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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Simone am 06.11.2009 11:10
Ich war damals 18 Jahre alt und habe in Thüringen gewohnt. Am Abend vor dem Mauerfall haben wir uns in einem Eiscafe getroffen und fantasiert was wohl wäre wenn die Mauer aufgeht, immer weniger unserer Freunde waren noch da, viele waren über Ungarn o. Prag schon weg.
Am Tag des Mauerfalls war ich an der Arbeit, mein damaliger Freund kam zu mir und wollte meinen Ausweis haben, er meinte wir fahren heute nach Kassel, die Reisefreiheit ist durch. Ich habe gedacht das er mich veralbern will, wollte mich selbst überzeugen und bin spontan unter einen Vorwand das ich einen Zahnarzttermin vergessen hatte von der Arbeit weg. Als wir an der Polizeidienststelle wo es den Visumstempel gab ankamen, war dort schon eine Kilometerlange Schlange von Menschen. Zum Glück stand der Vater meines Freundes schon an und wir konnten bis fast nach vorn durchgehen. Mit meinem Visum bin ich nach Hause und habe meiner Mutter Bescheid gesagt das die Mauer auf ist, Sie hat mir ebenfalls zuerst nicht geglaubt mir dennoch Reiseproviant gemacht und dann ging es in einer Kolonne von Autos (alle Freunde) in Richtung Eisenach. Kurz nach Erfurt standen wir dann Stundenlang im Stau bis wir gegen Nacht(halb zwei) die Grenze passierten. Ich war in diesem Moment total überfordert mit den Emotionen der Menschen, überall am Grenzübergang Herleshausen standen feiernde Menschen mit Sekt und jubelten, in den Ortschaften standen die Anwohner mit Kuchen und Thermoskannen an den Straßen. Es war ein reines Volksfest was sich über bestimmt 50 Kilometer an der Grenze entlang abspielte. Ich werde diese Momente niemals vergessen, das Gefühl des Straßenbelages (das Auto lief ruhig) die vielen bunten Lichter der Stadt (Reklame) die Gerüche in den Geschäften alles war neu.
Dieses Erlebnis hat in meinem Leben viel verändert und ich bin dankbar das ich dies erleben durfte!
 
Eva Lang am 06.11.2009 10:57
Hallo zusammen,
ich war in Mannheim im Capitol bei einem Konzert von Nina Hagen. Hätte es damals schon Handys wie heute gegeben, wäre schon währenddessen etwas verkündet worden. So schaltete man später den Fernseher an und sah die tollen Nachrichten. Manchmal, wenn die Bilder kommen, fühle ich wie damals, völlige Rührung, ein paar Tränen sind gekullert, obwohl ich persönlich keine Kontaktpersonen hatte. Aber das Gefühl, dass Deutschland die Kriegs-Trennung überwindet, war überwältigend. (Ich bin 1960 geboren).
Schöne Grüße
Eva Lang
 
michael raupach am 06.11.2009 10:28
Ich habe am 09.November Geburtstag und vor 20 Jahren war es so, das der Tag und der Abend sehr hektisch waren. Deswegen habe ich erst gar nichts mitbekommen. Erst zwei Kollegen, die extrem spät noch aufliefen, erzählten davon. danach ging dann keiner mehr nach Haus, wir haben die Nacht vor dem Fernseher verbracht. Die Stimmung und das Gefühl sind unbeschreibbar, weil einige von uns Verwandte in der DDR hatten. Selbst jetzt läuft mir beim schreiben noch ein Schauer über den Rücken!
Viele Grüße, Michael Raupach
 
Heiko Koritkowski am 05.11.2009 19:46
Auch ich werde diesen Tag wohl nie vergessen.
Und zwar wurde ich am 9.11.1989, 20 Jahre alt und hatte einige Freunde zum feiern eingeladen. Nach dem Essen wollte ich uns etwas Musik anmachen,die im Hintergrund laufen sollte. Ich schaltete das Radio ein und suchte einen Sender,der schöne Musik spielt. Leider vergeblich...überall liefen Nachrichten und Liveberichte...aber keine Musik.
Ich muss zugeben,ich habe gar nicht darauf gehört,was in den Berichten erzählt wurde,( Ich weiß noch,das ich stinksauer war,weil ich keine Musik fand.)bis mal jemand sagte: "...mach mal lauter,die haben gerade etwas vom Mauerfall gesagt!" Wir hörten alle gespannt zu und feierten meinen Geburtstag und die Wiedervereinigung bis zum Morgengrauen!
 
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 (Bild: hr )

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