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OB Wahl 2012
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Kennt beide "Welten" Frankfurts: SPD-Kandidat Peter Feldmann. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Kennt beide "Welten" Frankfurts: SPD-Kandidat Peter Feldmann.

Peter Feldmann (SPD)

"Die Menschen wollen solidarisch sein"

Peter Feldmann glaubt an den sozialen Zusammenhalt und erklärt, wie Kinder den Blick verändern.
 
In einem Eiscafé in Bonames stellt sich Peter Feldmann den Fragen von hr-online – nur einen Steinwurf weiter ist der SPD-Politiker in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen. Und auch heute lebt er noch in dem Stadtteil, dessen Ruf in Frankfurt nicht der beste ist. Doch der Sozialpolitiker kennt auch das Leben im "feinen" Westend. "Sie müssen die Welten kennen, um sie ändern zu können", erklärt der OB-Kandidat.

Glückwunsch, Sie haben die erste Wahl ja schon gewonnen: Ihr parteiinterner Erfolg und auch die hohe Mitgliederbeteiligung war für viele eine Überraschung - für Sie auch?

Ich glaube, das war sowohl für die Partei als auch für die Öffentlichkeit eine Überraschung. Wir dachten, wenn 30 Prozent sich beteiligen, ist es gut. Bei über 50 Prozent haben wir gewusst, da passiert etwas in der Partei. Nicht nur, dass ich die Wahl gewonnen habe, sondern wie, hat mich besonders gefreut.

War die SPD-interne Ausscheidung also sogar ein Vorteil?

Die SPD ist voll engagiert, sie hat "Blut geleckt" und will es wissen. Ich merke, dass die Menschen in der Stadt sich eine Änderung erhoffen. Der Rücktritt von Petra Roth ist eine Zäsur für die Stadt. Und man kennt das aus England: Die vorgesehenen Kronprinzen werden manchmal nicht die Könige ...

Erklären Sie mal unseren Usern: Warum wäre Peter Feldmann der richtige Oberbürgermeister für Frankfurt?

Ich stehe für den sozialen Zusammenhalt in dieser Stadt - verknüpft mit wirtschaftlichem Erfolg. Ich bin in einer Hochhaussiedlung in Bonames groß geworden, wo Menschen sich ausgegrenzt fühlen. Der andere Teil der Familie kam aus dem Westend – ich weiß also auch, wie die andere Seite lebt, die "oberen Zehntausend". Sie müssen die Welten kennen, um sie ändern zu können. Wir sind eine Bürgerstadt und ich möchte das Auseinanderdriften der Bürger stoppen.

Zum Topthema, dem Fluglärm: Sie haben sich an Demonstrationen beteiligt und mit betroffenen Anwohnern gefrühstückt – wie nehmen Sie das Leiden der Menschen wahr?

Ich werde bei einer Familie übernachten. Ich nehme das Leiden sehr ernst, weil es mich erschüttert, wenn ich Kinder mit Augenringen sehe. Es gibt Kinder, die beim Aufwachen so hochschrecken, dass sie sich verletzen.

Sie stehen zum "Jobmotor Flughafen" und fordern im Gegensatz zu vielen ihrer Kontrahenten keine Schließung der neuen Landebahn – ein Nachteil?

Ich weiß, wie wichtig der Flughafen ist. Ich finde es auch schön, dass sich die Welt in Frankfurt trifft, aber die Frage muss erlaubt sein, ob das morgens um 3 Uhr sein muss. Deswegen kämpfe ich auch für eine Ausweitung des absoluten Nachtflugverbots. Acht Stunden Schlaf sind einfach das Minimum für einen Menschen. Die Frage der Landebahn ist für mich nicht entscheidend, sondern die Reduzierung von Lärm. Wir brauchen Lärmobergrenzen. Ich kämpfe gegen zu viel Lärm, nicht gegen Lande- und Autobahnen.

Aber welche Maßnahmen schlagen Sie denn vor?

Flugverkehr verlagern. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum die Anteile an Frankfurt-Hahn verkauft wurden. Auch Kassel-Calden braucht dringend Flugaufkommen. Warum sollte es nicht ein Frankfurt 1, 2 und 3 geben? Dann müssen Gebühren so gestaltet werden, dass es sich lohnt, Frankfurt nur mit leisen Maschinen anzufliegen. Drittens geht es um Gleitflüge und viertens um den Anflugwinkel.

Mittlerweile gibt es auch in Ihrer eigenen Partei andere Ansichten. Die südlichen Ortsverbände haben sich für eine Schließung ausgesprochen. Auf der anderen Seite gab es Gegenwind von Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der ihre "Feldmann-Linie" mit acht Stunden Nachtflugverbot nicht gestützt hat ...

Thorsten Schäfer-Gümbel und ich tauschen uns täglich aus. Wir haben nur in den Randstunden Differenzen. Wer mich wählt, stärkt meine Position sowohl im Land als auch in der eigenen Partei. Insbesondere wenn ich im Aufsichtsrat der Fraport sitze, werde ich dafür werben, dass man meine Position übernimmt.
 
Kinder stehen bei ihm im Mittelpunkt: Plakatmotiv von Peter Feldmann. (Bild: Karsten Hufer/hr-online)
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Kinder stehen bei ihm im Mittelpunkt: Plakatmotiv von Peter Feldmann.
Bei Ihnen stehen vor allem die sozialen Themen im Mittelpunkt ...

Jedes vierte Kind in dieser Stadt ist offiziell arm. Vor diesem Hintergrund halte ich es für skandalös, dass nicht jedes Kind mindestens einmal am Tag ein warmes Essen kriegt sowie kostenfreie Hausaufgabenhilfe bekommt. Diese Stadt ist einfach zu reich für arme Kinder. Das zweite ist die Lebenssituation der Älteren: In den letzten fünf Jahren ist die Altersarmut um 100 Prozent gestiegen. Es war ein Riesenfehler, die Altentreffs abzuschaffen.

Viele Frankfurter sorgen sich um bezahlbaren Wohnraum. Frankfurt wächst immer stärker, der Wohnraum wird immer knapper. Gleichzeitig schnellen die Mieten nach oben. Was kann man dagegen tun?

Die Zahlen sind katastrophal: Wir hatten 1995 noch 53.000 öffentlich geförderte Wohnungen, die Magistratsprognose für Ende des Jahrzehnts sind noch 22.000. Es gibt drei Möglichkeiten, das zu ändern: Erstens die Flächen bebauen, die es noch gibt. Das zweite ist die Frage, wo baut man. Da lautet mein Motto "Bauen mit dem Umland". Es gab schon in den 60ern mit dem Main-Taunus- und Main-Kinzig-Kreis entsprechende Bauvorhaben. Dritte Maßnahme: die Umwandlung von Büroraum. Es braucht aber auch so etwas wie einen Milieuschutz und ein Vorkaufsrecht der Stadt, um bestehende Strukturen zu sichern.
 
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Redaktion: kahu / jaar
Letzte Aktualisierung: 6.03.2012, 17:51 Uhr
 

Peter Feldmann (SPD)

Der 53 Jahre alte Feldmann setzte sich in der SPD-internen Ausscheidung gegen den deutlich bekannteren Michael Paris durch. Der Sozialpolitiker, der dem linken Parteiflügel angehört, wuchs in einer Hochhaussiedlung auf und gründete später einen Verein gegen Kinderarmut. Als OB möchte er das Nachtflugverbot auf acht Stunden ausweiten und ein 100-Millionen-Euro-Programm für bezahlbare Wohnungen in Gang bringen.

Geboren: 7. Oktober 1958 in Helmstedt (Niedersachsen)
Wohnort: Frankfurt-Bonames
Familienstand: ledig, eine Tochter
Berufliche Qualifikation: Diplom-Politologe, Sozialbetriebswirt
Ausgeübte Tätigkeit: Stabsstellenleiter bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt
Politische sowie sonstige Ämter und Funktionen:
- Mitglied der Stadtverordnetenversammlung
- stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD
- Vorstandsmitglied verschiedener karitativer Organisationen (z.B. Werkstatt Frankfurt, Frankfurter Verband)
 

Das mag ich an den Frankfurtern besonders:
Dass sie Nähe zulassen und unglaublich tolerant sind, das ist wirklich ein Spezifikum.

Mein Lieblingsort in Frankfurt:
Das Tower-Café an der Nidda auf dem alten Flugplatz in Bonames, denn es zeigt, dass Umwelt und ein Sozialprojekt wunderbar zusammenpassen.

Wenn ich nicht Politik mache ...
... dann spiele ich mit meiner Tochter Hannah, fahre Motorrad und bin ein begeisterter Feuilleton-Leser.
 

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