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Sorbit - ein weißes Pulver (Bild:  colourbox.de)

Zuckeraustauschstoff in Lebensmitteln

Macht Sorbit krank?

Sorbit kommt natürlich in vielen unserer heimischen Früchte vor. Aber auch als künstlich hergestelltes Süßungsmittel verwendet es die Nahrungsmittelindustrie. Doch längst nicht jeder verträgt Sorbit.
 

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25.07.2012, 21:00 Uhr
Kritisch wird es, wenn wir zu viel von dem Zuckeraustauschstoff aufnehmen, denn er wirkt abführend und kann Magen-Darm-Krämpfe, Blähungen und Durchfall auslösen.
 

Nahrungsunverträglichkeit

Genüsslich und viel essen, das liebt Albert H. aus Pfungstadt. Doch sein Darm macht ihm seit vielen Jahren Ärger. Seit kurzem hat er starke Beschwerden: "Das fängt eigentlich damit an, dass es im oberen Magenbereich wie brennt. Und dann krampfen die Därme zusammen und ich bekomm extreme Blähungen, was ich ohne weiteres verkraften könnte, aber dann muss ich ganz schnell auf die Toilette und das drei, viermal hintereinander."

Weil er sich das alles nicht erklären konnte, ging Albert H. zu seinem Arzt nach Darmstadt,
Der Internist und Gastroenterologe Gerald Poschmann machte bei Albert H. eine Magen- und Darmspiegelung, fand aber nichts.
 
Nun vermutet der Arzt bei ihm eine Lebensmittel- unverträglichkeit: "Der Blähbauch ist ein sehr häufig vorkommendes Beschwerdebild bei Patienten und zu den häufigsten Ursachen gehören Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Lebensmittelallergien und bakterielle Infektionen wie der Magenkeim, der Heliobakter. Aber die häufigste Ursache hier in meiner Praxis ist die Nahrungsunverträglichkeit mit Sorbit."

 

Aber was genau ist Sorbit?

Es schmeckt süß, ist aber kein Zucker, sondern ein natürliches Abbauprodukt von Trauben- und Fruchtzucker vieler Früchte.
 
Wo steckt es drin?

Vor allem in Kern- und Steinobst steckt viel Sorbit: besonders in frischen Birnen und Pflaumen, etwas weniger in Äpfeln und Weintrauben, noch konzentrierter in Trockenfrüchten, vor allem in Backpflaumen, Rosinen und Aprikosen - aber auch in allen Lebensmitteln, die diese Früchte enthalten, wie der entsprechende Obstsaft, die Marmelade und das Müsli.

Sorbit wird auch künstlich hergestellt und vielen industriellen Produkten zugesetzt. Als Zusatzstoff "E 420" ist es in der EU ohne Höchstmengenbeschränkung zugelassen, z.B. :
als Süßungsmittel in Diabetiker-Produkten. Die Vorteile: für seinen Abbau im Körper wird kein Insulin benötigt und es hat nur halb soviel Kalorien wie Zucker.

So landet Sorbit auch in "zuckerfreien" Bonbons und Kaugummis. Es süßt, löst aber keine Karies aus! Für die Industrie ein Vorteil: Sorbit zieht Wasser an und ist daher ein ideales Feuchthaltemittel für Dauerbackwaren.
 
Albert H. isst gerne Süßes, liegt es am Sorbit, dass er solche Darmprobleme hat? Gerald Poschmann will das testen: Dafür muss Albert H. eine Lösung mit Sorbit trinken und anschließend mehrmals in 30 Minuten-Abständen in ein Messgerät ausatmen.

Der Arzt erklärt: "Die täglich verträgliche Menge für die Mehrzahl aller Menschen liegt etwa bei 15 bis 25 Gramm. Bei Menschen, die eine Unverträglichkeit haben, sind es aber schon viel kleinere Mengen, die zu Beschwerden führen können. Solche Beschwerden äußern sich in einer vermehrten Luftbildung im Bauch, in Blähungen, wie wir das nennen und natürlich auch im Auftreten von Durchfall."
 

Vom Magen in den Dünndarm

Grafik Mensch (Bild: )
Bei einer Unverträglichkeit wandert Sorbit in den Dickdarm.
Essen wir ein Lebensmittel mit Sorbit gelangt es – wie bei jeder anderen Nahrung auch - vom Magen in den Dünndarm. Dort wird es vom Körper aufgenommen, über spezielle Enzyme in der Darmwand. Sie fangen die Sorbit-Moleküle auf und transportieren sie durch die Darmwand hindurch ins Blut.

Essen wir zuviel Sorbit, reichen die Enzyme nicht aus, um es komplett ins Blut zu befördern. Haben wir eine Sorbit-Unverträglichkeit, fehlen uns diese Enzyme oder es sind zu wenige davon vorhanden.

Die Folge: Das Sorbit wandert in den Dickdarm und wird bakteriell zersetzt. Dabei entstehen Gase, die zu Blähungen und Bauchschmerzen führen. Durchfall entsteht, weil Sorbit im Dickdarm den Stuhl verflüssigt.
 

Das Testergebnis

Albert H. hat 30 Minuten gewartet: Der Atemtest wird zeigen, ob sich in seinem Dickdarm bereits Gase gebildet haben. Der Wert ist in Ordnung, aber drei Runden hat er noch vor sich. Wird er die maximal empfohlene Tagesdosis vertragen?

Die summiert sich im Alltag schnell: zum Beispiel mit einer Birne, 2 Gläsern Apfelsaft, 50 Gramm Backpflaumen, einer Portion Pfirsichmarmelade, 3 zuckerfreien Kaugummis und der ein oder anderen Süßigkeit.

Muss Albert H. auf all das in Zukunft verzichten? Zum letzten Mal atmet er in das Testgerät. Was wird es diesmal anzeigen? Der Wert schnellt hoch auf 58. Der maximale Normwert liegt bei 20. Albert H. hat eine Sorbitunverträglichkeit.
 
Der Arzt erklärt: "Es gibt genetische Ursachen, aber am häufigsten ist es, dass es nach einem Infekt, z.B. nach einer Magen-Darmgrippe, auftritt. Machen kann man leider nichts dagegen, es gibt keine Tablette, die Ihnen Ihre Beschwerden wegnehmen kann. Was Sie tun können: Informieren Sie sich, wo Sorbit vorkommt."

Auch der Blick auf die Zutatenliste sorgt vor: wenn besonders viel Sorbit und andere Zuckeraustauschstoffe enthalten sind, wird darauf hingewiesen – allerdings ziemlich klein. Und es gibt auch Alternativen ganz ohne Sorbit wie Südfrüchte, Honig und selbstgemachter Kuchen. Die kann Albert H. immer noch in vollen Zügen genießen.
 

Kontakte:

Dr. med. Gerald Poschmann
Internist und Gastroenterologe
Rheinstr. 44-46
64283 Darmstadt

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel.: 0228 3776-643
Fax: 0228 3776-78643
Homepage www.dge.de
 
Redaktion: anma / maho
Letzte Aktualisierung: 27.07.2012, 14:26 Uhr
 
 

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