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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Jochen Nass am 08.11.2009 15:55
Ich hatte gerade mein Studium an der Frankfurter Uni begonnen und hatte noch keine Wohnung in Frankfurt. Ich pendelte jeden Morgen und Abend zwischen Bad Hersfeld und Uni hin und her. Ich benutzte oft den sog. Interzonen-Zug und kann mich an ein Gespräch mit einer älteren Dame, die von der Beerdigung einer nahen Verwandten auf der Heimreise in den Osten war, erinnern. Das war kurz vor dem Mauerfall, und ich war mir aufgrund der Ereignisse in Leipzig und Prag ziemlich sicher, dass die DDR-Regierung dem Druck aus dem Inneren nicht länger standhalten konnte. Im Laufe des Gespräches, kurz vor meinem Zielort, sagte ich ihr, dass ich fest daran glaube, dass es nicht mehr lange dauert, bis Menschen aus dem Osten auch ohne familiären Trauerfall in den Westen reisen können. Sie antwortete mir, dass sie das wohl nicht mehr erleben werde. Ich habe mich selten so gefreut, dass ich recht behalten habe.

Am 12. Nov. stand ich auf der Brücke von Philippsthal nach Vacha und hatte Tränen in den Augen
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Dirk Berghoff am 06.11.2009 08:39
Wie jeden Freitag morgen machte ich mich von Charlottenburg Richtung Kreuzberg "SO36" auf zur Berufsschule. Schon nach ein paar Stationen bemerkte ich die ungewöhnliche Menschenmenge. Zuerst gingen meine Gedanken Richtung Zugausfälle bei den BVG. Nachdem ich, wie immer in der U-Bahn, meine "Zeitungsmitleseposition" eingenommen habe sah ich den Grund ganz dick geschrieben. "Die Mauer ist weg" stand dort ganz dick. Zuerst dachte ich an einen Scherz oder irgendeine Mauer die bei Bauarbeiten störte... Am Abend zuvor hatte ich keinerlei Nachrichten geschaut, auch die morgendlichen Nachrichten waren als Jungendlicher nicht so angesagt. Nach einiger Verspätung erreichte ich die Berufsschule, der Unterricht wurde auch spontan dann den etwa 500m entfernten Übergang verlegt. Unsere Lehrerin versuchte zu vermitteln, das dies "Geschichte zum Anfassen" sei. Es spielten sich Szenen ab von Leuten aus Richtung Friedrichshain nach Kreuzberg, das kann man sich gar nicht vorstellen. In unseren Ausbildungsläden (Lebensmittelbranche) war tagelang Ausnahmezustand. Ein Mitschüler war im KaDeWE beschäftigt, der hat von Szenen erzählt, das glaubt ihr nicht... Menschen in 3er Reihen an den Schaufenster - Trabbis überall - es gab spontan Konzerte von Radiosendern mit diversen Künstler. Die Leute erzählten von nix anderem mehr. Die Stadt war wochenlang in ein euphorischem Zustand.... Die "Mauerspechte" machten sich an die Arbeit, jeder wollte ein Souvenir haben. Bei der offiziellen Feier damals vorm Reichstag glich sie Stimmung wie an Sylvester. Menschen tanzen, Sektkorken knallten... Friedliche sehr ausgelassene Stimmung... Es war auch für uns westliche Jugendliche, als wäre eine verschlossen geheimnisvolle Tür geöffnet worden. Wir wollten mal den Osten erkunden...
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Dirk Berghoff am 06.11.2009 08:13
Zu dieser Zeit habe ich in Berlin gelebt. Morgens machte ich mich auf den We mit der U-Bahn von Charlottenburg nach Kreuzberg zur Berufsschule zu fahren. Schon nach 2 Stationen dachte ich mir:"Hier stimmt wat nich, det is so voll" Nun ja, zuerst gingen meine Gednken an einen Ausfall von ein oder zwei U-Bahnen. Als ich meine gewohnte Stehplatz-Position neben einem Zeitungsleser einnahm, um die News des Tages zu lesen, stand da nurn was von "Mauer ist weg". "Wat is los - Mauer weg? Wie jetzt..." Da ich am Abend zuvor nicht die Nachrichten verfolgt habe und auch am Morgen keine Nachrichten vernahm, war ich total überrascht. In der Schule, nur 500m von einem Überang entfernt, fiel der Unterricht aus. Wir gingen zu dem Übergang und schauten uns das Spektakel an. Unsere Lehrerin meinte noch, das ist Geschichte live! Die Gedanken meiner Kumpels und mir gingen aber eher Richtung Schulschluß :-) Der wiederum auch ins Wasser fiel, weil wir in unsere Läden (Wir lernten Kaufmann im EH) beordert wurden. Es wurden selbst in den abgelegensten Filialen rappelvoll. Ein Mitschüler lernte im KaDeWe, der hat von Szenen erzählt, das glaubt ihr nicht... Die Tage danach in Berlin waren ein Zustand, als hätte sich die Einwohnerzahl plötzlich verdoppelt. Man kann es gar nicht beschreiben... Die Strassen voll von Trabbis, Menschen die an Schaufenstern in 3er Reihen standen...
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Cornelia Rader am 09.11.2009 08:18
Guten morgen,
am Tag des 9.11.1989 durfte ich als damaliger DDR-Bürger eine offizielle Besuchsreise antreten. Der Zug in Eisenach wurde so kontrolliert wie immer. 1 Stunde Aufenthalt und die Suche nach evtl. Flüchtlingen begann. Als ich dann am 9.11. bei meinem Vater in Sulzbach/Ts. abends auf der Couch saß und wir die Nachrichten sahen, konnte ich es kaum fassen. Endlich durften wir alle reisen, wohin wir wollten :-)
Viele Grüße aus Heppenheim
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