Pit Metz (r.) und sein Nachfolger als Linken-Spitzenkandidat, Willi van Ooyen.
Paukenschlag im Wahlkampf der Linkspartei: Ex-Spitzenkandidat Pit Metz ist aus der Partei ausgetreten. Der Zustand der Linkspartei in Hessen sei "unheilbar desolat", sagte er.
Dem Studio Wiesbaden des hr-fernsehens liegt das Austrittsschreiben von Metz vor. Er habe sich zu diesem Schritt nach langen persönlichen Kämpfen entschlossen, da er "die innere Verfasstheit der hessischen Linken als unheilbar desolat wahrnehme", erklärte er darin.
Dies zeige sich etwa im persönlichen Umgang untereinander, den Metz als katastrophal und in der politischen Auswirkung als verheerend bezeichnete. Er habe nicht mehr die Kraft, in einem Sumpf vorwärts zu gehen, schrieb Metz, der auch Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Marburger Stadtparlament ist.
"Ein Panorama des Elends"
Pit Metz prangert in seinem Austrittsschreiben, das er an den Kreisvorstand Marburg-Biedenkopf und an den Landesvorstand gerichtet hat, Missgunst, üble Nachreden, "Bewegungsprotokolle", Lügen und "Fragekataloge wie in einem Verhör eines Verbrechers" an. Die innerparteiliche Situation sei "ein Panorama des Elends". Die anstehenden Wahlkämpfe würden seiner Einschätzung nach nicht dazu beitragen, die Partei zu festigen.
Das ehemalige DKP-Mitglied Metz war vorübergehend Spitzenkandidat der Linkspartei für die Landtagswahl 2008. Er trat dann aber kurz nach seiner Wahl von diesem Posten zurück. Auslöser war seine heftig umstrittene Äußerung zum Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze, den er mit dem Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan gleichgesetzt hatte. Neuer Spitzenkandidat wurde Willi van Ooyen, der später Fraktionschef der Linkspartei im Landtag wurde. Metz gehörte auch nach seinem Rücktritt dem geschäftsführenden Landesvorstand der Linkspartei sowie dem Kreisvorstand Marburg-Biedenkopf an.
Linkspartei sieht Eintrittswelle
Der Landesvorstand der Linkspartei bedauerte den Austritt von Pit Metz. Die Tür der hessischen Linken stünde ihm weiterhin offen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Es sei natürlich, dass es in einer demokratischen Partei auch Meinunungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gebe, erklärten die Landesvorsitzenden Ulrike Eifler und Ulrich Wilken.
Medienberichte über eine Austrittswelle bei der Linkspartei wies die Partei zurück. Es gebe vielmehr eine Eintrittswelle, im vergangenen Jahr seien über 700 neue Mitglieder eingetreten. Die Linkspartei habe in zwölf Monaten ihre Mitgliederzahl in Hessen von 1.900 auf 2.600 gesteigert.
Im Kreisverband Kassel waren einige Dutzend Parteimitglieder ausgetreten, weil sie angebliche Stasi-Machenschaften und zentralistische Strukturen in der Partei kritisierten.
CDU spricht von skandalösen Zuständen
Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christean Wagner, sagte, der Metz-Austritt erhärte "die skandalösen Zustände dieser Partei" und offenbare deren "diktatorische Züge". Zudem manifestiere der Austritt die zunehmenden Auflösungserscheinungen der Linkspartei.