Last ab. Das geht Profis und Amateuren gleich. Nach meiner ersten Langdistanz war ich zwei Wochen später noch immer beschwingt.
 

Ihr Markenzeichen ist ein Sprung über die Ziellinie. Wie kam es dazu?

Sebastian Kienle springt beim Triathlon in Roth über die Zielmarkierung. (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
Sebastian Kienle bei seinem Zielsprung.
Der Sprung ist vor langer Zeit während eines Jugend-Trainingslagers entstanden. Unser Trainer sagte bei einem harten Intervalltraining, wir sollen uns vorstellen, wie wir in Hawaii als Erste ins Ziel einlaufen. Wie Jugendliche so sind, habe ich das damals veräppelt und unter anderem diesen Sprung gemacht. Da hat jemand ein Foto gemacht und seitdem ist das so mein "Signature Move", wie man neudeutsch sagen würde. Aber der wird nur bei einem guten Rennen ausgepackt. Es ist so ein bisschen mein Markenzeichen geworden – auch wenn man die Sponsoren auf dem Trikot dann so schlecht lesen kann (lacht).

Haben Sie sich denn für Frankfurt etwas Neues ausgedacht?

Ich würde gerne einen Salto machen, aber da reicht mein turnerisches Talent nicht aus. Und die Müdigkeit ist auch zu groß – für viel mehr als so einen komischen Sprung reicht es einfach nicht (lacht).

Die Fragen stellte Philip Schmid, hr-online
 
Redaktion: phsc / kahu
Bilder: © picture-alliance/dpa (1), © picture-alliance/dpa - Archiv (1)
Letzte Aktualisierung: 3.07.2012, 12:04 Uhr
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Athleten-Tracker

Wenn Sie nach der Platzierung oder dem Ergebnis eines Athleten oder einer Athletin suchen: Auf ironman.com können Sie nachschauen, wer wann ins Ziel gekommen ist. [Ergebnissuche - externer Link]
 
Ironman Frankfurt 2012
 
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