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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Bernd Schnaudt am 05.11.2009 20:45
Abends erfuhr ich indirekt über HR3 von der Grenzöffnung, als ich ein Konzert der DDR-Band City im Soldatenheim Hessisch Lichtenau besuchte. Ein Typ ging nach vorne zum Sänger und sagte ihm irgendwas, worauf Toni Krahl mit den Schultern zuckte. In der Konzertpause sagte Toni "Der Typ erzählte, die Jrenze is uff".
Schlagzeuger Klaus Selmke schaute auf die Uhr "Mensch, gleich 9. Im Nebenraum stand doch ein Radio und um 9 gibt's Nachrichten in HR3." Er kam zurück. "Ja, es stimmt - und die Trabbis fahren wohl auch schon".
Die Band spielte das Konzert engagiert zu Ende. Dann wurde der Abend lang und auch ich konnte so einige Fragen los werden. Z. B. ob "Maschine" Dieter Birr, Frontmann der Puhdys, integer sei. Toni, der 1968 wegen einer Protestaktion gegen den Einmarsch in die CSSR hinter Gittern saß, entgegnete: "Maschine ist 'ne ehrliche Haut".
Dass einige Systemkritische Texte durch die Zensur gekommen waren, hatte die Gruppe genauso erstaunt wie mich und ist vielleicht mit ein kleines Indiz dafür, dass sich in viel breiteren Kreisen "etwas regte" .

Alles in allem ein unvergesslicher, sehr bewegender Abend mit engagierten Menschen, die dann doch desillusioniert wirkten.

"Unn was is mit uns - kommste heeem unn is keener mehr da, wa. Sollste dann für´n Zehner uff`m Alex erzählen, wie et früher ´mal war? Man kann die Leute doch verstehn - die woll`n `nen Videorekorder, `nen Golf GTI unn nach Mallorca in Urlaub fahren. Wir brauchen und wir wollen Veränderungen; aber das kommt jetzt wohl sehr plötzlich und schnell..."
 
Heiko Koritkowski am 05.11.2009 19:46
Auch ich werde diesen Tag wohl nie vergessen.
Und zwar wurde ich am 9.11.1989, 20 Jahre alt und hatte einige Freunde zum feiern eingeladen. Nach dem Essen wollte ich uns etwas Musik anmachen,die im Hintergrund laufen sollte. Ich schaltete das Radio ein und suchte einen Sender,der schöne Musik spielt. Leider vergeblich...überall liefen Nachrichten und Liveberichte...aber keine Musik.
Ich muss zugeben,ich habe gar nicht darauf gehört,was in den Berichten erzählt wurde,( Ich weiß noch,das ich stinksauer war,weil ich keine Musik fand.)bis mal jemand sagte: "...mach mal lauter,die haben gerade etwas vom Mauerfall gesagt!" Wir hörten alle gespannt zu und feierten meinen Geburtstag und die Wiedervereinigung bis zum Morgengrauen!
 
Andrea Forster-Roll am 05.11.2009 13:37
wie habe ich den Mauerfall erlebt?

dieses Thema ergreift mich immer und immer wieder zutiefst.
Ich bin in der DDR geboren, habe damals am 09.11.89 abends an meinem Raduga (russischer Buntfernseher ;-) ) gesessen und unten am Bildschirmrand lief die Banderole in roter Schrift, dass die Grenzen geöffnet wurden. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Meine Tochter war damals gerade 2 1/2 Jahre alt, also konnte ich nicht einfach so weg und das große Ereignis auskosten wie so viele Menschen, aber ich habe es mit Tränen in den Augen im Fernsehen verfolgt. Als ich am nächsten Tag in die Arbeit fuhr, war der Bus und auch die Arbeitsstelle "fast" menschenleer. Das Abartigste war, dass der große Parteisekretär, der uns die ganzen Jahre schikaniert hatte, auch weg war und nimmer wieder kam.
Ich bin 1993 in die alten Bundesländer übergesiedelt, damals nach Nordrhein-Westphalen, habe auch schon in Rheinland-Pfalz gewohnt ... wohne jetzt glücklich und zufrieden in der schönen Oberpfalz, also in Bayern und arbeite in Hessen ...

Deutschland ist schön und vor allem wieder vereint, was will man (frau) mehr???

ganz liebe Grüße und macht weiter so ...
Andrea
2 Leser fanden diesen Beitrag lesenswert
 
Wolfgang Bub am 05.11.2009 13:24
Ich kann ich noch wie heute daran erinnern. Ich war auf einer ca. 4-wöchigen Geschäftsreise in Fernost unterwegs. Am 9. November war ich in Indonesien und saß abends in dem schönen alten Borobodur Hotel vor dem Fernseher und schaute CNN Nachrichten. Ich konnte nicht glauben, was ich dort sah und blieb wie gebannt die halbe Nacht am Fernseher kleben.

Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich Tränen in den Augen hatte und muß sagen, jetzt wo ich diese Erinnerungen niederschreibe geht es mir noch einmal genauso. Schauer pur.

Ich habe dann noch nachts meine Frau zu Hause angerufen und es ist wirklich war Sie konnte mir auch nicht sagen, was dort abgeht. Für alle war das unbegreiflich was dort in ein paar Tagen abging.

Es ist noch zusagen, dass ich keinerlei Verwandtschaft oder Beziehung zur „DDR“ hatte
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