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Paar im Bett, Mann schnarcht, Frau hält sich die Ohren zu. (Bild:  colourbox.de)

Nächtliche Aussetzer

Todesgefahr Schnarchen?

Statistisch gesehen braucht jeder Deutsche durchschnittlich 7 Stunden und 14 Minuten Schlaf pro Nacht. Doch es gibt Fälle, bei denen sich auch nach 12 oder sogar 14 Stunden Schlaf keine Erholung einstellt.
 

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12.10.2011, 21:00 Uhr
Diese Menschen sind immer Müde, fühlen sich völlig gerädert und leiden oft an Herz- und Kreislauf-Problemen. Grund hierfür kann eine gefährliche Erkrankung sein: Die sogenannte Schlafapnoe.

Wenn Otmar Möller schläft, setzt immer wieder seine Atmung aus. Mehrmals pro Nacht. Doch davon bemerkt er jahrelang nichts. Das er schnarcht weiss er. Deshalb ist seine Frau bereits vor Jahren aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen. So bemerkt niemand die lebensbedrohliche Krankheit.

Es wird über zehn Jahre dauern, bis er endlich erfahren wird, warum sein Leben durch extreme Müdigkeit und Energielosigkeit geprägt ist. Denn jahrzehntelang hat er keine Ahnung, dass er an einer weit verbreiteten Krankheit leidet – Schlafapnoe.
 
Einfach für alle. Der Rundfunkbeitrag.
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Geschätzt jeder Zehnte hat Schlafapnoe

Beim Schlafen erschlaffen Muskeln im Rachenbereich. Die Luftröhre wird blockiert. Die Atmung setzt aus. Oft hunderte Male pro Nacht. Lebenswichtige Organe, wie etwa das Gehirn bekommen zu wenig Sauerstoff. Das Herz versucht die Unterversorgung auszugleichen. Der Körper kämpft ständig um das überleben. Das bedeutet Dauerstress für den Organismus.

Otmar Möller ist deshalb immer Müde. Schon seit Jahren. Denn in der Nacht kann er sich nicht erholen. Doch im Oktober 1992, Otmar Möller ist da gerade mal 44 Jahre alt, kostet ihn die Krankheit fast das Leben.

Das Ehepaar Möller kommt aus einem Schwarzwaldurlaub und will zurück nach Kassel. Herr Möller berichtet bei Alles Wissen: "Ich war ständig Müde. Bei Urlaubsreisen musste ich bereits nach einer Stunde Fahrt das erste mal auf den Parkplatz fahren und für eine Viertelstunde ein Nickerchen machen, weil ich eben vor Müdigkeit fast eingeschlafen wäre."
 

"Hätten wir nicht gehalten, wären wir nicht mehr am Leben"

Auch an diesem Tag meldet sich die gewohnte Müdigkeit. Das Paar macht an einem Rastplatz halt. Doch etwas ist heute anders. Otmar Müller fühlt sich zunehmend unwohl. "Hätten wir damals nicht angehalten, wären wir wahrscheinlich heute nicht mehr am Leben" erzählt Frau Möller vom diesem "schrecklichsten Tag" in ihrem Leben.

Ganz plötzlich wird ihrem Mann schwarz vor Augen. Frau Möller reagiert geistesgegenwärtig und kann ihn gerade noch zurück auf den Fahrersitz bugsieren. Während Otmar Möller das Bewußtsein verliert, schnallt sie ihn fest, damit er nicht umkippt, dann holt sie Hilfe.

Als die Retter eintreffen ist Otmar Möller immer noch ohnmächtig. Alles deutet auf das Schlimmste hin. Einen Herzstillstand. Doch zum Glück wacht er wieder auf. "Das war eine ganz schlimme Situation für mich, weil ich gedacht habe, er wäre tot," schildert Frau Möller die Situation.

Herr Möller kommt ins nächste Krankenhaus, dort wird er drei Stunden lang untersucht. Doch alle Untersuchungen bleiben ohne Ergebnis. Man steht vor einem Rätsel: "Das war schon komisch, dass sie nichts gefunden haben. Schließlich musste es (der Herzstillstand) doch irgend eine Ursache gehabt haben," wundert sich Otmar Möller noch heute.

Weil die Ärzte im Krankenhaus nichts finden, setzen Möllers auf eigene Verantwortung die Reise fort. Zwar setzt sich Otmar Möller nicht mehr selbst ans Steuer, trotzdem wird das Paar nicht weit kommen. "In der Nähe von Würzburg wurde mir wieder übel. (…) Da bin ich ausgestiegen, und in dem Moment krachte ich auch zusammen, (…) und ich weiß nichts mehr. Und dann kam auch gleich der Notarztwagen, der zu Hilfe gerufen wurde und vielleicht Minuten später der Notarzt mit dem Hubschrauber."

 

Es ist wie verhext, als die Retter eintreffen, sind die Beschwerden weg.

Der Notarzt kann einfach nichts feststellen. Herr Möller weiß nicht mehr, was er denken soll. Er befürchtet, man halte ihn für einen Simulanten. Der Notarzt rät ihm, sich zu Hause gründlich durchchecken zu lassen.

Zurück in Kassel folgt er diesem Rat und geht ins Krankenhaus, lässt viele Untersuchungen über sich ergehen. Doch auch hier zeigt sich kein klares Krankheitsbild.

Um weitere Herzstillstände zu verhindern setzt man ihm trotzdem einen Herzschrittmacher ein. "Diesen Herzschrittmacher hätte ich vielleicht gar nicht gebraucht, wenn man die Ursache, der Schlafapnoe, unter der ich leide, damals schon festgestellte hätte," sagt er heute.

Ohnmacht und Herzstillstand bleiben nun zwar aus, doch besser fühlt er sich trotzdem nicht. Der Herzschrittmacher ändert nichts an der zehrenden Dauermüdigkeit. Der Alltag fällt Otmar Möller zunehmend schwerer. Immer häufiger ist er zu Pausen gezwungen. Zusätzlich bekommt er jetzt einen massiven Bluthochdruck.

Abermals sucht er Hilfe in der Klinik. Und endlich haben die Ärzte einen Verdacht. Sie vermuten nächtliche Atemaussetzer hinter den Beschwerden und dokumentieren diesen Verdacht auch in einem Klinikbericht. Sogar die Diagnose "Schlafapnoe" taucht darin auf.

Doch, es ist kaum zu glauben, Otmar Möller erfährt nichts davon. Denn diese für ihn so wichtige Information wird im Klinikbericht an den Hausarzt geschickt. Doch als der Hausarzt den Bericht mit ihm bespricht, fällt kein Wort über die vermutete Schlafapnoe.
 

Auf die richtige Spur bringt ihn erst seine Frau

 (Bild:  hr)
Gegen die schwere Schlafapnoe wird eine Atemmaske angefertigt.
2000 entdeckt sie in einer Zeitschrift einen Artikel und drängt ihren Mann dazu, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen. über zehn Jahre Leidensweg sind seit jenem schicksalhaften Tag vergangen. Dem Tag als Otmar Möllers Herz still stand, wohl weil es der extremen Belastung durch permanenten Sauerstoffmangel nicht mehr gewachsen war.

Otmar Möller hat bereits starke Depressionen und greift nach jedem Strohhalm. Er will endlich wissen, was mit ihm los ist. Zwei Tage, nachdem seine Frau ihm von ihrer Idee erzählt, es doch einmal mit einem Schlaflabor zu versuchen, hat er einen Termin. Die Schlafmediziner messen alles ganz genau. Der fehlende Tiefschlaf hat über die Jahre Spuren hinterlassen.

"Sein Gesamtzustand war zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und Behandlungsbeginn sehr sehr schlecht," erzählt uns der Schlafmediziner Prof. Konermann der Otmar Möllers Fall genau kennt. Doch die Untersuchung im Schlaflabor bringt endlich Gewissheit. Hunderte von Atemaussetzern jede Nacht. Der akute Sauerstoffmangel macht Otmar Möller zu schaffen.

Doch ihm kann geholfen werden. Gegen die schwere Schlafapnoe wird eine Atemmaske angefertigt. Ein permanenter Luftstrom verhindert den Verschluss der Luftröhre. Auch das Schnarchen ist jetzt weg. Ein neues Leben ist das, mehr kann ich dazu nicht sagen. Früher hab ich zehn bis zwölft Stunden geschlafen und war trotzdem schlagkaputt, war nicht ansprechbar, war mürrisch, und heute steh ich auf und bin gleich von der ersten Sekunde an fit für s Leben."

Jetzt schläft er immer mit Atemgerät. Für ihn ist es das geringere Übel, denn seine Beschwerden sind endlich weg.

Heute schläft er nur noch 6 bis 7, statt 10 bis 12 Stunden und fühlt sich voll ausgeschlafen. Sein neu gewonnenes Leben setzt er nun dafür ein, anderen Erkrankten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Otmar Möller leitet heute die Kasseler Sebsthilfegruppe für Schlafapnoeiker.
 
Autor: Wolfgang Zündel
 
Redaktion: anma / kim
Letzte Aktualisierung: 3.11.2011, 12:44 Uhr
 
 

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