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Hessen trifft Thüringen

"Die Grenze ist auf!" - Erinnerungen vor Ort

Sonntag, 8. November 2009, 18:30 Uhr
Im osthessischen Philippsthal wird einer der insgesamt fünf innerdeutschen Grenzübergänge in Hessen geöffnet (Archivbild vom 12.11.1989). (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)
November 1989. Die Menschen können es kaum fassen: Nach vierzig Jahren dürfen sie zum ersten Mal wieder über die Werra-Brücken ans andere Ufer, von Thüringen nach Hessen - von Hessen nach Thüringen. [zum Artikel]
 

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Ihre Erinnerungen: Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt?

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Karin Rohrbeck am 06.11.2009 22:09
Liebes HR3 Team,
Ich bin in Wildeck-Obersuhl "Zonenrandgebiet" groß geworden. Seit 1985 wohne ich allerdings in NRW. Als ich am 9. November morgens auf HR3 hörte, dass die Grenzen aufgemacht worden sind, bin ich mit meinem Mann sofort nach Obersuhl gefahren. Kurz bevor wir angekommen sind, kamen uns die ersten Trabbis entgegen und alle haben gewunken, gehupt, und es war so eine Freude. Wenn ich heute noch daran denke, wird mir noch warm ums Herz. Wenn man "an der Zonengrenze" groß geworden ist, wie ich, ist es glaube ich noch was besondereres, da man mit der Grenze groß geworden ist und dachte immer"da drüben kommst du niemals hin" Ich werde diesen Tag niemals vergessen.
Viele Grüße Karin
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Matthias Kohl am 09.11.2009 19:43
Hallo Natalie und Team,

meine Erlebnisse und Emotionen am und um den Tag des Mauerfalls waren sehr gemischt. Ich war in der ehemaligen DDR zu der Zeit gerade Wehrdinstleistender im Grundwehrdienst.
Keiner von uns Soldaten wußte, ob die ganze Umwälzung von Bestand sei und nicht russische Militärs etwas Ähnliches wie 1951 in der DDR oder 1968 in Prag anstellen würden. Mein Vater war 1951 in Dessau dabei und konnte sein Abitur erst ein Jahr später machen - für die damaligen Verhältnisse eine eher milde Strafe.
Was tun? Im Einsatz auf die eigenen Landsleute zielen? Ausgeschlossen - aber was, wenn der Umsturz niederschlagen werden würde? Bautzen - Sibirien? Keinem der Soldaten, die damals ihren Grundwehrdienst ableisteten, ging es damals gut, da keiner wußte, wie die Würfel fallen.
20 Jahre danach wissen wir mehr - habe mir im Westen zusammen mit meiner Frau ein Geschäft aufgebaut, arbeite hart und bin zufrieden. Umdrehen würde ich nichts mehr wollen - das ist sicher!
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Gabi am 08.11.2009 10:34
es ist das gefühl das man niemals vergisst. Ich war zu Hause und wir verfolgten wie jeden Abend die Nachrichten. Als dieser berühmte Satz fiel konnte niemand es so recht glauben. Alles was dann geschah war so unwirklich, dass man heute noch das Gefühl hat dieses alles nur geträumt zu haben. Ich weiss noch ganz wie sprachlos mich mein erster Besuch in Westen gemacht hat und man wusste ja noch nicht was daraus wird. Heute sind viele Dinge ganz alltäglich und auch wenn es oft andere Sorgen gibt als damals, wünsche ich niemanden in so einen System zu leben. Ich bin froh, dass alles so gekommen ist und alles so friedlich verlaufen ist. Und wenn mich jemand nach den 9. November fragt, dann antworte ich immer "ES IST DAS GEFÜHL"
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Bernd Schnaudt am 05.11.2009 20:45
Abends erfuhr ich indirekt über HR3 von der Grenzöffnung, als ich ein Konzert der DDR-Band City im Soldatenheim Hessisch Lichtenau besuchte. Ein Typ ging nach vorne zum Sänger und sagte ihm irgendwas, worauf Toni Krahl mit den Schultern zuckte. In der Konzertpause sagte Toni "Der Typ erzählte, die Jrenze is uff".
Schlagzeuger Klaus Selmke schaute auf die Uhr "Mensch, gleich 9. Im Nebenraum stand doch ein Radio und um 9 gibt's Nachrichten in HR3." Er kam zurück. "Ja, es stimmt - und die Trabbis fahren wohl auch schon".
Die Band spielte das Konzert engagiert zu Ende. Dann wurde der Abend lang und auch ich konnte so einige Fragen los werden. Z. B. ob "Maschine" Dieter Birr, Frontmann der Puhdys, integer sei. Toni, der 1968 wegen einer Protestaktion gegen den Einmarsch in die CSSR hinter Gittern saß, entgegnete: "Maschine ist 'ne ehrliche Haut".
Dass einige Systemkritische Texte durch die Zensur gekommen waren, hatte die Gruppe genauso erstaunt wie mich und ist vielleicht mit ein kleines Indiz dafür, dass sich in viel breiteren Kreisen "etwas regte" .

Alles in allem ein unvergesslicher, sehr bewegender Abend mit engagierten Menschen, die dann doch desillusioniert wirkten.

"Unn was is mit uns - kommste heeem unn is keener mehr da, wa. Sollste dann für´n Zehner uff`m Alex erzählen, wie et früher ´mal war? Man kann die Leute doch verstehn - die woll`n `nen Videorekorder, `nen Golf GTI unn nach Mallorca in Urlaub fahren. Wir brauchen und wir wollen Veränderungen; aber das kommt jetzt wohl sehr plötzlich und schnell..."
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 (Bild: hr )

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