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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Eva Lang am 06.11.2009 10:57
Hallo zusammen,
ich war in Mannheim im Capitol bei einem Konzert von Nina Hagen. Hätte es damals schon Handys wie heute gegeben, wäre schon währenddessen etwas verkündet worden. So schaltete man später den Fernseher an und sah die tollen Nachrichten. Manchmal, wenn die Bilder kommen, fühle ich wie damals, völlige Rührung, ein paar Tränen sind gekullert, obwohl ich persönlich keine Kontaktpersonen hatte. Aber das Gefühl, dass Deutschland die Kriegs-Trennung überwindet, war überwältigend. (Ich bin 1960 geboren).
Schöne Grüße
Eva Lang
 
michael raupach am 06.11.2009 10:28
Ich habe am 09.November Geburtstag und vor 20 Jahren war es so, das der Tag und der Abend sehr hektisch waren. Deswegen habe ich erst gar nichts mitbekommen. Erst zwei Kollegen, die extrem spät noch aufliefen, erzählten davon. danach ging dann keiner mehr nach Haus, wir haben die Nacht vor dem Fernseher verbracht. Die Stimmung und das Gefühl sind unbeschreibbar, weil einige von uns Verwandte in der DDR hatten. Selbst jetzt läuft mir beim schreiben noch ein Schauer über den Rücken!
Viele Grüße, Michael Raupach
 
Dirk Berghoff am 06.11.2009 08:39
Wie jeden Freitag morgen machte ich mich von Charlottenburg Richtung Kreuzberg "SO36" auf zur Berufsschule. Schon nach ein paar Stationen bemerkte ich die ungewöhnliche Menschenmenge. Zuerst gingen meine Gedanken Richtung Zugausfälle bei den BVG. Nachdem ich, wie immer in der U-Bahn, meine "Zeitungsmitleseposition" eingenommen habe sah ich den Grund ganz dick geschrieben. "Die Mauer ist weg" stand dort ganz dick. Zuerst dachte ich an einen Scherz oder irgendeine Mauer die bei Bauarbeiten störte... Am Abend zuvor hatte ich keinerlei Nachrichten geschaut, auch die morgendlichen Nachrichten waren als Jungendlicher nicht so angesagt. Nach einiger Verspätung erreichte ich die Berufsschule, der Unterricht wurde auch spontan dann den etwa 500m entfernten Übergang verlegt. Unsere Lehrerin versuchte zu vermitteln, das dies "Geschichte zum Anfassen" sei. Es spielten sich Szenen ab von Leuten aus Richtung Friedrichshain nach Kreuzberg, das kann man sich gar nicht vorstellen. In unseren Ausbildungsläden (Lebensmittelbranche) war tagelang Ausnahmezustand. Ein Mitschüler war im KaDeWE beschäftigt, der hat von Szenen erzählt, das glaubt ihr nicht... Menschen in 3er Reihen an den Schaufenster - Trabbis überall - es gab spontan Konzerte von Radiosendern mit diversen Künstler. Die Leute erzählten von nix anderem mehr. Die Stadt war wochenlang in ein euphorischem Zustand.... Die "Mauerspechte" machten sich an die Arbeit, jeder wollte ein Souvenir haben. Bei der offiziellen Feier damals vorm Reichstag glich sie Stimmung wie an Sylvester. Menschen tanzen, Sektkorken knallten... Friedliche sehr ausgelassene Stimmung... Es war auch für uns westliche Jugendliche, als wäre eine verschlossen geheimnisvolle Tür geöffnet worden. Wir wollten mal den Osten erkunden...
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Dirk Berghoff am 06.11.2009 08:13
Zu dieser Zeit habe ich in Berlin gelebt. Morgens machte ich mich auf den We mit der U-Bahn von Charlottenburg nach Kreuzberg zur Berufsschule zu fahren. Schon nach 2 Stationen dachte ich mir:"Hier stimmt wat nich, det is so voll" Nun ja, zuerst gingen meine Gednken an einen Ausfall von ein oder zwei U-Bahnen. Als ich meine gewohnte Stehplatz-Position neben einem Zeitungsleser einnahm, um die News des Tages zu lesen, stand da nurn was von "Mauer ist weg". "Wat is los - Mauer weg? Wie jetzt..." Da ich am Abend zuvor nicht die Nachrichten verfolgt habe und auch am Morgen keine Nachrichten vernahm, war ich total überrascht. In der Schule, nur 500m von einem Überang entfernt, fiel der Unterricht aus. Wir gingen zu dem Übergang und schauten uns das Spektakel an. Unsere Lehrerin meinte noch, das ist Geschichte live! Die Gedanken meiner Kumpels und mir gingen aber eher Richtung Schulschluß :-) Der wiederum auch ins Wasser fiel, weil wir in unsere Läden (Wir lernten Kaufmann im EH) beordert wurden. Es wurden selbst in den abgelegensten Filialen rappelvoll. Ein Mitschüler lernte im KaDeWe, der hat von Szenen erzählt, das glaubt ihr nicht... Die Tage danach in Berlin waren ein Zustand, als hätte sich die Einwohnerzahl plötzlich verdoppelt. Man kann es gar nicht beschreiben... Die Strassen voll von Trabbis, Menschen die an Schaufenstern in 3er Reihen standen...
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 (Bild: hr )

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