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Landtagswahl in Hessen

SPD-Listenparteitag

Schäfer-Gümbel und die Zeitenwende

Führt die SPD als Spitzenkandidat in den Wahlkampf: Thorsten Schäfer-Gümbel. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Führt die SPD als Spitzenkandidat in den Wahlkampf: Thorsten Schäfer-Gümbel.
Mit einem famosen Ergebnis hat die Hessen-SPD am Samstag Thorsten Schäfer-Gümbel zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt. Gut 100 Tage vor der Landtagswahl strotzt die Partei vor Selbstvertrauen – auch wenn sie dafür manchmal etwas länger braucht.
 

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8.06.2013, 19:30 Uhr
Video: SPD-Landesparteitag in Bad Hersfeld 6:48 Min
(© hr | hessenschau, 08.06.2013)

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Aus Bad Hersfeld berichtet Karsten Hufer, hr-online

Es ist kurz nach 14 Uhr, als zum ersten Mal ein gelöstes Lächeln im Gesicht von Thorsten Schäfer-Gümbel zu sehen ist. Die Sitzungsleiterin hatte gerade das Wahlergebnis für seine Spitzenkandidatur vorgetragen – und damit ihren Parteichef auf der Delegiertenversammlung in Bad Hersfeld verzückt: 97,8 Prozent Zustimmung für Schäfer-Gümbel, noch ein Tick besser als vor der Wahl 2009 (96,7 %). Er bedankt sich bei den rund 320 Delegierten für diesen "beeindruckenden Vertrauensbeweis". Später spricht er gar von einem "bombastischen Ergebnis".

Zuvor hatte Schäfer-Gümbel bei seiner mehr als einstündigen Rede die Genossen zwar durchaus kämpferisch und leidenschaftlich auf die bevorstehende heiße Phase des Wahlkampfes eingestimmt. Eine gewisse Grundanspannung konnte der Parteichef aber nicht verbergen. Es dauerte gut eine Viertelstunde, bis sein Beitrag an Fahrt aufnahm. Richtig Stimmung kam dann auf, als Schäfer-Gümbel seinen direkten Kontrahenten Volker Bouffier ins Visier nahm: "Er ist der falsche Mann am falschen Ort. Wir wollen den Wechsel."
 

SPD-Parteitag in Bad Hersfeld 

 
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Gerechtigkeit und Solidarität als roter Faden

Bouffier verspiele die "Zukunftschancen unseres Landes" und habe bei seinen vermeintlichen Erfolgsprojekten Energiewende und Schulfrieden nichts erreicht; die Schuldenbremse sei auch nur mit Unterstützung der SPD möglich gewesen. Sonst nahm "TSG" den Namen des amtierenden Ministerpräsidenten kaum in den Mund und konzentrierte sich eher auf Inhalte. Thematisch setzt Schäfer-Gümbel voll auf Gerechtigkeit und Solidarität. Begriffe wie etwa Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit oder Respekt zogen sich wie ein roter Faden durch seine Rede.

Nach 15 Jahren "ungerechter" Politik unter einer CDU-geführten Regierung ist die SPD überzeugt, damit beim Wähler punkten zu können. Die Zeiten, in der die marktradikale Devise "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht" gegolten habe, seien vorbei: "Die Menschen spüren, dass es besser ist, wenn wir uns gegenseitig unterstützen", meinte Schäfer-Gümbel im Interview mit hr-online.
 

Geschlossen hinter "TSG"

Um Unterstützung in seiner eigenen Partei muss sich Schäfer-Gümbel jedenfalls keine Sorgen machen. Mitten im Wahlkampf scheinen die hessischen Sozialdemokraten geschlossen wie lange nicht mehr zu sein. Das zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse der Listenkür. Fast alle 110 Namen auf dem Listenvorschlag des Parteivorstands wurden durchgewinkt.

Nur die Jusos wagten eine Kampfkandidatur und wollten ihren Vorsitzenden Pascal Barthel statt auf Rang 37 lieber unter den Top 20 sehen. So trat Barthel gegen den auf Platz 19 nominierten Abgeordneten Marius Weiß an. Jeder der beiden Bewerber konnte einen Unterstützer für sich sprechen lassen. Für Weiß trat Schäfer-Gümbel selbst ans Mikrofon – wenig später entschied seine Partei mit deutlicher Mehrheit zu Gunsten von Weiß.
 

"Ich will regieren"

"Wir spielen nicht auf Platz, wir spielen auf Sieg", lautete an diesem Tag das Mantra von Schäfer-Gümbel, und dabei ignorierte er auch die Tatsache, dass seine Partei in den Umfragen noch weit hinter der CDU herhinkt und auf starke Grüne angewiesen ist. Doch die Sozialdemokraten strotzen vor Selbstvertrauen. Fünf Jahre nach dem Desaster um die geplatzte Wahl von Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin und vier Jahre nach dem Absturz bei der Landtagswahl (23,7 %) hat Schäfer-Gümbel seine Partei wieder zurück ins Spiel gebracht. "Ich will regieren, weil ich dieses Land verändern will. Wir stehen vor einer Zeitenwende", kündigte der Parteichef an.

Bei so viel Selbstvertrauen geriet selbst Gastrednerin Malu Dreyer bei ihrer Rede ins Schwärmen. "Ihr habt einen außerordentlich klugen, charmanten, kompetenten, dynamischen Spitzenkandidaten", erklärte die Rheinland-Pfälzerin überschwänglich. Eines hat Dreyer ihrem Genossen aus dem Nachbarland aber voraus – Ministerpräsidentin ist sie schon.
 
SPD-Landesliste für die Landtagswahl 2013 (Plätze 1-20)

1. Thorsten Schäfer-Gümbel
2. Nancy Faeser
3. Günter Rudolph
4. Heike Habermann
5. Corrado Di Benedetto
6. Andrea Ypsilanti
7. Lothar Quanz
8. Brigitte Hofmeyer
9. Norbert Schmitt
10. Gernot Grumbach
11. Michael Siebel
12. Heike Hofmann
13. Ernst-Ewald Roth
14. Sabine Waschke
15. Heinz Lotz
16. Lisa Gnadl
17. Uwe Frankenberger
18. Karin Hartmann
19. Marius Weiß
20. Gerhard Merz
 

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Redaktion: kahu
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 9.06.2013, 19:34 Uhr
 
Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl
Zweitstimmen | Wahlbeteiligung: 73.2%

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19. August 2013: Beginn Briefwahl
Gemeinden können Briefwahlunterlagen ausstellen.
31. August 2013: Wahlbenachrichtigung
Letzter Tag für die Zustellung der Wahlbenachrichtigungen.
2. September 2013: Wählerverzeichnis
Die Wählerverzeichnisse liegen zur Einsicht aus (bis 6. September).
20. September 2013, 18 Uhr: Ende Briefwahl
Fristende für die Beantragung von Briefwahlunterlagen.
22. September 2013: - WAHLTAG -
Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
4. Oktober 2013: Wahlkreisergebnisse (spätestens)
Die Kreiswahlausschüsse stellen in öffentlicher Sitzung die Wahlkreisergebnisse fest.
11. Oktober 2013: Endgültiges Wahlergebnis
Der Landeswahlausschuss stellt in öffentlicher Sitzung das endgültige Wahlergebnis fest.
 
 

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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

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