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Serie vom 2. – 8. November

"20 Jahre Mauerfall" in der hessenschau

Grenzzaun (Bild: hr/Martin Kania)
Grenzzaun
Mitten im Kalten Krieg trinken west- und ostdeutsche Grenzer jahrelang heimlich Westbier - die Ost-Kollegen kommen dazu eigens durch ein Loch im Zaun. Und bezahlen dafür: mit Gefängnis. Diese und acht weitere bewegende Geschichten erzählt die hessenschau in der Mauerfall-Serie.
 

Montag, 2. November: Liebe über die Grenze hinweg

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Video: 20 Jahre Mauerfall (1): Grenzenlose Liebe 4:28 Min
(© hr | hessenschau, 02.11.2009)
Kurz nach dem zweiten Weltkrieg - Irmgard und Kurt sind verliebt. Sie wohnt im hessischen Dörfchen Willershausen, er nur drei Kilometer entfernt im thüringischen Pferdsdorf. Um Irmgard zu besuchen, muss sich Kurt immer wieder über die Zonengrenze schleichen, wird dabei von den Russen verhaftet. Doch das hält ihn nicht ab. 1949 heiraten die beiden, Irmgard zieht in die DDR. Die beiden schleichen aber weiter über die Grenze, um Irmgards Familie zu besuchen. Doch mit dem Mauerbau ist das vorbei.
Als Irmgards Vater stirbt, darf sie nicht zu seiner Beerdigung nach Hessen. Irmgard und Kurt Leinhos leben heute immer noch in Pferdsdorf, sie sind 82 und 85 Jahre alt.
 

Dienstag, 3. November: Grenzschützer aus Ost und West

Video: 20 Jahre Mauerfall (2): Grenzschützer aus Ost und West 4:29 Min
(© hr | hessenschau, 03.11.2009)
Am Grenzzaun zwischen Wahlhausen und Bad Sooden-Allendorf standen sie sich während der Wende erstmals direkt gegenüber: Andreas Rudolph als Major und Abschnittskommandeur der DDR-Grenztruppen, Hans-Dieter Müller als "Grenzöffnungsbeauftragter" der Eschweger Schutzpolizei. Aus dieser Begegnung ist eine dauerhafte Freundschaft geworden. Müllers waren zur Kommunion von Rudolphs Kindern ins Eichsfeld eingeladen, Geburtstage werden selbstverständlich gemeinsam gefeiert. Gemeinsam arbeiten der seit acht Jahren pensionierte hessische Polizist und der inzwischen bei der Bundespolizeiinspektion Kassel arbeitende ehemalige Grenztruppenkommandeur an einer Dokumentation der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Raum Eschwege / Bad Sooden-Allendorf.
 

Mittwoch, 4. November: Pfarrer-Freundschaft Ost-West

Video: 20 Jahre Mauerfall (3): Pfarrer-Freundschaft Ost-West 4:31 Min
(© hr | hessenschau, 04.11.2009)
Der Kirchenkreis Schmalkalden war schon immer hessisch und gehörte nach 1949 trotz Gründung der DDR auch weiterhin zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Deshalb schickte die Landeskirche Pfarrer aus dem Westen nach Schmalkalden, die dort für ein paar Jahre blieben. Ernst Ritter aus Marburg kam 1954 in die kleine Gemeinde Barchfeld, ein paar Jahre später wurde er vom Mauerbau überrascht. Weil er mittlerweile geheiratet hatte, eine Frau aus der DDR, blieb er. Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck wollte nach dem Krieg die Einheit wahren und rief Partnerschaften zwischen verschiedenen Kirchen aus. Schmalkalden wurde zunächst nicht berücksichtigt, weil es ja eigentlich zu Hessen gehörte. Erst Anfang der 80er Jahre wurde nach einer Partnergemeinde gesucht. Für Barchfeld sprang Bad Karlshafen ein, unter Pfarrer Karl-Heinz Illigmann. Die Partnerschaft sah so aus: Sonntags fuhren mehrere Personen Richtung DDR, aufgeteilt in verschiedene Wagen, die sich mit großen Abständen der Grenze näherten, um nicht als Großgruppe aufzufallen. Mit einem Tagesvisum reisten sie ein, nahmen am Gottesdienst teil, wurden in Familien aufgeteilt, bei denen sie zu Mittag aßen, und tauschten Gedanken aus. Es ging darum, die DDR-Wirklichkeit besser beurteilen zu können, Brücken zu bauen. Ernst Ritter bezeichnet diese Partnerschaft als "gute Ehe". Nach ihrer Pensionierung zogen beide Pfarrer nach Weimar, dort haben sie noch immer Kontakt zueinander.
 

Donnerstag, 5. November: Videofilmer West und Fotograf Ost

Video: 20 Jahre Mauerfall (4): Videofilmer West und Fotograf Ost 5:02 Min
(© hr | hessenschau, 05.11.2009)
Bevor die Wende kam, hatte Karl-Heinz Fischer in Friedewald ein Videostudio aufgebaut. Bei seinen ersten Besuchen in den Thüringer Nachbardörfern nahm er seinen Kameramann mit. Zusammen haben sie Weltgeschichte im Kleinen eingefangen. Der Eisenacher Lutz Mittelbach dagegen hatte keine Videoausrüstung zur Verfügung. Filmisch konnte er den Zusammenbruch des eigenen Staates oder die ersten Fahrten in den Westen nicht fest halten. Also hat er es mit der Fotokamera gemacht. In Schwarz-Weiß hat er den grauen Alltag der letzten Tage der DDR fotografiert, nicht den glitzernden Westen. Diese Fotos sind derzeit als Wenderückblick in einer Ausstellung im Eisenacher Rathaus zu sehen.
Fischer und Mittelbach kennen sich nicht. Wir bringen beide erstmals zusammen. Zwei Filmer, die sich darüber austauschen, wie unterschiedlich sie die Wende erlebt und wie unterschiedlich sie sie festgehalten haben.
 

Freitag, 6. November: Musik verbindet über Grenzen

Video: 20 Jahre Mauerfall (5): Musik verbindet über Grenzen 4:27 Min
(© hr | hessenschau, 06.11.2009)
Reinhard Lorenz ist Kulturamtsleiter der Stadt Eisenach und hat seit der Wende eines der bedeutendsten Jazzarchive Deutschlands aufgebaut. Ein Musikliebhaber, der von sich sagt: "Ohne den Blues hätte ich die DDR nicht überlebt." Einen großen Schub für das Archiv stellte der Nachlass von Horst Lippmann dar, Kompagnon von Fritz Rau, die mit ihrer Konzertagentur Lippmann und Rau in den 60er Jahren erstmals die Stones, Jimi Hendrix, Joan Baez u.v.a. nach Deutschland geholt hatten. Das Archiv gehört inzwischen zur Lippmann und Rau Stiftung und wird immer wieder von bedeutenden Künstlern unterstützt.

Wir begleiten Lorenz auf einer Fahrt zu Fritz Rau nach Kronberg im Taunus, zeigen, welchen regen Anteil Rau am weiteren Ausbau des Jazzarchivs nimmt und wie stark auch die freundschaftliche Bindung der beiden Männer über die Jahre geworden ist.
 

Samstag, 7. November: Grenzer Ost und Grenzer West

Video: 20 Jahre Mauerfall (6): Treffen der Klassenfeinde 4:25 Min
(© hr | hessenschau, 07.11.2009)
Bundesgrenzschützer und DDR-Grenzer trafen sich in den 60er-Jahren jahrelang nahe Wanfried, um Binding-Bier zusammen zu trinken. Illegal auf der Westseite, die DDR-Grenzer kamen durch ein Loch im Zaun. Nach Jahren wurden sie verpfiffen, angeklagt, landeten im Knast. Nach der Maueröffnung treffen sich die Klassenfeinde bis heute regelmäßig jedes Jahr.... und trinken Bier.
 

Sonntag, 8. November: Notaufnahmelager Gießen

Video: 20 Jahre Mauerfall (7): Notaufnahmelager Gießen 3:56 Min
(© hr | hessenschau, 08.11.2009)
Im ehemaligen Notaufnahmelager in Gießen suchten im Oktober/November 1989 rund 23.000 Menschen Zuflucht nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze. Das war die Rekordzahl. Allein in Gießen kümmerten sich 52 Mitarbeiter um Unterbringung, Betreuung und Versorgung. Heute ist die "Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge" in erster Linie Anlaufstelle für Asylsuchende. Wir haben Archivmaterial, und erinnern uns mit Pfarrer und Lagerleiter an die Zeit vor 20 Jahren.
 
Redaktion: mad
Bild: © hr/Martin Kania
Letzte Aktualisierung: 1.09.2010, 17:15 Uhr
 
 (Bild: hr )

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