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Kalendergeschichten: Wie das Abendland seine Zeitrechnung an den Sonnenlauf anpasste

Die Emaille-Miniatur zeigt den römischen Staatsmann und Feldherrn Julius Cäsar. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Die Emaille-Miniatur zeigt den römischen Staatsmann und Feldherrn Julius Cäsar.
Ein Jahr ist für die Christenheit jene Zeitspanne, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umrunden. Daran sind wir gewöhnt, aber man kann das Jahr auch anders definieren.
 

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29.02.2012, 8:40 Uhr

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Im Islam ist der Mond der Herr über die Zeit, wie es in der 9. Sure des Korans heißt. Ein Monat ist im muslimischen Kalender deswegen so lang wie der Mond für seinen Zyklus braucht – 29 oder 30 Tage – und ein Jahr mit 12 Monaten dauert folglich 354 Tage. Daraus ergibt sich also eine Differenz von etwa zehn Tagen zu einem Sonnenjahr. Diese Differenz führt dazu, dass islamische Feiertage rückwärts durch das Sonnenjahr hindurch wandern.

Die Christen haben den Sonnenkalender von den Römern übernommen, genauer gesagt von Julius Cäsar. Denn bevor Cäsar den römischen Kalender in Ordnung brachte, herrschte im republikanischen Rom ein gewaltiges Chaos in der Zeitrechnung. Die Abweichung vom Sonnenlauf betrug zeitweise bis zu 90 Tage.
 
Um eine Anpassung zu erreichen, verlängerte Cäsar das Jahr vor der Reform um die Differenz zwischen Sonnenstand und Kalenderdatum, das heißt, das Jahr vor seiner Kalenderreform bekam eine Länge von fast 450 Tagen. Das klingt zunächst einmal nicht sonderlich spektakulär und wie ein eher technischer Moment. Das Spektakuläre daran ist die Tatsache, dass die römischen Beamten nicht Monats- und nicht Tages-, sondern Jahresgehälter bekamen und plötzlich mit einem Jahresgehalt nicht nur 365, sondern 445 Tage leben mussten. Man stelle sich vor, was in unserem öffentlichen Dienst los wäre, wenn ihm verordnet würde, mit einem Jahresgehalt diesmal nicht zwölf, sondern fünfzehn Monate lang auszukommen!
 

Ohne Schalttage geriete wieder alles durcheinander

Damit der Kalender in Zukunft nicht wieder in Unordnung geriete, führte Cäsar eine einfache Regel ein: Alle vier Jahre sollte das Jahr um einen Schalttag verlängert werden. Um die Notwendigkeit von Schalttagen zu verstehen, muss man etwas Astronomie betreiben. Die Länge eines Jahres geht leider nicht glatt in einer vollen Anzahl von Tagen auf. Bis die Erde wieder dieselbe Position beim Lauf um die Sonne erreicht, dauert es nicht 365 Tage, sondern 365 und fast noch einen Viertel Tag. Deswegen konnte Julius Cäsar alle vier Jahre die vier Viertel Tage zusammennehmen und als Schalttag einsetzen. Dieser Kalender heißt ihm zu Ehren der julianische Kalender, und er selbst hat sich außerdem mit dem Monatsnamen Juli verewigt. Dies nicht ganz zu Unrecht, denn der julianische Kalender hat ab dem Jahr 46 vor Christus und das gesamte Mittelalter hindurch seinen Dienst getan.
 

Papst Gregor XIII gibt dem julianischen Kalender den letzten Schliff

Doch auch der Julianische Kalender war noch nicht exakt genug und lieferte über die Jahrhunderte hinweg deutliche Differenzen. Das nächste Mal wurde der Kalender daher auf dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 nach Christus in Ordnung gebracht. Um den inzwischen aufgelaufenen Fehler zu korrigieren, wurde die Frühlingssonnenwende vom 25. auf den 21. März zurückgenommen.

Dann wurde es zumindest in Bezug auf die Astronomie dunkel im christlichen Europa. Als wieder halbwegs ein Kenntnisniveau erreicht war, das mit der Antike vergleichbar war, war das Mittelalter schon vorüber und in Rom herrschte Papst Gregor XIII. Er war astronomisch interessiert und kompetent, und er tat das, was man heutzutage auch gerne tut, wenn man ein Problem lösen will: Man setzt eine Kommission ein. Die Kommission, die er einsetzte, war zusammengesetzt aus wirklich erstklassigen Astronomen. Sie war allerdings natürlich auch zusammengesetzt aus Wissenschaftlern, die dem katholischen Glauben anhingen.

Zunächst einmal musste, wie schon unter Julius Cäsar, der Kalender in Ordnung gebracht werden. Dieser hatte allerdings den Kalender noch um die fehlenden Tage aufstocken müssen. Diesmal bestand umgekehrt das Problem darin, dass zehn Tage zu viel aufgelaufen waren. Papst Gregor XIII. verfügte deshalb, aus dem Jahr 1582 zehn Tage zu streichen.
 

Auch die Protestanten stellten letztlich um

Man hat vom 4. Oktober auf den 15. Oktober den Kalender weiterspringen lassen. Nun hätte das alleine nicht ausgereicht, weil man wusste, dass aus der julianischen Kalenderreform ein guter aber eben nicht optimaler Kalender hervorgegangen war, der in weiteren 126 Jahren, wenn man dieses System fortgesetzt hätte, wieder zu denselben Abweichungen geführt hätte. Also wurde zusätzlich ein weiteres Element der Kalenderreform eingeführt. Die Zahl der Schaltjahre wurde vermindert, indem innerhalb von 400 Jahren drei Schaltjahre ausfallen sollen.

Die Regel lautete ja ursprünglich, dass jede Jahreszahl, die sich durch vier teilen lässt, ein Schaltjahr anzeigt. Das Jahr 1600 war demnach also ein Schaltjahr. Die Jahre 1700, 1800 und 1900 hätten ebenfalls Schaltjahre sein müssen, aber nach der gregorianischen Reform fiel in ihnen der 29. Februar aus; 2000 war wieder ein Schaltjahr; im Jahre 2100 wird der 29. Februar dagegen wieder ausfallen. Die von Papst Gregor XIII. eingesetzte Kommission hatte eine optimale Lösung gefunden. Die neue Regel war und ist leicht zu handhaben, und der immer noch vorhandene Fehler ist jetzt so klein, dass dieser Fehler erst in über 3000 Jahren wieder zu einem ganzen Tag aufgelaufen sein wird.

Ein Problem gab es aber doch: Da dieser Kalender von Katholiken erfunden wurde, akzeptierten die Protestanten ihn nicht. Nach der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. lebten also Protestanten und Katholiken mit einem je eigenen Kalender, die um zehn Tage gegeneinander versetzt waren und zwar über ein Jahrhundert lang.

Um das auszugleichen, folgte in den protestantischen Ländern Deutschlands im Jahre 1700 auf den 18. Februar unmittelbar der 1. März. Die ebenfalls protestantischen Länder Schweden und England gingen erst 1752 zum neuen Kalender über.

Von Utz Thimm
Manuskript-Nr. 08-033
 
Redaktion: kim
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 2.03.2012, 10:08 Uhr
 
 

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