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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Andrea Forster-Roll am 05.11.2009 13:37
wie habe ich den Mauerfall erlebt?

dieses Thema ergreift mich immer und immer wieder zutiefst.
Ich bin in der DDR geboren, habe damals am 09.11.89 abends an meinem Raduga (russischer Buntfernseher ;-) ) gesessen und unten am Bildschirmrand lief die Banderole in roter Schrift, dass die Grenzen geöffnet wurden. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Meine Tochter war damals gerade 2 1/2 Jahre alt, also konnte ich nicht einfach so weg und das große Ereignis auskosten wie so viele Menschen, aber ich habe es mit Tränen in den Augen im Fernsehen verfolgt. Als ich am nächsten Tag in die Arbeit fuhr, war der Bus und auch die Arbeitsstelle "fast" menschenleer. Das Abartigste war, dass der große Parteisekretär, der uns die ganzen Jahre schikaniert hatte, auch weg war und nimmer wieder kam.
Ich bin 1993 in die alten Bundesländer übergesiedelt, damals nach Nordrhein-Westphalen, habe auch schon in Rheinland-Pfalz gewohnt ... wohne jetzt glücklich und zufrieden in der schönen Oberpfalz, also in Bayern und arbeite in Hessen ...

Deutschland ist schön und vor allem wieder vereint, was will man (frau) mehr???

ganz liebe Grüße und macht weiter so ...
Andrea
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Rüdiger Kaiser am 09.11.2009 17:35
Mein Beitrag bezieht sich nicht direkt auf den Mauerfall. Bei meinem Erlebnis mit der DDR-System 1961 war die Grenze noch nicht durchgehend befestigt. Mir kam im Sommer 61 in Weimarschmieden/Rhön ein NVA-Grenzsoldat in voller Bewaffnung, den DDR-Grenzstreifen überschreitend, entgegen. Ich war zunächst perplex, begriff aber dann schnell, daß er nur fliehen wollte.
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Ines Wachs am 08.11.2009 17:04
Also ich kenne hier wirklich niemanden, der nicht (fast minütlich) weiß, was er am 09. November 1989 getan hat. Ich war auf der Geburtstagsfeier meines Cousins mit einigen Leuten in einer kleinen 1-Raum-Wohnung. Wir haben viel diskutiert, vor allem über die Zukunft der DDR. Aber niemand hätte ernsthaft geglaubt, dass an diesem Tag die Mauer fallen würde. Spät in der Nacht bin ich nach hause gelaufen und hab dann in meiner 1-Raum-Wohnung noch mal den Fernseher angeschaltet. Was ich da sah verschlug mir fast den Atem. Da stand ein (noch einsamer) Reporter an der innerdeutschen Grenze und sagte, dass hier noch keine Autos und DDR-Bürger zu sehen seien. Ich hab das alles erst gar nicht verstanden, aber plötzlich war klar: Man konnte direkt in den Westen! Wie ein Tiger im Käfig bin ich auf und abgelaufen. Ich hatte kein Telefon, kein Auto, niemanden mit dem ich mich hätte austauschen können. Immerhin der Fernseher lief. Am nächsten Tag gab es kein anderes Thema auf der Arbeit. Ich habe zu dieser Zeit in einem Hotel an der Rezeption gearbeitet und konnte nicht einfach so meine Arbeit hinschmeißen. Aber eine Kollegin ist zum Bahnhof und die hat mir nach stundenlangem Anstehen zwei Zugfahrkarten nach Frankfurt Main (!) für meinen Freund und mich mitgebracht. So sind wir dann am 11.11.89 nach Frankfurt gefahren. An der Zugstrecke winkten die Leute unserem Zug zu, es war ein einmaliges Erlebnis. Der Zoll ging durch den Zug und prüfte jeden Mülleimer, aber wir durften alle weiterreisen. Endlich in Frankfurt angekommen, begrüßte uns am Bahnsteig schon eine Durchsage für alle DDR-Bürger. Es gab eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Schule wurde mitgeteilt. Kaum waren wir raus aus dem Bahnhofsgebäude und auf der Kaiserstraße, trafen wir, zu unserer totalen Überraschung, andere Erfurter. Ein Trabi mit Erfurter Kennzeichen stand da Straßenrand. Das war ganz schön merkwürdig und dann sehe ich da einen Kollegen, der nur Wochen vorher über die Tschechoslowakei abgehauen war. Der hat uns dann ein bisschen durch das nächtliche Frankfurt geführt. Am nächsten Morgen sind wir weiter durch die Innenstadt. Dabei dachte ich, ich entdecke eine Demonstration und war ganz begeistert, denn einfach so demonstrieren, das gab es in der DDR nicht. Die Menschenansammlung war aber etwas noch ungewöhnlicheres als ich je gedacht hätte. Unter einem Baum saßen diverse Fixer und spritzten sich Drogen am helllichten Tag, einfach so.
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Lothar Reuß am 09.11.2009 11:22
Wir waren beim Elternabend unserer Kinder in der Schule in Frankfurt. Da wurde nichts davon bekannt. Als wir gegen 22.00 Uhr heim kamen, erzählten uns unsere Kinder, 14 und 12 Jahre damals. Sie hatten unsere Rückkehr herbeigesehnt, nicht wegen der Nachrichten aus der Schule, welche wir wohl mitbringen würden, ganz aufgeregt, die Mauer sei offen. Sie kannten die Grenze und die Schikanen, denn wir waren öfter drüben zu Verwandtenbesuchen.

Wir wollten es erst nicht glauben, aber dann im Fernsehen war es nicht mehr zu übersehen. Auch wir freuten uns sehr, denn nun konnten wir unsere Verwandten drüben ohne Behinderungen und Probleme besuchen, bzw. sie konnten endlich zu uns kommen.

Was auch unser Grossneffe wahr machte. Wenige Wochen später kam er mit dem Fahrrad von Dessau zu unseren Wohnwagen auf einem Campingpatz am Rhein gefahren. Er brauchte ca. 3 Tage für diese Strecke, meinte aber beim Abschied das es sich gelohnt hätte.

Eine Dublizität, als Kennedy 1963 ermordet wurde, war ich als 14 jähriger Junge Abends allein zu Hause, weil meine Eltern auf einem Elternabend in meiner Schule waren. Ich erfuhr diese Nachricht aus der Tagesschau und konnte die Heimkehr meiner Eltern kaum erwarten. Auch sie erfuhren dann erst von mir von den schlimmen Ereignissen in Amerika. Komischer Zufall.

Grüsse Lothar Reuß
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