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OB Wahl 2012
26.03.2012

Frankfurts neuer OB Feldmann

"Lassen Sie es uns einfach probieren"

Setzt auf kooperative Kollegen im Magistrat: der künftige OB Peter Feldmann. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Setzt auf kooperative Kollegen im Magistrat: der künftige OB Peter Feldmann.
Als neuer Oberbürgermeister steht Peter Feldmann vor einer gewaltigen Aufgabe: Im hr-online-Interview erklärt der SPD-Politiker, wie er mit dem schwarz-grünen Magistrat regieren will und warum ihm Schulterklopfer egal sind.
 
hr-online: Ganz ehrlich: Haben Sie am Sonntag, als Sie zum ersten Mal als neu gewählter OB die Treppen im Römer hochgelaufen sind, nicht einen Schreck bekommen? Ihr Leben wird sich jetzt gewaltig ändern ...

Feldmann: Erst mal bin ich nur der OB in spe, es geht erst im Juli los. Ich habe noch ausreichend Zeit, mich an die Situation zu gewöhnen.

Wie viele "gute Freunde" haben Sie seit gestern dazubekommen, die Sie vorher noch gar nicht kannten?

Ich freue mich über jeden, der mich begrüßt. Schulterklopfer gibt es immer. Aber das Relevante ist, dass sie in der Stadt was bewegen wollen. Das hängt nicht nur vom Magistrat ab, sondern es geht darum, dass die Menschen in dieser Stadt das Recht auf jemanden haben, der ihre Sprache spricht.

Im November hat Petra Roth ihre Rücktritt erklärt. Wann genau ist bei Ihnen die Idee gereift, als OB-Kandidat antreten zu können?

Ich habe bei unserem letzten OB-Wahlkampf immer mal wieder darüber nachgedacht, dass es eine große Herausforderung für mich wäre. Aber ich habe es dann wieder zurückgestellt, weil für mich andere Dinge im Vordergrund standen. Aber als die Partei gesagt hat, sie macht einen Mitgliederentscheid, war für mich klar, dass ich meinen Hut in den Ring werfe.
 
Ihr Wahlsieg ist recht eindeutig ausgefallen. Könnte der hohe Sieg nicht nur Ihrem Wahlprogramm zu verdanken sein, sondern auch der Abneigung der Wähler gegen Boris Rhein?

Das ist mystisch zu erforschen. Was ich erst mal wahrgenommen habe, ist, dass in den klassischen Arbeiterstadtteilen Menschen wieder zur Wahl gegangen sind, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr gewählt haben. Zweitens wissen auch die Wähler, die zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl hinzugekommen sind – von den Grünen, den Piraten, den Flughafenausbaugegnern –, dass ich jemand bin, der zuhört, der ihnen kulturell nicht fremd ist und mit ihren Themen nicht arrogant umgeht.

Sie haben einen kooperativen Stil angekündigt. Planen Sie offizielle Verhandlungen mit CDU und Grünen über ein gemeinsames Programm für die nächsten Jahre?

Jeder Dezernent ist ja in seinem Bereich ein "kleiner König". Meine Aufgabe ist es erst mal, mit jedem einzelnen Dezernenten Gespräche zu führen. Informell beginnt das Ende dieser Woche. Die offiziellen Gespräche werden natürlich erst im Juli erfolgen, weil Frau Roth bis dahin amtiert.

Aber Sie werden auch auf die Parteien zugehen müssen. Was können Sie denn CDU und Grünen konkret anbieten? Alleine können Sie Ihre Ziele nicht umsetzen ...

Es geht ja nicht um Winkelzüge. Der Frankfurter Oberbürgermeister redet mit seinen künftigen Kollegen, weil die Projekte, für die ich stehe, Dinge sind, die alle Magistratsmitglieder interessieren – sei es der Kampf gegen Kinderarmut, die Lebenssituation der älteren Menschen, der Wohnungsbau, Fluglärm oder die Internationalität dieser Stadt. Es geht nicht darum, ob die CDU oder die SPD oder die Grünen dafür sind.
 
Aber im Magistrat sind Sie nur der „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen). Welche Druckmittel haben Sie denn, um Ihre Positionen durchzusetzen? Sie haben ja viele Ziele im Wahlkampf gehabt ...

Selbstverständlich, aber ich gehe erst mal von Kooperationen aus. Die Menschen erwarten ja auch, dass wir zusammenarbeiten. Lassen Sie es uns einfach mal probieren. Wir sind alle Erwachsene, und wer immer den anderen boykottiert, wird sich damit in der Bevölkerung nicht beliebt machen.

Nicht beliebt ist ein gutes Stichwort. Stadtkämmerer Uwe Becker hat sich im Wahlkampf nicht immer sehr positiv über Sie geäußert. Nun ist er als Kämmerer und CDU-Parteichef aber auch ein sehr wichtiger Dezernent – befürchten Sie Konflikte?

Ich habe mich sehr gefreut, dass er heute mehrfach versucht hat, mich anzurufen. Wahlkampf ist Wahlkampf. Es geht nicht darum, dass man das ewig fortsetzt. Das weiß auch Herr Becker. Ich bin ihm gegenüber vollkommen offen.

Wie geht es bei Ihnen weiter in den nächsten Tagen – müssen Sie sich erst mal ausschlafen?

Jetzt hole ich erst mal meine Tochter aus der Kita ab und werde mit ihr einen Nachmittag verbringen. Ich freue mich, dass ich in den kommenden Wochen etwas mehr Zeit für sie habe. Und es wird natürlich noch einen Urlaub geben.

Das Interview führte Karsten Hufer, hr-online
 
Redaktion: kahu / end
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 26.03.2012, 20:22 Uhr
 

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