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Hitlers Weg zur absoluten Macht – Der "Röhm-Putsch"

Kurt Daluege, Heinrich Himmler, Ernst Röhm (v.l.n.r.)   (Bild: Wikimedia Commons / Bundesarchiv)
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Kurt Daluege, Heinrich Himmler, Ernst Röhm (v.l.n.r.)
Es gab im Sommer 1934 keine Putschpläne Ernst Röhms oder anderer Funktionäre der SA, die damals vier Millionen Köpfe stark und in Teilen „sozialistisch“ orientiert war. Röhm kurierte sein Rheuma in Bad Wiessee, als Hitler in den frühen Morgenstunden des 30. Juni persönlich in sein Schlafzimmer trat: "Röhm, Du bist verhaftet!".
 

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30.06.2009, 8:30 Uhr

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Die Straße war das angestammte Revier der SA, Tummelplatz für zackige Aufmärsche ebenso wie Austragungsort handfester Schlägereien mit politischen Gegnern. Damit hatte die uniformierte "Sturm-Abteilung" der NS-Bewegung in den letzten Jahren der Weimarer Republik politische Gegner eingeschüchtert und Hitler den Weg zur Macht geebnet. SA-Chef Ernst Röhm zeigt sich in einer Rede vom September 1933 als selbstbewusste Führerfigur der Bewegung neben Hitler: "Die SA ist das scharfe Schwert der deutschen Revolution. Der SA-Mann ist der Träger der Revolution, er ist auch ihr Wahrer und Vollender."
 

Röhms fixe Idee

Zitat

"Es gibt im Staate nur einen Waffenträger - die Wehrmacht. Und nur einen Träger des politischen Willens: Dies ist die nationalsozialistische Partei."

Adolf Hitler, Juli 1934

Dass die nationalsozialistische Revolution noch nicht vollendet sei, trotz der im Sommer 1933 erreichten weitgehenden Alleinherrschaft der NSDAP, ist Röhms fixe Idee. Die SA ist aus Sicht der Parteiführung keine Stütze mehr, sondern zunehmend ein Störfaktor. Unter den hunderttausenden von Männern, die die SA zählt, sind viele arbeitslos, enttäuscht und ungeduldig.

Röhms Traum ist die Verschmelzung des deutschen Heeres mit der SA zu einer Art Volksmiliz unter seiner Leitung. Eine Vision, die ihn vollends in Gegensatz zu Hitler bringt. Denn der benötigt für sein Ziel einer raschen Aufrüstung keine Landsknechts-Typen wie Röhm, sondern das Fachwissen von Berufsoffizieren. Außerdem: Über die Unversehrtheit der Reichswehr wacht der greise Reichspräsident von Hindenburg; ihn zu verärgern kann Hitler nicht riskieren.
 

Hitler will sich die Konkurrenz vom Hals schaffen

Seit Frühjahr 1934 häufen sich die Anzeichen für Spannungen zwischen Reichswehr und SA-Einheiten. Auch mehrere persönliche Aussprachen, die zwischen den alten Kampfgefährten und Duzfreunden Röhm und Hitler stattfinden, können das frühere Vertrauen nicht wiederherstellen.

Im Laufe des Juni 1934 entwickelt Hitler einen Plan, sich seines Konkurrenten zu entledigen. Er schickt eine ominöse Warnung voraus; ausgesprochen wird sie von seinem engsten Vertrauten Rudolf Heß in einer Rundfunkrede am 25. Juni 1934: "Zu einer besonderen Vorsicht möchte ich jene idealistischen Leichtgläubigen unter meinen Parteigenossen mahnen, die manchmal in der Erinnerung an den Heroismus und die herrliche Kameradschaft in den Kampfzeiten der Bewegung dazu neigen, sich Provokateuren zuzuwenden, die Volksgenossen gegeneinander zu hetzen versuchen und dieses verbrecherische Spiel mit dem Ehrennamen einer "zweiten Revolution" bemänteln."
 

Hitler schlägt zu

Der Schlag erfolgt am 30. Juni 1934 und richtet sich zunächst gegen die SA-Spitze. Auf Anweisung von Hitler hat sich eine Anzahl höchster SA-Führer für eine Besprechung mit ihm, nichts Böses ahnend, in einem Hotel im oberbayerischen Bad Wiessee eingefunden, wo Ernst Röhm ein Rheumaleiden auskuriert. Doch Hitler erscheint früher als erwartet, morgens gegen fünf Uhr, und mit ihm kommt eine lange Autokolonne bewaffneter SS-Leute und Polizeibeamter.

Hitlers Fahrer Erich Kampka erinnert sich nach 1945: Mit der Peitsche in der Hand betrat Hitler allein das Schlafzimmer Röhms, hinter sich zwei Kriminalbeamte mit entsicherter Pistole. Er stieß die Worte hervor: "Röhm, du bist verhaftet!" Verschlafen blickte Röhm aus den Kissen seines Bettes und stammelte: "Heil, mein Führer!" "Du bist verhaftet!", brüllte Hitler zum zweiten Male, wandte sich um und ging aus dem Zimmer.

Verhaftet werden an diesem Morgen ebenso Röhms Gefolgsleute, die im Hotel nächtigen. Ein SA-Obergruppenführer wird dabei mit einem jungen Mann im Bett überrascht. Das erleichtert es dem NS-Regime, die Aktion vom 30. Juni 1934 hinterher als einen Akt moralischer Selbstreinigung der Bewegung darzustellen. Aber die homosexuellen Neigungen hoher SA-Führer, Röhm inbegriffen, sind lange zuvor bekannt gewesen und von Hitler geduldet worden.
 

Hitler hat die absolute Macht errungen

Der Mord an über 100 SA-Funktionären und konservativen Politikern wie dem früheren Reichskanzler von Schleicher diente Hitler dazu, die NSDAP-Organisation und den Staat noch rigider „gleichzuschalten" und alle Macht im Staate auf seine Person, den „Führer und Reichskanzler“ zu konzentrieren.

"In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr!"

Der Selbstüberhebung, die aus diesen Worten Adolf Hitlers spricht, entsprach die machtpolitische Realität nach dem 30. Juni 1934. Mit der Liquidierung von Ernst Röhm schaffte sich Hitler den einzigen ernst zu nehmenden parteiinternen Rivalen um die Macht vom Leibe. Dessen Machtbasis, die SA, führte fortan ein politisches Schattendasein unter willfähriger neuer Führung. Die Reichswehr war dankbar für die Degradierung der Konkurrenzorganisation; darüber nahm sie sogar die Ermordung ihres früheren Wehrministers General von Schleicher hin.
 

SS wurde für ihre "Dienste" belohnt

Kein Widerstand von ihrer Seite behinderte denn auch bei Hindenburgs Tod am 2. August 1934 ein neues Gesetz, das die Nachfolge des Reichspräsidenten Reichskanzler Hitler zusprach. Damit hatte ein Mann die absolute Macht errungen, der erst wenige Wochen zuvor gezeigt hatte, zu welcher Brutalität er fähig war; ein Mann, der buchstäblich über Leichen ging. Seine getreuesten Helfer von der SS – die bislang der SA angegliedert waren – wurden für ihre blutigen Dienste belohnt: Hitler verfügte am 20. Juli 1934: "Im Hinblick auf die großen Verdienste der SS, besonders im Zusammenhang mit den Ereignissen des 30. Juni 1934, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der NSDAP."

Mit den Juni-Morden vor 75 Jahren zeigten Hitler und die SS jene Brutalität, mit der sie das "Dritte Reich" und Europa in die Katastrophe stürzen sollten.

Von Matthias Spindler
Manuskript-Nr. 09-074
 
Redaktion: kim / besi
Bild: © Wikimedia Commons / Bundesarchiv
Letzte Aktualisierung: 6.07.2009, 14:46 Uhr
 
 

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