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OB Wahl 2012
Neuer OB von Frankfurt: Peter Feldmann. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Neuer OB von Frankfurt: Peter Feldmann.
25.03.2012

Feldmann im Porträt

Mit langem Anlauf in den Römer

Ein Lautsprecher ist er nicht: Peter Feldmann ist eher ein Mann der leisen Töne und setzt stattdessen auf sanfte Hartnäckigkeit. Dabei geht der 53-Jährige auch bis an seine Grenzen.
 
Von Karsten Hufer, hr-online

Peter wer? So dürften viele Frankfurter reagiert haben, als sie erstmals von dem SPD-Kandidaten Peter Feldmann gehört haben. Dabei ist der neuer Frankfurter Römer-Chef seit 23 Jahren im Stadtparlament aktiv und ist stellvertretender Fraktionschef seiner Partei. Doch selbst parteiintern musste Feldmann für den OB-Posten erst mal einen langen Anlauf nehmen und sich in einer Urabstimmung gegen den weitaus prominenteren Michael Paris durchsetzen.

Dass man Feldmann schnell unterschätzt, liegt sicher auch an seiner Art. Er redet leise, wiegt jeden Satz extra ab und wirkt dabei immer sehr ernsthaft. Im Gegensatz zu seinem Hauptkonkurrenten Boris Rhein fehlt dem 53-Jährigen die Redegewandtheit und das Mitreißende. Im Wahlkampf legte er stattdessen viel Wert auf den direkten Kontakt zu den Wählern und absolvierte in den vergangenen Wochen tausende von Hausbesuchen. Seine Ziele versucht er mit sanfter Hartnäckigkeit durchzusetzen. Dabei wirkt Feldmann, der im Wahlkampf an seine körperlichen Grenzen ging und fast seine Stimme einbüßte, immer authentisch.
 

Peter Feldmann: Sozialpolitiker durch und durch 

 
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Soziale Gerechtigkeit statt Fluglärm

Mit Leib und Seele hat er sich dem Sozialen verschrieben – beruflich wie politisch. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft arbeitete Feldmann als Leiter eines Jugendzentrums und eines Altenwohnheims in Darmstadt. Zurzeit ist er Stabsstellenleiter bei der Arbeiterwohlfahrt. Während viele seiner OB-Kontrahenten auf das Thema Fluglärm setzten, stand bei Feldmann im Wahlkampf die Soziale Gerechtigkeit im Vordergrund. Er will Kindern ein warmes Mittagessen garantieren, bezahlbaren Wohnraum schaffen und die Teilhabe älterer Menschen verbessern.

Der im niedersächsischen Helmstedt geborene Feldmann wuchs in Frankfurt-Bonames auf, einem Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt. Noch heute wohnt der Vater einer zweijährigen Tochter dort, wenn auch nicht mehr in einer Hochhaussiedlung, sondern in einem Reihenhaus. Feldmann kennt nach eigenen Angaben aber auch die glitzernde, die wohlhabende Seite Frankfurts, da ein anderer Teil seiner Familie aus dem feinen Westend stammt. "Sie müssen die Welten kennen, um sie ändern zu können", sagte er im hr-online-Interview.
 

Religion bleibt im Hintergrund

Aus seiner Herkunft erklärt er sich auch das frühe politische Interesse. "Ich habe es nie ertragen, dass die Armen arm und die Reichen reich sind", so Feldmann, der bereits mit neun Jahren in die Sozialistische Jugend eintrat. Später wurde er Mitglied der Jusos, während seines Studiums in Marburg war er AStA-Vorsitzender. 2007 gründete er den Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokraten. Dass er selbst Jude ist, verheimlicht Feldmann nicht, hat es im Wahlkampf aber auch nie zu einem Thema gemacht – nur bei einer Sache wird es erkennbar: "Meine Härte in Sachen NPD-Verbot erklärt sich sicherlich vor diesem Hintergrund", erklärt er.

Im Wahlkampf legte Feldmann immer Wert auf einen fairen Umgang. Als aus dem Umfeld der CDU Gerüchte an seinem Werdegang und Zweifel an seinem Arbeitseifer gestreut wurden, wollte er sich nicht an dieser "Dreckschleuderei", wie er selbst sagte, beteiligen. Kein Wort auch zur Trennung von seiner Lebensgefährtin, die eine Boulevardzeitung mitten in der heißen Wahlkampfphase publik machte.
 

Licht im Römer soll lange anbleiben

Dass er als OB nun mit einem schwarz-grünen Magistrat regieren muss, ist für Feldmann, der angekündigt hat, auch das Wirtschaftsdezernat zu übernehmen, kein Problem. Schließlich hätten Petra Roth und Bertram Hilgen in Kassel ebenfalls so angefangen. Feldmann hat immer wieder betont, ein arbeitender OB sein zu wollen. "Wer mich wählt, kriegt einen Oberbürgermeister, der weniger bei Bällen und Empfängen zu sehen ist. Dafür wird das Licht im Rathaus öfter mal sehr lange an sein", sagte er im TV-Duell im hr-fernsehen. Daran werden ihn die Bürger in den nächsten sechs Jahren messen.
 
Redaktion: kahu
Letzte Aktualisierung: 25.03.2012, 19:38 Uhr
 

Peter Feldmann (SPD)

Der 53 Jahre alte Feldmann setzte sich in der SPD-internen Ausscheidung gegen den deutlich bekannteren Michael Paris durch. Der Sozialpolitiker, der dem linken Parteiflügel angehört, wuchs in einer Hochhaussiedlung auf und gründete später einen Verein gegen Kinderarmut. Als OB möchte er das Nachtflugverbot auf acht Stunden ausweiten und ein 100-Millionen-Euro-Programm für bezahlbare Wohnungen in Gang bringen.

Geboren: 7. Oktober 1958 in Helmstedt (Niedersachsen)
Wohnort: Frankfurt-Bonames
Familienstand: ledig, eine Tochter
Berufliche Qualifikation: Diplom-Politologe, Sozialbetriebswirt
Ausgeübte Tätigkeit: Stabsstellenleiter bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt
Politische sowie sonstige Ämter und Funktionen:
- Mitglied der Stadtverordnetenversammlung
- stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD
- Vorstandsmitglied verschiedener karitativer Organisationen (z.B. Werkstatt Frankfurt, Frankfurter Verband)
 

Das mag ich an den Frankfurtern besonders:
Dass sie Nähe zulassen und unglaublich tolerant sind, das ist wirklich ein Spezifikum.

Mein Lieblingsort in Frankfurt:
Das Tower-Café an der Nidda auf dem alten Flugplatz in Bonames, denn es zeigt, dass Umwelt und ein Sozialprojekt wunderbar zusammenpassen.

Wenn ich nicht Politik mache ...
... dann spiele ich mit meiner Tochter Hannah, fahre Motorrad und bin ein begeisterter Feuilleton-Leser.
 

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