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15. Tanz ums goldene Kalb - Kapitalismus versus kirchliche Soziallehre

Kein Gefängnis, sondern das Obdachlosenheim im Ostpark in Frankfurt am Main. (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Kein Gefängnis, sondern das Obdachlosenheim im Ostpark in Frankfurt am Main.
Der Münchener Erzbischof Reinhard Marx geißelt die Auswüchse des Turbokapitalismus, der Frankfurter Sozialethiker und Jesuit Friedhelm Hengsbach kritisiert soziale Kälte und Massenarbeitslosigkeit.
 

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27.02.2010, 9:25 Uhr

Zitat

"Wenn die Strukturen so sind, dass im Grunde der Gierige, der über die anderen hinwegtrampelt, der Gewinner ist, unbestraft und ohne Folgen, dann ist ein System erreicht, das Anreize setzt zum schlechten Handeln."

Reinhard Marx, Erzbischof München

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Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber fordert ein Einschreiten gegen Geldgier und zerstörerische Gewinnsucht in der Wirtschaft. Es sind harsche Worte, die die Kirchenoberen - ob katholisch oder evangelisch - finden, wenn sie die christliche Soziallehre auf Gegenwartsprobleme beziehen.

Ausgehend von einem christlichen Menschenbild fasst die kirchliche Sozialethik die Normen des Zusammenlebens der Menschen zusammen. Danach ist jeder Mensch ein "Ebenbild Gottes" und besitzt als Person genauso eine unantastbare Würde wie vom Schöpfer verliehene "Grundrechte". Die wertgebundenen Grundsätze beider christlicher Konfessionen betonen die soziale Verantwortung und stehen in scharfem Gegensatz zum Shareholder-value-Kapitalismus.

Die Kirche musste Stellung beziehen

Die Soziallehre der katholischen Kirche geht auf die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts zurück. Zwar gab es auch in den Jahrhunderten zuvor in der Kirche immer wieder Auseinandersetzungen über das Verhältnis der Kirche zu Staat und Gesellschaft. Zu denken ist insbesondere an die Bettelorden des Mittelalters, die sich mit der Propagierung der Armut und der tätigen Hilfe für die Armen nicht selten in Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie begaben.
 
Doch unter dem Eindruck der industriellen Revolution, der Herausbildung einer Arbeiterklasse und dem Entstehen einer organisierten Arbeiterbewegung sah sich die katholische Kirche genötigt, neue Antworten auf die soziale Frage zu finden. Die bisherige, einseitige Betonung eines Appells an den Gläubigen: "Rette deine Seele" genügte nicht mehr, die Kirche musste Stellung beziehen. Und zwar nicht im Sinne einer "Allzuständigkeit" zur Lösung politischer und sozialer Fragen, aber doch im Sinne von Tugenden für das Zusammenleben der Menschen, von Grundgedanken einer vernünftigen Ordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Entscheidende Impulse für die Herausbildung einer katholischen Soziallehre gingen von Adolf Kolping und Wilhelm Emmanuel von Ketteler aus. Adolf Kolping war Gründer von Gesellenvereinen sowie Gesellenhäusern, den Keimzellen des späteren Kolpingwerkes, Bischof Ketteler gründete die Katholische Arbeitnehmerbewegung. Beide wußten, wenn die Kirche auf die soziale Frage keine Antwort fände, würden andere diese Antworten geben.
 

Aktuelle reaktionen der Kirchen auf die Wirtschaftskrise

Deutlich hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland, kurz: EKD, im Jahr 2008 in der Denkschrift "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" geäußert. Darin betont die EKD, dass jeder Unternehmer verantwortungsvoll und wertorientiert denken und handeln solle.

Auch die katholische Kirche hat auf die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise recht grundsätzlich geantwortet. Papst Benedikt XVI. setzt mit der Enzyklika "Caritas in veritate" einen deutlich vernehmbaren, neuen Akzent in der katholischen Soziallehre. Zwar sieht der Papst die Notwendigkeit einer gerechten wirtschaftlichen Entwicklung, aber er versteht die derzeitige Krise vor allem als eine moralische Krise, als Krise des Eigennutzes und eines gottvergessenen Materialismus. Damit macht Papst Benedikt XVI. die Differenzierung zwischen Moraltheologie und Soziallehre wieder rückgängig, die die Geschichte der katholischen Soziallehre seit über 100 Jahren gekennzeichnet hatte.

Von Conrad Lay
 
Redaktion: kim
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 2.03.2010, 14:56 Uhr
 
 

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