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Ihre Erinnerungen

Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

Trabi durchbricht eine Mauer (Wandmalerei) (Bild:  picture-alliance/dpa)
Erzählen Sie davon! Wo waren Sie, als sich die Grenzen öffneten? Wie fühlte es sich an, plötzlich problemlos Freude und Verwandte im Westen oder bzw. in der DDR besuchen zu können? Haben sich Ihre Erwartungen von damals erfüllt? [zum Artikel]
 
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Dirk Berghoff am 06.11.2009 08:13
Zu dieser Zeit habe ich in Berlin gelebt. Morgens machte ich mich auf den We mit der U-Bahn von Charlottenburg nach Kreuzberg zur Berufsschule zu fahren. Schon nach 2 Stationen dachte ich mir:"Hier stimmt wat nich, det is so voll" Nun ja, zuerst gingen meine Gednken an einen Ausfall von ein oder zwei U-Bahnen. Als ich meine gewohnte Stehplatz-Position neben einem Zeitungsleser einnahm, um die News des Tages zu lesen, stand da nurn was von "Mauer ist weg". "Wat is los - Mauer weg? Wie jetzt..." Da ich am Abend zuvor nicht die Nachrichten verfolgt habe und auch am Morgen keine Nachrichten vernahm, war ich total überrascht. In der Schule, nur 500m von einem Überang entfernt, fiel der Unterricht aus. Wir gingen zu dem Übergang und schauten uns das Spektakel an. Unsere Lehrerin meinte noch, das ist Geschichte live! Die Gedanken meiner Kumpels und mir gingen aber eher Richtung Schulschluß :-) Der wiederum auch ins Wasser fiel, weil wir in unsere Läden (Wir lernten Kaufmann im EH) beordert wurden. Es wurden selbst in den abgelegensten Filialen rappelvoll. Ein Mitschüler lernte im KaDeWe, der hat von Szenen erzählt, das glaubt ihr nicht... Die Tage danach in Berlin waren ein Zustand, als hätte sich die Einwohnerzahl plötzlich verdoppelt. Man kann es gar nicht beschreiben... Die Strassen voll von Trabbis, Menschen die an Schaufenstern in 3er Reihen standen...
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Bernd Schnaudt am 05.11.2009 20:45
Abends erfuhr ich indirekt über HR3 von der Grenzöffnung, als ich ein Konzert der DDR-Band City im Soldatenheim Hessisch Lichtenau besuchte. Ein Typ ging nach vorne zum Sänger und sagte ihm irgendwas, worauf Toni Krahl mit den Schultern zuckte. In der Konzertpause sagte Toni "Der Typ erzählte, die Jrenze is uff".
Schlagzeuger Klaus Selmke schaute auf die Uhr "Mensch, gleich 9. Im Nebenraum stand doch ein Radio und um 9 gibt's Nachrichten in HR3." Er kam zurück. "Ja, es stimmt - und die Trabbis fahren wohl auch schon".
Die Band spielte das Konzert engagiert zu Ende. Dann wurde der Abend lang und auch ich konnte so einige Fragen los werden. Z. B. ob "Maschine" Dieter Birr, Frontmann der Puhdys, integer sei. Toni, der 1968 wegen einer Protestaktion gegen den Einmarsch in die CSSR hinter Gittern saß, entgegnete: "Maschine ist 'ne ehrliche Haut".
Dass einige Systemkritische Texte durch die Zensur gekommen waren, hatte die Gruppe genauso erstaunt wie mich und ist vielleicht mit ein kleines Indiz dafür, dass sich in viel breiteren Kreisen "etwas regte" .

Alles in allem ein unvergesslicher, sehr bewegender Abend mit engagierten Menschen, die dann doch desillusioniert wirkten.

"Unn was is mit uns - kommste heeem unn is keener mehr da, wa. Sollste dann für´n Zehner uff`m Alex erzählen, wie et früher ´mal war? Man kann die Leute doch verstehn - die woll`n `nen Videorekorder, `nen Golf GTI unn nach Mallorca in Urlaub fahren. Wir brauchen und wir wollen Veränderungen; aber das kommt jetzt wohl sehr plötzlich und schnell..."
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Heiko Koritkowski am 05.11.2009 19:46
Auch ich werde diesen Tag wohl nie vergessen.
Und zwar wurde ich am 9.11.1989, 20 Jahre alt und hatte einige Freunde zum feiern eingeladen. Nach dem Essen wollte ich uns etwas Musik anmachen,die im Hintergrund laufen sollte. Ich schaltete das Radio ein und suchte einen Sender,der schöne Musik spielt. Leider vergeblich...überall liefen Nachrichten und Liveberichte...aber keine Musik.
Ich muss zugeben,ich habe gar nicht darauf gehört,was in den Berichten erzählt wurde,( Ich weiß noch,das ich stinksauer war,weil ich keine Musik fand.)bis mal jemand sagte: "...mach mal lauter,die haben gerade etwas vom Mauerfall gesagt!" Wir hörten alle gespannt zu und feierten meinen Geburtstag und die Wiedervereinigung bis zum Morgengrauen!
 
Andrea Forster-Roll am 05.11.2009 13:37
wie habe ich den Mauerfall erlebt?

dieses Thema ergreift mich immer und immer wieder zutiefst.
Ich bin in der DDR geboren, habe damals am 09.11.89 abends an meinem Raduga (russischer Buntfernseher ;-) ) gesessen und unten am Bildschirmrand lief die Banderole in roter Schrift, dass die Grenzen geöffnet wurden. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Meine Tochter war damals gerade 2 1/2 Jahre alt, also konnte ich nicht einfach so weg und das große Ereignis auskosten wie so viele Menschen, aber ich habe es mit Tränen in den Augen im Fernsehen verfolgt. Als ich am nächsten Tag in die Arbeit fuhr, war der Bus und auch die Arbeitsstelle "fast" menschenleer. Das Abartigste war, dass der große Parteisekretär, der uns die ganzen Jahre schikaniert hatte, auch weg war und nimmer wieder kam.
Ich bin 1993 in die alten Bundesländer übergesiedelt, damals nach Nordrhein-Westphalen, habe auch schon in Rheinland-Pfalz gewohnt ... wohne jetzt glücklich und zufrieden in der schönen Oberpfalz, also in Bayern und arbeite in Hessen ...

Deutschland ist schön und vor allem wieder vereint, was will man (frau) mehr???

ganz liebe Grüße und macht weiter so ...
Andrea
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