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Landtagswahl in Hessen
28.08.2013

Körpersprache von Politikern

"Große Gesten sind wichtig"

Ministerpräsident Bouffier (CDU, l.) und Herausforderer Schäfer-Gümbel (SPD) bei ihren Sommerreisen. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Bouffier (CDU, l.) und Schäfer-Gümbel (SPD) im Wahlkampf.
Volker Bouffier (CDU) will Ministerpräsident bleiben, Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) will es werden. Zum Führungsanspruch gehört überzeugendes Auftreten. Ein Experte für Körpersprache sagt: Beide könnten noch zulegen.
 
Für den Erfolg eines Politikers ist nicht nur wichtig, was er sagt, sondern auch, wie er es sagt. Das erläutert Michael Moesslang, Experte für Präsentation und Körpersprache. In langen Videositzungen hat er Auftritte der Spitzenkandidaten Volker Bouffier (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) analysiert. Beim einen vermisst er Dynamik, die Gesten des anderen wirkten auf ihn auch mal überheblich.

Herr Moesslang, muss ein Politiker ein guter Schauspieler sein?

Michael Moesslang: Niemand soll schauspielern. Man verwendet natürlich seine eigene Körpersprache. Aber es gibt Dinge, die nicht positiv ankommen und die man sich abtrainieren sollte. Man sollte seine Körpersprache so optimieren, dass sie authentisch wirkt. Bei den Zuschauern weckt eine authentische Körpersprache im Unterbewusstsein Sympathie.

Was sagt Ihnen die Körpersprache Volker Bouffiers?

Er ist einerseits recht souverän. Er ist ja schon eine Weile im Amt, hat Erfahrung mit Auftritten. Schön ist, dass er große Gesten macht. Das ist wichtig, weil es das Gesagte und die Souveränität, die Glaubwürdigkeit unterstreicht. Das macht er aber nicht immer. Manchmal hält er sich am Rednerpult fest, stützt sich mit dem Unterarm auf, das wirkt dann belehrend. Manchmal steckt er die Hand in die Hosentasche, das wirkt etwas überheblich. Er ist keine Schönheit, hat eher einen Charakterkopf. Aber wenn man ihn in Aktion erlebt, wenn man die Stimme hört, dann gewinnt er schnell.
 
Volker Bouffier (CDU) (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Auch mal Dominanzgesten: Volker Bouffier (CDU).
Wie ist denn Bouffiers Stimme?

Sie ist sehr rauchig, sie klingt tief und dunkel. Je dunkler die Stimme, desto glaubwürdiger - das ist auch bei Radiosprechern so. Er verwendet sehr einfache Sprache. Das erzeugt Bilder, geht ins Unterbewusstsein und erzeugt Sympathie. Manchmal sind seine Sätze zu lang, er fügt zu viele Gedanken ein.

Der Ministerpräsident fasst andere Menschen gern an, gibt ihnen die Hand, berührt ihren Arm, ihre Schulter.

So wie ich Bouffier einschätze, ist das bei ihm eine Mischung aus Dominanzgesten und herzlichen Berührungen. Ich weiß nicht, ob er das Gespür dafür hat, dass er die richtigen Leute anlangt. Bei manchen ist es okay, andere können es nicht vertragen.

Und die Körpersprache seines Herausforderers Thorsten Schäfer-Gümbel von der SPD?

Man merkt, dass er von vielem Ahnung hat, aber er hat weniger Ausstrahlung. Er zeigt wenig Mimik, Gestik ist teilweise gar nicht vorhanden. Seine Haltung ist gut, aber es liegt keine Dynamik darin. Er könnte auch mehr lächeln. Es entspricht zwar durchaus seinem Typ, wenig über Körpersprache zu machen. Aber Körpersprache ist so relevant, weil sie beim Zuschauer stark auf der unbewussten Ebene wirkt und die Glaubwürdigkeit unterstützt.
 
Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Wenig Mimik, kaum Gestik: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD).
Wie spricht Schäfer-Gümbel?

Er macht sehr lange, sehr komplexe Sätze. Das erzeugt wenige Bilder und Emotionen. Dabei hat er eine tiefe Stimme, ein schönes rollendes "R". Es ist eine sympathische Stimme, die er aber sehr monoton einsetzt. Es kommt nur dann mehr Emotion, wenn er auf Bouffier und die CDU allgemein schimpft.

Muss denn ein Herausforderer nicht auch aggressiv sein?

Ein Politiker soll heute nicht mehr zu kämpferisch ein. Man will vielmehr das Vertrauen haben, dass jemand in einer Krise die Ruhe bewahrt. Man braucht nicht Aggression. Im Übrigen wirken beide Kandidaten nicht aggressiv.

Trauen Sie sich tatsächlich zu, aus dem Auftreten der beiden Spitzenkandidaten auf ihre Wahlchancen zu schließen?

Das hängt noch von anderen Dingen ab, von Parteivorlieben, von Vorwissen. In Hessen gibt es ja wohl ein enges Rennen. Aber meine Einschätzung: Schäfer-Gümbel glaubt, die Sache sei das Wichtigste und nicht, wie er als Mensch rüberkommt. Bouffier tritt souverän auf, als könne ihm keiner etwas, als könne er die Wahl nicht verlieren.

Das Interview führte Friedemann Kohler, dpa
 

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Redaktion: stlo / beboe
Bilder: © picture-alliance/dpa (3)
Letzte Aktualisierung: 28.08.2013, 8:23 Uhr
 
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Zweitstimmen | Wahlbeteiligung: 73.2%

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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

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