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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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michael raupach am 06.11.2009 10:28
Ich habe am 09.November Geburtstag und vor 20 Jahren war es so, das der Tag und der Abend sehr hektisch waren. Deswegen habe ich erst gar nichts mitbekommen. Erst zwei Kollegen, die extrem spät noch aufliefen, erzählten davon. danach ging dann keiner mehr nach Haus, wir haben die Nacht vor dem Fernseher verbracht. Die Stimmung und das Gefühl sind unbeschreibbar, weil einige von uns Verwandte in der DDR hatten. Selbst jetzt läuft mir beim schreiben noch ein Schauer über den Rücken!
Viele Grüße, Michael Raupach
 
Bernd Schnaudt am 05.11.2009 20:45
Abends erfuhr ich indirekt über HR3 von der Grenzöffnung, als ich ein Konzert der DDR-Band City im Soldatenheim Hessisch Lichtenau besuchte. Ein Typ ging nach vorne zum Sänger und sagte ihm irgendwas, worauf Toni Krahl mit den Schultern zuckte. In der Konzertpause sagte Toni "Der Typ erzählte, die Jrenze is uff".
Schlagzeuger Klaus Selmke schaute auf die Uhr "Mensch, gleich 9. Im Nebenraum stand doch ein Radio und um 9 gibt's Nachrichten in HR3." Er kam zurück. "Ja, es stimmt - und die Trabbis fahren wohl auch schon".
Die Band spielte das Konzert engagiert zu Ende. Dann wurde der Abend lang und auch ich konnte so einige Fragen los werden. Z. B. ob "Maschine" Dieter Birr, Frontmann der Puhdys, integer sei. Toni, der 1968 wegen einer Protestaktion gegen den Einmarsch in die CSSR hinter Gittern saß, entgegnete: "Maschine ist 'ne ehrliche Haut".
Dass einige Systemkritische Texte durch die Zensur gekommen waren, hatte die Gruppe genauso erstaunt wie mich und ist vielleicht mit ein kleines Indiz dafür, dass sich in viel breiteren Kreisen "etwas regte" .

Alles in allem ein unvergesslicher, sehr bewegender Abend mit engagierten Menschen, die dann doch desillusioniert wirkten.

"Unn was is mit uns - kommste heeem unn is keener mehr da, wa. Sollste dann für´n Zehner uff`m Alex erzählen, wie et früher ´mal war? Man kann die Leute doch verstehn - die woll`n `nen Videorekorder, `nen Golf GTI unn nach Mallorca in Urlaub fahren. Wir brauchen und wir wollen Veränderungen; aber das kommt jetzt wohl sehr plötzlich und schnell..."
 
Heiko Koritkowski am 05.11.2009 19:46
Auch ich werde diesen Tag wohl nie vergessen.
Und zwar wurde ich am 9.11.1989, 20 Jahre alt und hatte einige Freunde zum feiern eingeladen. Nach dem Essen wollte ich uns etwas Musik anmachen,die im Hintergrund laufen sollte. Ich schaltete das Radio ein und suchte einen Sender,der schöne Musik spielt. Leider vergeblich...überall liefen Nachrichten und Liveberichte...aber keine Musik.
Ich muss zugeben,ich habe gar nicht darauf gehört,was in den Berichten erzählt wurde,( Ich weiß noch,das ich stinksauer war,weil ich keine Musik fand.)bis mal jemand sagte: "...mach mal lauter,die haben gerade etwas vom Mauerfall gesagt!" Wir hörten alle gespannt zu und feierten meinen Geburtstag und die Wiedervereinigung bis zum Morgengrauen!
 
Lorenz M. am 05.11.2009 10:08
Ich war damals 17 jahre alt und hatte kurz zuvor eine Druckerlehre bei der ehem. Druckerei Schanze in der Kohlenstraße begonnen. Zu der Zeit fuhr ich mit der Bundesbahn zur Arbeit und die Züge aus Richtung Bebra waren brechend voll mit Menschen aus er DDR, so daß ich von Rengershausen bis Wilhelmshöhe im Gepäckwagen (der auch schon mit Fahrgästen gefüllt war) mitfahren mußte. Man hatte Zeit für ein kurzes Gespräch mit Gleichaltrigen, ein sehr bewegender Moment! An den beiden ersten Wochenenden war man natürlich in Kassel, um sich unter die Menschenmassen zu mischen!
 
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 (Bild: hr )

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