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Ihre Erinnerungen

Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

Trabi durchbricht eine Mauer (Wandmalerei) (Bild:  picture-alliance/dpa)
Erzählen Sie davon! Wo waren Sie, als sich die Grenzen öffneten? Wie fühlte es sich an, plötzlich problemlos Freude und Verwandte im Westen oder bzw. in der DDR besuchen zu können? Haben sich Ihre Erwartungen von damals erfüllt? [zum Artikel]
 
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Oliver Ohl am 06.11.2009 15:26
Hallo liebes HR 3 Team !

Anbei meine eigene Story zum 09.November 1989 oder auch "die unglaubliche Inkompetenz eines Staabsunteroffizieres".

Ich leistete ab dem 02.10.1989 meine Wehrpflicht bei der Bundeswehr in Kassel-Wilhelmshöhe/ Wittich-Kaserne (2.Panzergrenadierbatallion) ab und befand mich in der Grundausbildung. Zum damaligen Zeitpunkt galt Bettruhe ab 22.00 Uhr. Es war schon nach 22.00 Uhr,als wir durch das Fernsehen erfuhren, dass in der DDR die Grenzen geöffnet wurden. "Welch ein Erlebnis bzw.was für ein historischer Tag"war der erste Kommentar von mir und meinen Kameraden. Und nun das eigentlich unglaubliche : Der Staabsunteroffizier,welcher an diesem Abend zum sogenannten UvD-Dienst (u.a.für Bettruhe zuständig) eingeteilt war, verfügte bzw.befahl uns, das TV-Gerät abzuschalten und ins Bett zu gehen. Ich entgegnete ihm, dass dies heute ein historischer Tag für die Bundesrepublik ist und wir uns dann morgen beim Vorgesetzten beschweren würden,falls wir jetzt ins Bett müssten. Der Staabsunteroffizier blieb bei seiner Anweisung/Meinung und wir mussten tatsächlich ins Bett !!! Einen Tag später fuhren wir mit dem Bundeswehr-Bus zum Gelöbnis nach Göttingen, wo uns schon zahlreiche DDR-Bürger mitTrabbis und Wartburgs hupend und winkend auf der Autobahn entgegenfuhren.

Eigentlich unfassbar - wir leisteten für Deutschland unsere Wehrpflicht ab und mussten am Freudentag der Deutschen schlafen gehen !!!
 
Ursula Appel am 06.11.2009 14:54
Man hatte ja schon Tage- und Wochenlang die Montagsdemonstrationen mitverfolgt. Als an diesem Tag am späten Abend die Nachrichten im Fernsehen zu sehen waren, mit Menschen auf der Mauer, Trabbis über der Grenze, hatte ich eigentlich nur Angst, daß sich die Regierung der DDR soviel "Frechheit" nicht gefallen läßt, und das Ganze unter Waffengewalt enden würde. Ich holte meine Töchter (damals 16 u. 8 Jahre alt ) aus ihren Zimmern, bzw aus dem Bett um sie miterleben zu lassen, was da passiert. Sie waren ja Zeitzeugen und sollten ihren Kindern einmal erzählen können, was sich in jener Zeit abgespielt hat. Der Kleinen war das ziemlich egal, und verstand nicht, weshalb sie aus ihrem warmen Bett geholt wurde. Die Große war da schon eher interresiert. Ich aber, war sehr aufgeregt, und in ständiger Angst, Schüsse zu hören. Am nächsten Morgen habe ich zuerst das Radio angemacht und habe allen Ernstes darauf gewartet, daß der Sprecher die Nachricht verkündet, daß der Putschversuch blutig niedergeschlagen wurde. zum Glück hat sich meine Angst nicht bestätigt. Über solche Gedanken lacht man heute vielleicht, mir war es aber nicht geheuer!
Viele Grüße
Ursula Appel
 
andrea löher am 06.11.2009 11:28
Im 8.Monat schwanger habe ich im Flieger von Berlin nach Hannover gesessen, ein guter Engel hatte die Flugtickets zu einer Tagung gesponsort, sonst hätte ich sicher den MegaSuperStopandGo auf der Autobahn erlebt - und mich wahrscheinlich nicht so doll über den Mauerfall und die Widervereinigung gefreut ;-) Am Sonntagabend war Berlin so herrlich voll und beschwingt wie nie. Und auf dem Rathausplatz Steglitz stand allen Ernstes ein voller Laster und verteilte Bananen!!!!
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Simone am 06.11.2009 11:10
Ich war damals 18 Jahre alt und habe in Thüringen gewohnt. Am Abend vor dem Mauerfall haben wir uns in einem Eiscafe getroffen und fantasiert was wohl wäre wenn die Mauer aufgeht, immer weniger unserer Freunde waren noch da, viele waren über Ungarn o. Prag schon weg.
Am Tag des Mauerfalls war ich an der Arbeit, mein damaliger Freund kam zu mir und wollte meinen Ausweis haben, er meinte wir fahren heute nach Kassel, die Reisefreiheit ist durch. Ich habe gedacht das er mich veralbern will, wollte mich selbst überzeugen und bin spontan unter einen Vorwand das ich einen Zahnarzttermin vergessen hatte von der Arbeit weg. Als wir an der Polizeidienststelle wo es den Visumstempel gab ankamen, war dort schon eine Kilometerlange Schlange von Menschen. Zum Glück stand der Vater meines Freundes schon an und wir konnten bis fast nach vorn durchgehen. Mit meinem Visum bin ich nach Hause und habe meiner Mutter Bescheid gesagt das die Mauer auf ist, Sie hat mir ebenfalls zuerst nicht geglaubt mir dennoch Reiseproviant gemacht und dann ging es in einer Kolonne von Autos (alle Freunde) in Richtung Eisenach. Kurz nach Erfurt standen wir dann Stundenlang im Stau bis wir gegen Nacht(halb zwei) die Grenze passierten. Ich war in diesem Moment total überfordert mit den Emotionen der Menschen, überall am Grenzübergang Herleshausen standen feiernde Menschen mit Sekt und jubelten, in den Ortschaften standen die Anwohner mit Kuchen und Thermoskannen an den Straßen. Es war ein reines Volksfest was sich über bestimmt 50 Kilometer an der Grenze entlang abspielte. Ich werde diese Momente niemals vergessen, das Gefühl des Straßenbelages (das Auto lief ruhig) die vielen bunten Lichter der Stadt (Reklame) die Gerüche in den Geschäften alles war neu.
Dieses Erlebnis hat in meinem Leben viel verändert und ich bin dankbar das ich dies erleben durfte!
 
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