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Ihre Erinnerungen

Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

Trabi durchbricht eine Mauer (Wandmalerei) (Bild:  picture-alliance/dpa)
Erzählen Sie davon! Wo waren Sie, als sich die Grenzen öffneten? Wie fühlte es sich an, plötzlich problemlos Freude und Verwandte im Westen oder bzw. in der DDR besuchen zu können? Haben sich Ihre Erwartungen von damals erfüllt? [zum Artikel]
 
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Jens Bertrams am 09.11.2009 08:47
Ich war Schüler an der Deutschen Blindenstudienanstalt und belegte als Leistungskurs Gemeinschaftskunde. Wir haben die Entwicklung in der DDR intensiv verfolgt, aber keiner von uns hätte mit dem Mauerfall gerechnet. Der 9. November war ein trüber, kalter Tag. Obwohl ich oft DDR-Sender hörte, habe ich die Pressekonferenz von Günter Schabowski verpasst. Auch die nächsten 2 Stunden geschah nichts Besonderes, bis ich im Deutschlandfunk die Bundestagssitzung hörte, in der plötzlich die Nationalhymne gesungen wurde. Von da an blieb ich die ganze Nacht am Radio oder Fernseher. Es war eine Freudennacht, obwohl ich keine Verwandten in der DDR hatte. Von diesem Tag wusste ich: Die Einheit kommt. Die Opposition in der DDR tat mir leid, sie würde überrollt werden. Übrigens empfand ich es eher als schön, dass am Wochenende überall Trabikolonnen auftauchten und die Kaufhäuser auch in Marburg voll waren. Es war das Gefühl einer Zeitenwende, und ich durfte fühlen, dabei gewesen zu sein.
 
Inge Seibel am 09.11.2009 09:28
Wir haben den 70. Geb. eines Bekannten gefeiert. Zu der Geburtstagsfeier war die Nichte des Geburtstagskindes aus Thüringen mit ihrem Mann angereist. Sie mußten noch Anträge ausfüllen um zu kommen und die Tochter durfte nicht mit. Nachts kam ein Gast plötzlich mit der Nachricht, das die Grenze offen ist. Zwei Tage später war die Tochter des Ehepaares aus Thüringen auch da. Sie ist heute meine Nachbarin.
 
Oliver Ohl am 06.11.2009 15:26
Hallo liebes HR 3 Team !

Anbei meine eigene Story zum 09.November 1989 oder auch "die unglaubliche Inkompetenz eines Staabsunteroffizieres".

Ich leistete ab dem 02.10.1989 meine Wehrpflicht bei der Bundeswehr in Kassel-Wilhelmshöhe/ Wittich-Kaserne (2.Panzergrenadierbatallion) ab und befand mich in der Grundausbildung. Zum damaligen Zeitpunkt galt Bettruhe ab 22.00 Uhr. Es war schon nach 22.00 Uhr,als wir durch das Fernsehen erfuhren, dass in der DDR die Grenzen geöffnet wurden. "Welch ein Erlebnis bzw.was für ein historischer Tag"war der erste Kommentar von mir und meinen Kameraden. Und nun das eigentlich unglaubliche : Der Staabsunteroffizier,welcher an diesem Abend zum sogenannten UvD-Dienst (u.a.für Bettruhe zuständig) eingeteilt war, verfügte bzw.befahl uns, das TV-Gerät abzuschalten und ins Bett zu gehen. Ich entgegnete ihm, dass dies heute ein historischer Tag für die Bundesrepublik ist und wir uns dann morgen beim Vorgesetzten beschweren würden,falls wir jetzt ins Bett müssten. Der Staabsunteroffizier blieb bei seiner Anweisung/Meinung und wir mussten tatsächlich ins Bett !!! Einen Tag später fuhren wir mit dem Bundeswehr-Bus zum Gelöbnis nach Göttingen, wo uns schon zahlreiche DDR-Bürger mitTrabbis und Wartburgs hupend und winkend auf der Autobahn entgegenfuhren.

Eigentlich unfassbar - wir leisteten für Deutschland unsere Wehrpflicht ab und mussten am Freudentag der Deutschen schlafen gehen !!!
 
christiane wendt am 09.11.2009 23:02
Mit gerade 20 jahren hatte ich meine Flucht über die Tschechei und Ungarn Anfang Oktober geschafft und kam bei meinem damaligen Freund als "Mit- Untermieterin" in der Wohnung seines Chefs unter.
Am 9.11. verfolgte ich alle Berichte und Nachrichten zuerst gespannt im Radio, danach im TV. Bis mich die Vermieterin ans Telefon rief; mich wolle angeblich eine junge Frau sprechen. Ich kannte hier doch niemanden! Doch diese Frau war meine Schwester, die mit ihrer Familie am Morgen des 9.11. Richtung Tschechei aufgebrochen waren um von da nach Bayern zu flüchten.
Ich glaubte anfangs sie wären auf Besuch hier und wollten zu mir kommen. Meine Schwester war dagegen sehr irritiert und begriff meine blöden Fragen gar nicht bis ich meinen Irrtum merkte. Sie hatte von allem Neuen noch gar nichts gehört; in den ostdeutschen Autos gab es ja auch keine Radios ..... Ich schickte sie sofort zum nächsten Fernseher und brauchte danach fast eine halbe Flasche Weinbrand zum "verdauen". Endlich hatte ich hier Familie wieder.
Denn meine Flucht bedeutete nicht nur persönliche Freiheit sondern auch der Abschied und die Trennung von der Familie auf unbestimmte Zeit. Aber das war ab da Geschichte!
 
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