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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Jan Paulssen am 07.11.2009 15:48
Ich habe den Mauerfall am Fernseher mit meiner Familie erlebt - das ist warscheinlich noch nicht sonderlich späktakulär :-) Ich war 17, mein Bruder 19...
Mein älterer Bruder kam dann auf die Idee nach Berlin zu fahren. Wir haben versucht Freunde / andere aus der Familie (Cousins, etc) zu überreden mitzukommen. Alle waren zu träge...
Wir sind früh am nächsten Morgen (10. Nov.) mit dem Zug losgefahren, und haben 2 sehr ereignisreiche Tage (Abklopfen von Mauerstücken, Versuch zur Gernzüberquerung in den Osten, Schlafen in der U-Bahn neben einem Gitarrenspieler, der das Publikum seines Lebens hatte und Übernachten als 'Edelpenner' im Bankautomatenvorraum) zugebracht. Die Entschuldigung meiner Mutter 'Jan wollte Geschichte live erleben' wurde in der Schule nicht anerkannt - das waren meine einzigen unentschuldigten Fehlstunden meiner Schullaufbahn...
 
Georg Stahl am 06.11.2009 22:26
Ich war damals Zivi und mein Freund war gerade in eine WG in Karlsruhe eingezogen. Wir waren den ganzen Abend mit Möbel aufbauen und wachsen beschäftigt. Das Radio lief und irgendwann hieß es dann die Grenze ist offen. Wir schalteten den kleinen Fernseher in Ecke ein. Der Empfang war nicht besonders gut. Wir lagen auf der Matraze auf dem Boden, starrten in die Röhre und konnten nicht glauben was wir da sahen. Irgendwie hatten wir den Eindruck, daß das keine Livebilder sind sondern eine Art Fernsehspiel. Das geteilte Deutschland war seit ich mich erinnern konnte eine Realität und ich hätte nie gedacht, daß sich das in meinen Lebzeiten ändert. Dieser Mix aus Freude, Unglauben und all' die Fragen, wie das denn jetzt weitergeht war bisher einzigartig.
 
Stern am 06.11.2009 17:55
Als sich die Grenzen öffneten, hatte ich gerade eine schwere Operation in der Klinik (im Osten), anschließend erfolgte eine längere Krankschreibung. Trotzdem habe ich über dieses Ereignis alles von meinem Mann erfahren. Wir waren auch der Meinung, dass Deutschland nicht geteilt werden sollte. Es beleidigte mich trotzdem einige Jahre später (als ich einen Arbeitsplatz im Westen hatte) ein Mann: "Sie kommen doch von drüben. Hunderte Leute stehen vor dem Arbeitsplatz und wollen eine Arbeit und Sie kommen hierher und nehmen einen Platz weg. Ihnen muss man doch erst das Arbeiten beibringen." Ich antwortete: "Wenn diese Leute so fleißig und intelligent sind wie ich, dann werden sie mit Kusshand eingestellt." Da freute sich ein anderer Mann über meine Antwort. Er sagte: "Dem haben Sie es richtig gegeben." Ich persönlich finde es richtig, dass wir nicht mehr geteilt sind. Wir sind "ein" Deutschland.
 
Ursula Appel am 06.11.2009 14:54
Man hatte ja schon Tage- und Wochenlang die Montagsdemonstrationen mitverfolgt. Als an diesem Tag am späten Abend die Nachrichten im Fernsehen zu sehen waren, mit Menschen auf der Mauer, Trabbis über der Grenze, hatte ich eigentlich nur Angst, daß sich die Regierung der DDR soviel "Frechheit" nicht gefallen läßt, und das Ganze unter Waffengewalt enden würde. Ich holte meine Töchter (damals 16 u. 8 Jahre alt ) aus ihren Zimmern, bzw aus dem Bett um sie miterleben zu lassen, was da passiert. Sie waren ja Zeitzeugen und sollten ihren Kindern einmal erzählen können, was sich in jener Zeit abgespielt hat. Der Kleinen war das ziemlich egal, und verstand nicht, weshalb sie aus ihrem warmen Bett geholt wurde. Die Große war da schon eher interresiert. Ich aber, war sehr aufgeregt, und in ständiger Angst, Schüsse zu hören. Am nächsten Morgen habe ich zuerst das Radio angemacht und habe allen Ernstes darauf gewartet, daß der Sprecher die Nachricht verkündet, daß der Putschversuch blutig niedergeschlagen wurde. zum Glück hat sich meine Angst nicht bestätigt. Über solche Gedanken lacht man heute vielleicht, mir war es aber nicht geheuer!
Viele Grüße
Ursula Appel
 
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