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Vier Rehe laufen im Morgenlicht durch ein Feld. (Bild:  picture-alliance/dpa)

Schutz für wehrlose Rehkitze?

Der Wildtierretter

Lebensgefahr für Rehkitze: Jedes Frühjahr sterben mindestens 100.000 von ihnen in den Mähwerken der Landwirte. Das bedeutet viel Arbeit für ehrenamtliche Wildtierretter. Seit einigen Jahren bekommen die Retter auch technische Hilfe: ein Gerät, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt.
 

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21.09.2011, 21:00 Uhr
Es ist maximal drei Wochen alt und seine Mutter hat es im hohen Gras versteckt. Die Mutter selbst geht im Schutz des Waldes fressen, gut vier Stunden kann es dauern, bis sie zurück ist. Vier Stunden, die für das Kitz lebensgefährlich sein können. Es werden die Wiesen gemäht und immer wieder geraten dabei Rehkitze in die Mähwerke.

Ute Bernhard aus dem hessischen Untermossau versucht seit neun Jahren, Rehkitze vor diesem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Etwa 100.000 Rehkitze werden jährlich in Deutschland von den Mähmaschinen erfasst. Die Überreste dienen den Füchsen als Mahlzeit.
 

Die Rehkitze in Untermossau haben Glück

Die Bauern informieren Ute Bernhard vor der Mahd. Freiwillige Helfer suchen dann mit ihr die Wiesen ab. Vor einigen Jahren war das aber noch einfacher, weiß Ute Bernhard: "Die Problematik ist, dass sich drei Bauern zusammen geschlossen haben und ihre Arbeit jetzt gemeinschaftlich verrichten. Früher waren das kleine einzelne Parzellen, da konnten wir das besser überschauen. Jetzt kommt ein Lohnunternehmen und mäht das an einem Tag, das wird für uns unheimlich stressig, weil wir in kürzester Zeit Leute zusammen trommeln müssen, die mit uns die Wiesen abgehen."
 

Seit acht Uhr sind die Helfer auf den Beinen

Drei Wiesen stehen auf dem Programm, da ist Eile geboten. Die Kitzretter werden schnell im hohen Gras fündig. Das Kitz unternimmt keinen Fluchtversuch. Sein Verhaltensmuster befiehlt ihm: abducken! Jetzt braucht Ute Bernhard Handschuhe. Das Kitz darf nicht nach Mensch riechen, sonst würde die Mutter, also die Ricke ihr Junges später nicht mehr annehmen. Im sicheren Abstand zur Mähmaschine sperren die Retter das Kitz ein, sonst würde es auf die Wiese zurück laufen. Ein Kitz ist in Sicherheit. Doch es könnten noch andere in Gefahr sein.

Seit fünf Jahren bekommen die Retter auch technische Hilfe, den so genannten Wildretter. Das Gerät wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt. Es ist mit Infrarotsensoren ausgestattet. Sie reagieren auf Wärme, schlagen Alarm, wenn die Temperatur an einer Stelle im Gras höher ist als an einer anderen. Das Problem: Gegen Mittag, wenn die Sonne hoch steht, erwärmt sich das Gras überall. Die Folge: häufiger Fehlalarm. Der kostet die Retter wertvolle Zeit.
 

Hightech-Retter im Test

Die Forscher des DLR arbeiten inzwischen an einer zweiten, technisch noch ausgefeilteren Generation: Das Gerät soll nicht nur auf Wärme, sondern auch auf Flüssigkeiten und Farben reagieren - mit Hilfe von Mikrowellenradaren, Infrarot - und Videokameras. Das Gerät wird direkt an die Mähmaschine montiert. Der Trockentest im Labor hat schon funktioniert. Doch wie sieht es im Freiland aus? Wird der Hightech – Fuhrpark die Reh – Attrappen im Gras finden? Rehe haben - genau wie wir - einen großen Wasseranteil im Körper. Das machen sich die Forscher mit ihrer neuen Technik zunutze.

Unterstützung gibt es zusätzlich aus der Luft – vom so genannten Oktokopter. Das Fluggerät wird mit acht Propellern angetrieben und ist mit einer Kamera ausgerüstet. Seit 2008 läuft das Projekt. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: Sowohl der Oktokopter als auch das Suchgerät an der Mähmaschine finden die Attrappe. Die Feldversuche sind vielversprechend.
 

Wann ist mit der neuen Technologie zu rechnen?

"Momentan sind wir noch in der Forschungsphase. Das geht noch bis Ende 2011 und eine Produktentwicklung wird im Anschluss stattfinden. Wie lange die dauert, das kann man noch gar nicht abschätzen" , so der Ingenieur Martin Israel.

Solange die neue Technik noch nicht eingesetzt werden kann, müssen die Kitzretter wohl weiter zu Fuß mühsam die Wiesen durchkämmen, um die kleinen Rehe zu retten.
 
Autorin: Katrin Linke
 
Redaktion: andi / kim
Letzte Aktualisierung: 3.11.2011, 12:33 Uhr
 
 

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