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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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christiane wendt am 09.11.2009 23:02
Mit gerade 20 jahren hatte ich meine Flucht über die Tschechei und Ungarn Anfang Oktober geschafft und kam bei meinem damaligen Freund als "Mit- Untermieterin" in der Wohnung seines Chefs unter.
Am 9.11. verfolgte ich alle Berichte und Nachrichten zuerst gespannt im Radio, danach im TV. Bis mich die Vermieterin ans Telefon rief; mich wolle angeblich eine junge Frau sprechen. Ich kannte hier doch niemanden! Doch diese Frau war meine Schwester, die mit ihrer Familie am Morgen des 9.11. Richtung Tschechei aufgebrochen waren um von da nach Bayern zu flüchten.
Ich glaubte anfangs sie wären auf Besuch hier und wollten zu mir kommen. Meine Schwester war dagegen sehr irritiert und begriff meine blöden Fragen gar nicht bis ich meinen Irrtum merkte. Sie hatte von allem Neuen noch gar nichts gehört; in den ostdeutschen Autos gab es ja auch keine Radios ..... Ich schickte sie sofort zum nächsten Fernseher und brauchte danach fast eine halbe Flasche Weinbrand zum "verdauen". Endlich hatte ich hier Familie wieder.
Denn meine Flucht bedeutete nicht nur persönliche Freiheit sondern auch der Abschied und die Trennung von der Familie auf unbestimmte Zeit. Aber das war ab da Geschichte!
 
Matthias Kohl am 09.11.2009 19:43
Hallo Natalie und Team,

meine Erlebnisse und Emotionen am und um den Tag des Mauerfalls waren sehr gemischt. Ich war in der ehemaligen DDR zu der Zeit gerade Wehrdinstleistender im Grundwehrdienst.
Keiner von uns Soldaten wußte, ob die ganze Umwälzung von Bestand sei und nicht russische Militärs etwas Ähnliches wie 1951 in der DDR oder 1968 in Prag anstellen würden. Mein Vater war 1951 in Dessau dabei und konnte sein Abitur erst ein Jahr später machen - für die damaligen Verhältnisse eine eher milde Strafe.
Was tun? Im Einsatz auf die eigenen Landsleute zielen? Ausgeschlossen - aber was, wenn der Umsturz niederschlagen werden würde? Bautzen - Sibirien? Keinem der Soldaten, die damals ihren Grundwehrdienst ableisteten, ging es damals gut, da keiner wußte, wie die Würfel fallen.
20 Jahre danach wissen wir mehr - habe mir im Westen zusammen mit meiner Frau ein Geschäft aufgebaut, arbeite hart und bin zufrieden. Umdrehen würde ich nichts mehr wollen - das ist sicher!
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Rüdiger Kaiser am 09.11.2009 17:35
Mein Beitrag bezieht sich nicht direkt auf den Mauerfall. Bei meinem Erlebnis mit der DDR-System 1961 war die Grenze noch nicht durchgehend befestigt. Mir kam im Sommer 61 in Weimarschmieden/Rhön ein NVA-Grenzsoldat in voller Bewaffnung, den DDR-Grenzstreifen überschreitend, entgegen. Ich war zunächst perplex, begriff aber dann schnell, daß er nur fliehen wollte.
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Olaf Kraft am 09.11.2009 12:58
09. November 1989, Ortszeit 14:00 Uhr..................
"die Grenze ist auf"........, mit diesen Worten kam unser Hauptmann in unser Büro des Deutschen Militärischen Bevollmächtigten USA/CA in Washington D.C..
Ein Satz, ein Erlebnis von ganz besondere "Note".
Man darf nicht vergessen, es gab noch kein Internet, auch noch nicht in den U.S.A.. Zu dieser Zeit war es nicht möglich deutsches Fernsehen in den USA zu empfangen.
Nach Feierabend, hatte man aber die Möglichkeit, Zuhause, durch diverse us.- amerikanische Fernsehanstalten diese Erreignis mitzuerleben. Für mich heute noch nicht nachvollziehbar, als Freunde Tage später mit mir telefonierten, und sagten, "hier bei uns gibt es keine gebrauchten Autos mehr zu kaufen" und "die Lebensmittelgeschäfte sind leergekauft".
Für mich unglaublich und unvorstellbar, da ich es nur aus der Ferne miterlebt habe................
Aber unvergessen..........................
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 (Bild: hr )

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