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Ihre Erinnerungen

Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

Trabi durchbricht eine Mauer (Wandmalerei) (Bild:  picture-alliance/dpa)
Erzählen Sie davon! Wo waren Sie, als sich die Grenzen öffneten? Wie fühlte es sich an, plötzlich problemlos Freude und Verwandte im Westen oder bzw. in der DDR besuchen zu können? Haben sich Ihre Erwartungen von damals erfüllt? [zum Artikel]
 
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Lothar Reuß am 09.11.2009 11:22
Wir waren beim Elternabend unserer Kinder in der Schule in Frankfurt. Da wurde nichts davon bekannt. Als wir gegen 22.00 Uhr heim kamen, erzählten uns unsere Kinder, 14 und 12 Jahre damals. Sie hatten unsere Rückkehr herbeigesehnt, nicht wegen der Nachrichten aus der Schule, welche wir wohl mitbringen würden, ganz aufgeregt, die Mauer sei offen. Sie kannten die Grenze und die Schikanen, denn wir waren öfter drüben zu Verwandtenbesuchen.

Wir wollten es erst nicht glauben, aber dann im Fernsehen war es nicht mehr zu übersehen. Auch wir freuten uns sehr, denn nun konnten wir unsere Verwandten drüben ohne Behinderungen und Probleme besuchen, bzw. sie konnten endlich zu uns kommen.

Was auch unser Grossneffe wahr machte. Wenige Wochen später kam er mit dem Fahrrad von Dessau zu unseren Wohnwagen auf einem Campingpatz am Rhein gefahren. Er brauchte ca. 3 Tage für diese Strecke, meinte aber beim Abschied das es sich gelohnt hätte.

Eine Dublizität, als Kennedy 1963 ermordet wurde, war ich als 14 jähriger Junge Abends allein zu Hause, weil meine Eltern auf einem Elternabend in meiner Schule waren. Ich erfuhr diese Nachricht aus der Tagesschau und konnte die Heimkehr meiner Eltern kaum erwarten. Auch sie erfuhren dann erst von mir von den schlimmen Ereignissen in Amerika. Komischer Zufall.

Grüsse Lothar Reuß
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Veit Rüchardt am 09.11.2009 11:14
Mein Freund und ich waren vom 3. zum 4.November 1989 über Ungarn in die BRD geflüchtet und wohnten zur damaligen Zeit bei meiner Großmutter in Mühlheim, wo wir uns ihr Gästezimmer teilten, bis jeder seine eigene Wohnung hätte. Wir waren den ganzen Tag auf den Beinen gewesen (Behördengänge etc) und hatten daher alles irgendwie nicht mitbekommen. Als wir am Abend zu Tisch bei meiner Oma saßen und der Fernseher lief, sahen wir fassungslos in der Tagesschau, was passiert war, der Wahnsinn-eine Woche nach unserer Flucht!! und während wir uns die Nachrichten ansahen, läutete es an der Tür. Ich ging zur Sprechanlage um nachzufragen wer da wäre und es ertönte die Stimme der Mutter meines Kumpels. So ein Irrsinn!! Als die Mutter in Thüringen von der Grenzöffnung erfuhr, kam gerade ein Bekannter des Weges, dessen Tochter im Sommer ausgereist war, lud sie ins Auto und los ging es nach Hessen, die "Kinder" besuchen. Man kann sich meine Fassungslosigkeit nicht vorstellen, aber mein Kumpel, ein echter Fels in der Brandung den wirklich rein gar nichts aus der Bahn wirft, war völlig am Boden, als ich ihm mitteilte, daß seine Mutter an der Tür sei. Ich glaube, ich habe mindestens 4x diese Nachricht wiederholt, bis die Tatsache zu ihm durchsickerte. Es war das Einzigste Mal, so lange ich ihn kenne-und das sind mehr als 30 Jahre- das ich ihn mit Tränen in den Augen sah. Immerhin hatten wir uns vor unserer Flucht von unseren Angehörigen verabschiedet, in der Gewißheit, sie die nächsten Jahre nicht mehr wiederzusehen.
Man kann sich also die Riesenfreude auf allen Seiten vorstellen, und es wurde ein sehr sehr langer Abend.
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Ulrich Böhme am 09.11.2009 10:10
Ich habe am 9.11.1989 am frühen Abend die Aktuelle Kamera, also die Nachrichten des DDR Fernsehens angeschaut. Das tat ich generell gerne, um zu vergleichen, was bringen unsere Medien an Nachrichten und was die DDR.
Und so habe ich die erste Ausstrahlung des Schabowskisatzes zum Reisegesetz direkt im Fernsehen der DDR verfolgen können und bin sofort in die Küche zu meiner Frau gesaust und habe ihr gesagt, dass die Mauer gefallen ist. Die Bestätigung kam etwas später, als dann der Fernsehtext auf der ARD in roten Buchstaben auf der Seite 111 die Nachricht meldete.
Später berichtete der hr, welche Grenzübergänge Hessen/Thüringen geöffnet wurden. Ich habe die 1:250 000 Karte genommen und dann diese Grenzübergänge und Straßen markiert. Täglich wurden es mehr.
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Kunert, Rolf am 09.11.2009 09:46
Es war ca. 22,30 Uhr am Abend des 09.November 1989, ich war gerade vier Monate verheiratet und lebte mit meiner Frau in Berlin Tempelhof, als ich in meinem kleinen Schwarzweiß-Fernseher in den Tagesthemen sah, was an Geschichtsträchtigem geschehen sein sollte. Ich konnte es erst gar nicht glauben. Ich weckte meine Frau, berichtete ihr und wir fuhren kurzentschlossen in den äußersten Süden West-Berlins zur Waltersdorfer Chaussee in Rudow, um uns selbst ein Bild zu machen. Und tatsächlich, Trabis, Wartburgs und andere Ost-Kisten fuhren knatternd und stinkend in die neue Welt, in den vermeintlich „Goldenen Westen“. Unter dem Jubel der Westberliner wie ein nimmer endender sprudelnder Quell, trauten sich die Brüder und Schwestern aus der DDR in die Freiheit. Anfänglich noch sehr unsicher, aber mit strahlenden Gesichtern der Freude, schreien, gröhlend, weinend voller Freude über die unfaßbaren Ereignisse in dieser Stunde.
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