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Landtagswahl in Hessen
8.09.2013

Landtagswahl

Gesucht wird die First Lady

Ursula Bouffier (li.) und Annette Gümbel (Bild:  picture-alliance/dpa)
Ursula Bouffier (li.) und Annette Gümbel
Bei der Landtagswahl in zwei Wochen entscheidet sich auch, wer neue First Lady wird: Ursula Bouffier oder Annette Gümbel. Beide engagieren sich im Wahlkampf - und erfüllen dabei eine wichtige Aufgabe, wie Politikberater Richard Schütze sagt.
 
Kein Zweifel, Ursula Bouffier befindet sich im Wahlkampfmodus – wie die ganze Familie. Sie begleite ihren Mann, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), zu all seinen Auftritten – ein Fulltime-Job. "Und unsere Jungs kleben Plakate und stehen an den Infoständen." Auch in Zeiten, in denen kein Wahlkampf ist, herrscht bei den Bouffiers kein normales Leben. Dennoch: Der Job der First Lady macht Ursula Bouffier Spaß: "Ich habe auch viel gelernt und die Aufgabe würde ich auch gerne fünf Jahre weiter tun."
 

Volker Bouffier war ihr Scheidungsanwalt

Die gelernte medizinisch-technische Radiologieassistentin ist seit drei Jahren im Amt, dabei gibt es das streng genommen gar nicht. Als Frau des Ministerpräsidenten ist sie die First Lady Hessens. Als solche ist sie Schirmherrin mehrerer Stiftungen und fährt durch Hessen, um die Landesregierung zu repräsentieren. Besonders stark habe sie der Besuch des Dalai Lama beeindruckt, berichtet die 58-Jährige. Und natürlich das niederländische Königspaar Máxima und Willem-Alexander.

Doch es müssen nicht Promis sein, um Ursula Bouffier zu bewegen: "Ganz wichtig sind mir die Begegnungen mit den Menschen", sagt sie. So habe sie kürzlich ein Hospiz an der Bergstraße besichtigt und dort mit den Ehrenamtlichen gesprochen. "Diese Gespräche erfüllen mich." Bevor ihr Mann im August 2010 zum Regierungschef gewählt wurde, war Frau Bouffier CDU-Kommunalpolitikerin.

Ihren Mann Volker kennt sie schon sehr lange, wie Bouffier berichtet. Denn er war mit ihrem älteren Bruder befreundet. Richtig "klick" gemacht hat es aber erst später, nachdem sie sich hilfesuchend an ihn als Scheidungsanwalt wandte, als ihre erste Ehe zerbrach. Die Bouffiers wohnen zusammen in Gießen und haben zwei Söhne, 21 und 22 Jahre alt, die dort Jura studieren.
 

Gümbel: "Meine Lederkluft hat ihn beeindruckt"

Die neue Aufgabe als First Lady schwebt auch Annette Gümbel vor, der Ehefrau von SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel. Gewinnt ihr Mann die Wahl, wird sich auch ihr Leben schlagartig ändern. Dennoch bemüht sich Annette Gümbel um Gelassenheit. Genaue Pläne für den Fall der Fälle gebe es noch nicht. "Es werden sicherlich für mich dann mehr Aufgaben", sagt sie nur. Klar sei, dass die drei Kinder weiterhin aus der Politik herausgehalten werden sollen.

Die Kinder, das sind zwei Mädchen und ein Junge, 6, 11 und 14 Jahre alt. Das Management des fünfköpfigen Haushalts liegt komplett in der Hand der 40-Jährigen. Beim ersten Kind habe ihr Mann noch Erziehungsurlaub nehmen können, später ging das nicht mehr: "Er hat einen vollen Tagesplan, und ich halte ihm den Rücken frei", sagt sie. Zur Zeit ist Frau Gümbel wissenschaftliche Mitarbeiterin des SPD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit, daneben halten sie noch mehrere Ehrenämter auf Trab.

Gümbel stammt aus Nordhessen, von einem Bauernhof in Grebenstein. Zum Geschichtsstudium kam sie nach Gießen, und dort traf sie auf Thorsten Schäfer, wie er damals noch hieß. "Ich fuhr Motorrad und kam in meiner Lederkluft ins Seminar, das hat ihn sehr beeindruckt", erinnert sie sich. Der SPD trat Gümbel 2005 bei. Drei Jahre später avancierte ihr Mann zum neuen Hoffnungsträger der Partei. "Ich bin stolz, weil ich weiß, wie viel Fleiß dahinter steckt", sagt sie. Dass die Politik sein Leben ist, das sei von Anfang an klar gewesen. Sie begleite ihn auch gern auf Termine.
 
Politiker-Partner wichtig für Gesamtbild

Interview mit dem Politikberater und Medientrainer Richard Schütze.


Welche Rolle spielen Partner von Politikern in der öffentlichen Wahrnehmung?

Richard Schütze: Das kann eine bedeutende Rolle sein. In den USA ist die Inszenierung von Familie sehr stark. Im Kanzleramt haben wir das auch gehabt, schon seit Konrad Adenauer, der sich in Italien beim Boccia-Spielen und mit seinen Kindern fotografieren ließ. Bei Angela Merkel haben wir das Gegenmodell, der Ehemann, Professor Sauer, hält sich ganz zurück.

Was kann der Partner oder die Partnerin zum Erfolg beitragen?

Der Partner kann das Bild abrunden. Er kann mich als zugewandt, vertrauenswürdig, kommunikationsfreudig, menschlich, partnerschaftsfähig, dialogbereit und sympathisch in dem Sinne zeigen, dass ich auch eine emotionale Seite habe. Also alle Tugenden, die wir uns wünschen von einem Traummann oder einer Traumfrau.

Birgt das denn auch Gefahren für den Politiker oder den Partner?

Die Gefahr ist, dass der Partner mit ins Boot genommen wird. Wenn es eine eher unsichere Partnerschaft ist, die auch aufgehoben werden kann - wie im Fall Oskar Lafontaine zum Beispiel -, dann wird der Partner mitverhaftet für politische Grundhaltungen und einen politischen Stil.

Wie schätzen Sie die hessischen Kontrahentinnen ein?

Die beiden Damen geben sich eloquent und als Unterstützung ihrer Männer. Beide loben ihre Männer öffentlich und ihre Eigenschaften und Tugenden wie Intelligenz, Zugewandtheit, Verlässlichkeit und Dialogbereitschaft mit dem Bürger. Das ehrenamtliche Engagement der beiden Damen ist ganz klassisch. Und beide haben sich zugleich als selbstbewusste und kritische Ratgeberin ihres Mannes positioniert.

Ist eigentlich festgelegt, was Partner von Amtsträgern so alles machen?

Die Rolle einer First Lady ist in der Verfassung eigentlich nicht angelegt, noch gibt es diese Institution offiziell. Das ist eine Nachahmung aus Zeiten der Monarchie oder aus präsidial geprägten Demokratien wie den USA. Hier soll die Familie als Staat im Kleinen zeigen, dass auch auf der großen Ebene alles funktioniert.

Quelle: dpa
 

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Redaktion: suma
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 8.09.2013, 17:04 Uhr
 
Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl
Zweitstimmen | Wahlbeteiligung: 73.2%

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19. August 2013: Beginn Briefwahl
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31. August 2013: Wahlbenachrichtigung
Letzter Tag für die Zustellung der Wahlbenachrichtigungen.
2. September 2013: Wählerverzeichnis
Die Wählerverzeichnisse liegen zur Einsicht aus (bis 6. September).
20. September 2013, 18 Uhr: Ende Briefwahl
Fristende für die Beantragung von Briefwahlunterlagen.
22. September 2013: - WAHLTAG -
Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
4. Oktober 2013: Wahlkreisergebnisse (spätestens)
Die Kreiswahlausschüsse stellen in öffentlicher Sitzung die Wahlkreisergebnisse fest.
11. Oktober 2013: Endgültiges Wahlergebnis
Der Landeswahlausschuss stellt in öffentlicher Sitzung das endgültige Wahlergebnis fest.
 
 

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 (Bild:  picture-alliance/dpa)

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