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Ihre Erinnerungen

Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

Trabi durchbricht eine Mauer (Wandmalerei) (Bild:  picture-alliance/dpa)
Erzählen Sie davon! Wo waren Sie, als sich die Grenzen öffneten? Wie fühlte es sich an, plötzlich problemlos Freude und Verwandte im Westen oder bzw. in der DDR besuchen zu können? Haben sich Ihre Erwartungen von damals erfüllt? [zum Artikel]
 
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Lorenz M. am 05.11.2009 10:08
Ich war damals 17 jahre alt und hatte kurz zuvor eine Druckerlehre bei der ehem. Druckerei Schanze in der Kohlenstraße begonnen. Zu der Zeit fuhr ich mit der Bundesbahn zur Arbeit und die Züge aus Richtung Bebra waren brechend voll mit Menschen aus er DDR, so daß ich von Rengershausen bis Wilhelmshöhe im Gepäckwagen (der auch schon mit Fahrgästen gefüllt war) mitfahren mußte. Man hatte Zeit für ein kurzes Gespräch mit Gleichaltrigen, ein sehr bewegender Moment! An den beiden ersten Wochenenden war man natürlich in Kassel, um sich unter die Menschenmassen zu mischen!
 
Katrin am 03.11.2009 20:45
Als die Mauer fiel, war ich 10 und lebte im Südharz (heutiges Nordthüringen). Ich erinnere mich genau an den Zeitpunkt, als ich erfuhr, dass ich mit meiner Familie am 10. November in den Westen nach Niedersachsen fahren würde.
Ich habe mich auf mein Bett fallen lassen und war auf einmal ganz leer. "Wir fahren morgen in den Westen...., wie soll das gehen?" Ein unglaubliches Gefühl, dass ich gar nicht so beschreiben kann. Auf jeden Fall schwirrte in meinem Kopf der Begriff "Freiheit". Und schon mit zehn Jahren war mir klar, dass in dem Moment etwas Gewaltiges passiert war und sich etwas in meinem Leben ändern würde. Denn die Nachrichten der vergangenen Tage/Wochen ließen die Krise der DDR-Führung klar werden....(wir hatten ja Dank dem Brocken Westfernsehen ;-) Ich bin froh, dass ich in meinem Leben etwas so Tolles erleben durfte und es wird wohl eines der beeindruckendsten Erlebnisse meines Leben bleiben.
Was bessere hätte mir nicht passieren können.
 
Roland Piper am 09.11.2009 08:24
Im September 1989 begann ich mein Forststudium an der TU Dresden, Sektion Forstwirtschaft in Tharandt. Tharandt ist ein kleines Städtchen, ca. 25 Minuten mit der S-Bahn von Dresden entfernt, eingeschlossen von kleinen Bergen.
Am 09.11.1989 waren einige Kommilitonen und ich abends im Kino in Tharandt. Es lief der Film "Der Name der Rose". Im Anschluss tranken wir noch ein paar Bier auf dem Weg zurück ins Wohnheim. Im zentralen Waschraum des Wohnheims bereitete ich mich gerade auf die Nacht vor, als ein anderer Kommilitone euphorisch in den Waschraum kam und sagte, dass die Grenzen offen wären. Das konnte ich erst gar nicht glauben, bekam aber die Bestätigung in den 0-Uhr-Nachrichten. Am nächsten Tag war der Vorlesungssaal weniger als zur Hälfte besetzt.
Ich unternahm eine Woche darauf, auf dem Heimweg von Dresden nach Schwerin, einen Abstecher nach Berlin.
Beeindruckende Momente, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.
 
Jens Bertrams am 09.11.2009 08:47
Ich war Schüler an der Deutschen Blindenstudienanstalt und belegte als Leistungskurs Gemeinschaftskunde. Wir haben die Entwicklung in der DDR intensiv verfolgt, aber keiner von uns hätte mit dem Mauerfall gerechnet. Der 9. November war ein trüber, kalter Tag. Obwohl ich oft DDR-Sender hörte, habe ich die Pressekonferenz von Günter Schabowski verpasst. Auch die nächsten 2 Stunden geschah nichts Besonderes, bis ich im Deutschlandfunk die Bundestagssitzung hörte, in der plötzlich die Nationalhymne gesungen wurde. Von da an blieb ich die ganze Nacht am Radio oder Fernseher. Es war eine Freudennacht, obwohl ich keine Verwandten in der DDR hatte. Von diesem Tag wusste ich: Die Einheit kommt. Die Opposition in der DDR tat mir leid, sie würde überrollt werden. Übrigens empfand ich es eher als schön, dass am Wochenende überall Trabikolonnen auftauchten und die Kaufhäuser auch in Marburg voll waren. Es war das Gefühl einer Zeitenwende, und ich durfte fühlen, dabei gewesen zu sein.
 
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